Zalando-Vorstand Robert Gentz

"Wir haben versucht, den Schritt so fair wie möglich zu gestalten"

Zalando-Vorstand Robert Gentz
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Zalando-Vorstand Robert Gentz
Zalando baut um - und bis zu 250 Marketing-Stellen ab: Diese Nachricht hat Anfang des Monats die Branche beschäftigt. Im Programmpunkt "Zalando: Über das Wirtschafts- und Marketingwunder unserer Generation" stellte sich Zalando-Gründer Robert Gentz auf dem OMR Festival in Hamburg den Fragen von OMR-Podcast-Stammgast und Digital-Unternehmer Sven Schmidt. Im Laufe des Gesprächs räumte der Founder ein, dass man den radikalen Schritt möglicherweise durch frühere Reformen hätte verhindern können.

Schmidt stieg gleich mit der direkten Konfrontation ins Gespräch ein. 250 Marketer von Zalando verlieren ihre Jobs. "Uns ist es nicht leicht gefallen", beteuerte Gentz. "Wir haben sehr lange und gut überlegt, aber es ist der richtige Schritt für uns".



Der Zalando-Gründer versuchte auch eine Erklärung für den radikalen Schritt zu liefern. So hätten sich die internen Prozesse in der Marketingabteilung mit der Zeit verkompliziert. "Wir sind sehr langsam und sehr abstimmungsintensiv geworden", so Gentz, "doch die Marketingwelt ist schnellebig. Es war eine Umstrukturierung notwendig". Vorher habe es mehrere Marketing-Teams gegeben, nun würden sie unter einem Dach zusammengefasst. "Wir haben versucht, den Schritt so fair und menschlich wie möglich zu gestalten", sagte der Gründer. Er bekräftigte aber auch: "Bei uns machen keine Maschinen Marketing, sondern Menschen".

Gleichwohl räumte Gentz auch Versäumnisse ein. "Ja, wir haben in der Vergangenheit zu wenige Reformen gemacht. Deswegen folgt jetzt die große Umstrukturierung. Das ist ein Fehler, den wir gemacht haben". 


Gentz äußerte sich auch zur Entwicklung der Marketingausgaben des Unternehmens, die  - obwohl der Umsatz gestiegen ist - nicht erhöht wurden. Gentz erklärte das damit, dass Zalando einen Wachstumsfaktor festgelegt habe, den das Unternehmen managen könne. Entsprechend viel Budget werde auch ins Marketing investiert. Statt diese Ausgaben weiter zu erhöhen, werde das Geld für die Verbesserung der Kundenerfahrung ausgegeben. "Wir halten das Marketingvolumen konstant, investieren aber beispielsweise mehr in Logistik und Retouren. Das zahlt sich für uns aus", sagte Gentz.

Aus Sicht von Gentz steht der Modeindustrie ein umfassender Wandel bevor. Dabei sieht er durchaus Parallelen zur Musikindustrie. "Die erste Welle der Digitalisierung ist gewissermaßen ein 'Itunes-Moment': Alles wird digitalisiert und ist online verfügbar", erklärte der Zalando-Chef. "Mit der zweiten Welle, dem 'Spotify-Moment', kommen die Personalisierungs-Interfaces, mit denen jeder die für sich relevanten Inhalte herausfiltern kann". Die Modeindustrie befinde sich noch inmitten der ersten Phase: Immer mehr Marken werden digitaler und teilen ihre Bestände mit Zalando.

In Zukunft sieht sich der Mode-Gigant klar im Vorteil: "Wir haben für den bevorstehenden 'Spotify-Moment' eine gute Position, da wir bereits der kernstrategische Partner für Marken in der digitalen Welt  sind. Wir haben die größte Datenmenge. So können wir Personalisierungs-Interfaces deutlich besser und schneller bauen als Konkurrenten, die jetzt erst am Anfang stehen."

Angst vor Amazon hat der Zalando-Gründer nicht. Amazon sei zwar eine "beeindruckende Firma, die man beobachten muss", doch Zalando habe einen großen Vorteil durch die Fokussierung auf Mode, glaubt Gentz. bre

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