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Wladimir Klitschko auf dem Deutschen Medienkongress
Getty Images / Alexander Hassenstein
Wladimir Klitschko

"Angst macht besser. Die Mentalität der Deutschen ist genau richtig."

Wladimir Klitschko auf dem Deutschen Medienkongress
Angela Merkel ist sein großes Vorbild und German Angst ist für ihn nichts Tadelswertes. Auf dem Deutschen Medienkongress erzählt der mehrfache Box-Weltmeister Wladimir Klitschko, wie aus Problemen Herausforderungen werden und was Manager von Spitzensportlern lernen können.
von Vera Günther Dienstag, 16. Januar 2018
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Mit seiner Erfahrung aus über 200 Kämpfen hat er ein Konzept für Challenge Management entwickelt, das er nicht nur in einem Buch veröffentlich hat, sondern Wirtschaftslenkern als Dozent an der Uni St. Gallen vermittelt: „In 25 Jahren Sport und auch als Unternehmer habe ich einiges gelernt, was ich weitergeben möchte“, sagt Klitschko. Das lässt sich zunächst als "Spaß an der Herausforderung" zusammenfassen. "Ich sehe keine Probleme, Challenges machen mir Spaß", sagt Klitschko, der diesen Grundsatz auf seine zweite Karriere als Unternehmer und Dozent übertragen hat.


Erfolg macht der Schwergewichtler an folgenden 5 Schlagworten fest: Zielsetzung, Konsequezen, Bildvorstellung, Weggefährten und Besessenheit. Ein Zyklus, den er in seinen Karriere immer wieder durchlaufen hat: das Ziel, den Gegner zu besiegen, die Konsequenzen, wenn es nicht klappt, die Visualisierung des Kampfes und natürlich des Siegs, die Menschen, die dabei helfen und die Besessenheit, genau dieses Ziel erreichen zu wollen. Das alles sei maßgeblich dafür gewesen, dass er über Jahre den Boxring dominiert habe.

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Den gleichen Entscheidungszyklus hat er durchlaufen, als er 2017 seine Sportlerkarriere nach dem verlorenen Titelkampf gegen Anthony Joshua beendet hat. Eine Entscheidung, die er sich nicht leicht gemacht habe. "Ich habe 100 Tage darüber nach gedacht, ob ich einen Rückkampf machen möchte, und mich dann dagegen entschieden." Warum? Bereits der erste Punkt "Zielsetzung" brachte Klarheit. Klitschko verfolgt nun ein anderes Ziel: Eine zweite Karriere starten. Eine Karriere als Buchautor, Dozent, Unternehmer und Stiftungsinhaber. Das Thema Rückkampf hatte sich damit erledigt, alle Besessenheit - Punkt 5 seines Zyklus-  ist nun auf den neuen Lebensabschnitt gerichtet.

Dass er sich für den Beschluss Zeit gelassen hat, hat er von Angela Merkel abgeschaut. Der Bundeskanzlerin, der man immer wieder gerne nachsagt, sie sitze Probleme aus und zaudere bei Entscheidungen, habe einmal erläutert, wie sie schwierige Entscheidungen trifft: Sie nehme sich sehr lange Zeit, so die Antwort, und irgendwann wisse sie genau, was sie tun müsse. So also auch die Maxime Klitschkos, der im Gepräch mit Sky-Moderatorin Jessica Kastrop, die oft bemängelte German Angst verteidigt: "Angst macht besser. Die Mentalität der Deutschen ist genau richtig. Deutschland hat die Wirtschaftskrisen in den letzten Jahren auf diese Art sehr gut bewältigt."

Eine erfolgreiche Sportlerkarriere, ein Buch, eine Dozentur, eine Stiftung. Welches Ziel hat Klitschko für 2018 noch offen? "Ich will mein Buch an der Harvard Business School präsentieren." Man möchte geneigt sein zu glauben, dass die Entscheidungsträger vor Ort, dem Unternehmer und Ex-Boxprofi diesen Wunsch gewähren werden. vg



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