ZAW-Stellenanalyse 2017

So leidet die Kommunikationsbranche unter dem Fachkräftemangel

ZAW-Hauptgeschäftsführer Manfred Parteina
Bild: ZAW
ZAW-Hauptgeschäftsführer Manfred Parteina
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Die Stellenmarktanalyse des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) zeigt, dass der Fachkräftemangel auch 2017 in einzelnen Bereichen wächst. Ungewiss ist, welche Auswirkungen Regulierungsvorhaben wie die E-Privacy-Verordnung haben werden.

Dramatisches „business as usual“ prägt den Stellenmarkt der deutschen Werbewirtschaft. „Der Jobmotor Werbebranche läuft und läuft“, betitelt der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) seine Arbeitsmarktanalyse für das Gesamtjahr 2017 und beschreibt damit das Dilemma der Zunft: Natürlich ist es auf den ersten Blick großartig, dass die Werte das vierte Jahr in Folge ein Plus in allen erfassten Bereichen zeigen – also, dass sowohl Agenturen als auch werbungtreibende Firmen und Medien erneut mehr Personal suchen. „Der Arbeitsmarkt der Werbebranche ist bereits seit einigen Jahren gut bis sehr gut“, kommentiert Manfred Parteina, Hauptgeschäftsführer ZAW, diese Entwicklung vor dem Hintergrund der um 4 Prozent sinkenden Arbeitslosenzahl der Branche (22296 Arbeitslose 2017).


Hinter dem „gut laufen“ verbirgt sich aber wachsender Fachkräftemangel: „Zu schaffen machen unserer Branche der fehlende Nachwuchs und der Run aller Wirtschaftszweige auf die begrenzte Anzahl der Digitalfachkräfte“, räumt Parteina ein. Tatsächlich fehlen beispielsweise Agenturen neben Spezialisten, die sich mit digitalen Themen wie UX-Design auskennen, auch Talente in klassischen Werbeberufen wie Text, Beratung und Grafik. Medienunternehmen suchen vor allem Mediaexperten sowie Werbe-, Marketing- und Anzeigenfachleute, um der steigenden Komplexität Herr zu werden. Und die Werbeauftraggeber bauen offenbar viel stärker als in den Vorjahren interne Ressourcen in verschiedenen Arbeitsgebieten des Marketings und in der Werbung auf. Auf sie entfallen 2017 rund 19 Prozent der ausgeschriebenen Stellenangebote, im Vorjahr waren es dagegen nur 3 Prozent.

ZAW Stellenstatistik 2017

Berufsbereich2017WerbungtreibendeMedienWerbeagenturen
Marketing und Werbung1148594143411
Account Manager8071630761
Grafiker und Mediendesigner70227821403
Mediaexperten60996208305
Art-Direktoren562253534
IT-Experten51127502
Texter455340421
Kontakter4052027358
Anzeigenfachleute30810711487
Auszubildende/Trainees562016220
Werbefachleute2431126170
Planner15513151
Back-Office11251097
Content-Experten9810187
Werbeproduktion9526465
Konzeptioner820775
Werbeleiter4024115
Gestalter visuelles marketing403640
Marktforschscher313127
Geschäftsführung9009
Praktikanten104318133892
Gesamt77111.4278045480
Quelle: ZAW - Stellenangebote nach Berufsbereichen Gesamtjahr 2017
Für die Symptome lassen sich diverse Ursachen ausmachen: So sind im Zuge der Digitalisierung eine Reihe von Qualifikationen in allen Unternehmen nachgefragt. Heute konkurrieren Agenturen, Marketingabteilungen und Contentproduzenten jeglicher Couleur mit Industriekonzernen, Institutionen und Dienstleistern, mit denen es beim Personal zuvor kaum Überschneidungen gab. Hinzu kommt die Start-up-Szene, die vielen Talenten attraktiver erscheint als Agenturen oder Konzerne etwa bei den Fast Moving Consumer Goods, die mit Imageproblemen als Arbeitgeber zu kämpfen haben – die einen gelten als Ausbeuter, die anderen als zu hierarchisch.

Immer wieder zu hören ist auch der umstrittene Vorwurf an die Hochschulen, Absolventen brächten nicht das richtige Wissen mit. Tatsache ist, dass zu wenige Nachwuchskräfte in bestimmten Fachgebieten ein Studium abschließen. „Hier ist unsere Branche gefragt, attraktiv für den Nachwuchs zu bleiben, und Projekte wie zum Beispiel ‚Mach was draus. Komm in die Agentur!‘ sind da sehr förderlich“, sagt Parteina.

Sorgen bereitet ihm aber vor allem die Ungewissheit, die die geplante E-Privacy-Verordnung mit sich bringt. Wenn sie, wie in einer aktuellen Studie prognostiziert, Umsatzeinbußen im digitalen Werbegeschäft von über 30 Prozent bringt, dürfte das auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt der Werbewirtschaft haben. ems



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