Angst vor Isolation

Britische Marketingverbände fordern alternativen Brexit-Deal

Brexit-Folgen sind immer noch Thema
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Brexit-Folgen sind immer noch Thema
Am Dienstag hat das britische Parlament den Brexit-Plan von Premierminsiterin Theresa May abgeschmettert: Die Abgeordneten im Parlament stimmten mit 432 zu 202 Stimmen gegen den von EU und britischer Regierung ausgehandelten Austrittsvertrag. Jetzt steht alles wieder auf Null und es könnte sein, dass Großbritannien am angepeilten Austrittsdatum (29. März) ohne Deal aus der EU ausscheidet. Britische Marketingverbände fordern nun von der Regierung einen alternativen Plan.
Bei den britischen Marketingverbänden ist man alarmiert. Chris Combemale, Chief Executive der Direct Marketing Association, findet deutliche Worte für den nahenden EU-Ausstieg: "Es ist unerlässlich, dass die Regierung einen Plan B formuliert und einen 'No-Deal-Brexit' auf jeden Fall verhindert". Combemale warnt vor diversen drohenden Unsicherheiten für den Daten- und Marketingsektor - denn ein ungeregelter Brexit könnte dazu führen, dass die Datenflüsse versiegen. Und das würde schwere Auswirkungen auf Jobs und Investments haben.


Der Vertreter der Advertising Association, Chief Executive Stephen Woodford, schließt sich den Forderungen an: "Die Regierung muss schnell eine Alternative finden, um die Unsicherheiten in der Industrie und dem ganzen Vereinigten Königreich zu reduzieren". Er formuliert drei essentielle Punkte, die geklärt werden sollten. Zum Ersten der kontinuierliche, länderübergreifende Datenfluss. Zum Zweiten die Erhaltung der Vielfalt im Rundfunk, damit länderübergreifendes Marketing möglich ist. Und zum Dritten ein flexibles Migrationssystem, damit Großbritannien nicht den Anschluss zu Talenten aus anderen Ländern verliert. "Die Pläne, die in den kommenden Wochen ausgehandelt werden, werden unseren Erfolg nach dem Brexit bestimmen", sagt er. "Wenn wir ein flexibles, business-freundliches System haben, werden wir höheres Wachstum und steigende Exporte verzeichen. Wenn wir hingegen ein hoch restriktives Regime haben, würde das unsere internationalen Wettbewerber begünstigen."

Auch Michelle Goddard, Director of Policy and Standards von der Market Research Society, warnt vor den signifikanten Herausforderungen für Forschung, Insights und den Datensektor und spricht von einer "hohen Unsicherheit". Ihr Verband habe sich aber bereits mit diversen Maßnahmen auf drohende Szenarien vorbereitet, um seine Mitglieder informieren zu können.


Etwas weniger aufgeregt gibt sich Paul Bainsfair, Director General des Institute of Practitioners in Advertising (IPA). Man sei für beide Szenarien vorbereitet- sowohl für einen No Deal als auch für einen geregelten Brexit. Doch auch er gibt auf Researchlive.com zu Protokoll, dass der grenzübergreifende Datenfluss und das Engagieren von Talenten aus aller Welt unbedingt geregelt werden müsse. Trotzdem nennt er als einziger Befragter auch einen Vorteil, den der Brexit haben könnte: Mit dem Austritt aus der EU hätte die britische Werbeindustrie die Möglichkeit, sich als "die beste in der Welt" zu behaupten und näher mit Märkten wie den USA oder China zusammenzuarbeiten. Und das sagt er, obwohl der IPA-Bellwether-Report für das 4. Quartal 2018 ergeben hat, dass der Brexit erhebliche Folgen für die Werbebranche haben wird. Zum ersten Mal seit 2012 stagnieren die Marketingetats in Großbritannien. bre
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