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Eine hybride Form des On- und Offline-Shoppings ist sehr verbreitet. Viele Konsumentinnen und Konsumenten nutzen während des Einkaufs im Geschäft auch die App oder die Website des Einzelhändlers.
IMAGO / agefotostock
Amazd & Blvrd

Wie das hybride Einkaufserlebnis gelingen kann

Eine hybride Form des On- und Offline-Shoppings ist sehr verbreitet. Viele Konsumentinnen und Konsumenten nutzen während des Einkaufs im Geschäft auch die App oder die Website des Einzelhändlers.
Kurz vor Weihnachten ist die Nachfrage sowohl im Online- als auch im Offline-Handel riesig. Egal ob es zum Shopping vor den Laptop oder in den nächsten Laden geht – beide Optionen sind jeweils mit Vor- und Nachteilen verbunden. Welche hybriden Formen des Einkaufens sich für Unternehmen in Zukunft bewähren könnten, zeigen die Beispiele der Start-ups Amazd und Blvrd.
von Janina Herberger Freitag, 23. Dezember 2022
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Im Gegensatz zum Online-Shop kann im stationären Handel angefasst, probiert und gestöbert werden. Zudem bietet der Einkauf im stationären Handel die Möglichkeit eines persönlichen Beratungsgesprächs – einer Option, auf die infolge der Ladenschließungen während des Corona-Lockdowns weitestgehend verzichtet werden musste. Das 2020 gegründete Start-up Amazd hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, das Beratungsgespräch in die Online-Welt zu überführen.

Amazd als Software für das digitale Beratungsgespräch

"On a mission to close the experience gap in digital retail" – so beschreibt Amazd-Gründer Dominik Unützer die Mission seines Start-ups auf seinem LinkedIn-Profil. Auf die Lücke im digitalen Handel sei er selbst aufmerksam geworden, als er sich während des Corona-Lockdowns ein Rennrad kaufen wollte. Dabei habe er gemerkt, dass es online immer noch wenig Hilfe gebe, das richtige Produkt zu finden.
Dominik Unützer, Gründer Amazd
© Amazd
Dominik Unützer, Gründer Amazd


"Das war eigentlich die Geburtsstunde von Amazd", so Unützer. "Es gibt so viele Produktgruppen, die heute immer noch besser offline stationär verkauft werden und die online einfach nicht gut funktionieren." Für alle Produkte, deren Kauf eine längere Bedenkzeit und kompliziertere Entscheidungswege erfordern, sei der Online-Shop heutzutage nicht der beste Kanal, so Unützer.

Das Start-up bietet deswegen eine Softwarelösung, die es Verkaufsberaterinnen und -beratern von Unternehmen ermöglicht, mit Kundinnen und Kunden in Kontakt zu treten – sei es via Chat, Audio- oder Videocall. Der Hauptkommunikationskanal sei dabei der Chat, erklärt Unützer. Er biete Gelegenheit, informell und asynchron hin- und her zu texten und ermögliche zudem das Teilen von Links und Fotos. Der Unterschied zu einem Chatbot, der eher "formalistische" Antworten gebe, so Unützer, sei dabei deutlich spürbar.

Blvrd als erlebbare Produktsuchmaschine

Während der stationäre Handel durch seine Vorteile auf der Fläche besticht, punktet Online-Shopping bei Konsumentinnen und Konsumenten durch ein breiteres Angebot und die Möglichkeit des Preisvergleichs. Zudem können Produkte online unkompliziert bestellt werden – offline sind sie hingegen nicht immer im stationären Handel in der Nähe vorrätig. Das im Jahr 2019 gelaunchte Start-up Blvrd stellt mit seiner App eine Art Produktsuchmaschine zur Verfügung, die es Kundinnen und Kunden ermöglicht, vorab die Verfügbarkeit von Fashion-Produkten im stationären Handel zu prüfen.
Ari Berzenjie, Gründer Blvrd
© Blvrd
Ari Berzenjie, Gründer Blvrd
Inzwischen hat die App rund 30.000 User und ist weiter auf Expansionskurs. Ende letzten Jahres war Blvrd bereits in Hamburg und Hannover vertreten, inzwischen funktioniert die App auch in Bremen, Osnabrück, Oberhausen, Düsseldorf, Berlin, Mannheim und München. Obwohl Blvrd als Produktsuchmaschine gestartet sei, gehe es mittlerweile um mehr, erklärt Blvrd-Gründer Ari Berzenjie im Gespräch: "Es geht nicht nur darum, dass du Artikel über die App suchen kannst und siehst, wo sie verfügbar sind, sondern es geht vielmehr darum, zu verstehen: Wie ticken denn Konsumentinnen und Konsumenten heutzutage?"
„Der Handel hat eCommerce komplett verschlafen und will jetzt übers Metaverse reden.“
Ari Berzenjie, Gründer Blvrd
Die Coronapandemie habe die Erwartungshaltung der Kundinnen und Kundinnen wie ein Brennglas beschleunigt, so Berzenjie. "Wenn du in die Stadt gehst, willst du wissen, wo etwas verfügbar ist. Fast 40 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten nutzen im Laden ein Smartphone, um mehr über ein Produkt zu erfahren", erklärt Berzenjie. Blvrd wolle deshalb stationären Händlern zu einem digitalen Konzept verhelfen, das nur so weit reicht, dass es das lokale Erlebnis verstärkt. Umgesetzt wird dieses physisch-digitale Konzept - das Start-up hat hierfür das Kunstwort „phygital“ geprägt – mithilfe unterschiedlicher Features.

Scannen die Kundinnen und Kunden beispielsweise das Preisschild eines Kleidungsstücks im Store, erhalten sie über die App weitere Produktinformationen. Blvrd schlägt dann zum Beispiel dazu passende Kleidungsstücke vor und zeigt an, in welchen Größen der Artikel jeweils im Store vorhanden ist.
© Blvrd/App
Ein weiteres Feature der App, das TNDR-Feature, basiert auf dem intuitiven Swipe-Verhalten der User. Wie auch in der weltweiten Nummer eins der Dating Apps ist es ein Wisch nach rechts oder links, der über ein "Ja" oder ein "Nein" entscheidet – doch gewischt wird mit Kleidung. Im Hintergrund der App werden dabei Filter gesetzt, um dem User daraufhin eine Auswahl passender Artikel vorzuschlagen. Die Option einer geteilten Shoppinglist, eine weitere Funktion der App, überführt den sozialen Aspekt des Einkaufens ins Digitale. User haben dadurch Zugriff auf die Einkaufslisten ihrer Freundinnen und Freunde und können die jeweiligen Artikel mit einem Like oder Dislike versehen.

Beide Start-ups verfolgen unterschiedliche Ansätze, um die Digital Experience von Konsumentinnen und Konsumenten zu verbessern und setzen dabei jeweils auf bestimmte Mankos im E-Commerce. Beide Lösungen, sowohl die Überführung des Beratungsgesprächs in die Online-Welt als auch das Angebot einer digitalen Produktsuchmaschine für den stationären Handel, schlagen dabei ein Brücke zwischen stationärem und digitalem Handel. Unternehmen bietet sich dadurch die Möglichkeit, Kundinnen und Kunden entlang mehrerer Touchpoints anzusprechen und die Customer Journey sowohl online als auch auch offline begleiten zu können. jh

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