Werbemarkt Nielsen meldet für die ersten vier Monate Stagnation des Werbemarktes

Dienstag, 22. Mai 2018
Der Werbemarkt stagniert
Der Werbemarkt stagniert
© Fotolia

Noch geht es der deutschen Wirtschaft gut, noch sind die Konsumenten ausgabefreudig. Doch die Unternehmen agieren vorsichtig. Bei Nielsen stehen bis Ende April brutto rund 9,8 Milliarden Euro in den Büchern. Das im Vergleich zum Vorjahr ein mageres Plus von 0,5 Prozent. Oder einfach Stagnation.
In der vergangenen Woche hat sich der ZAW optimistisch für das laufende Jahr 2018 gezeigt, was die Werbeinvestitionen anbelangt. Doch die Unternehmen agieren noch zurückhaltend trotz der guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Zumindest, wenn man die Zahlen der von Nielsen erfassten Werbeträger als Basis nimmt. Danach steht da mit 9,8 Milliarden Euro ein Plüschen von 0,5 Prozent. Das muss noch kein Drama sein, zumal unter den Top 20 gerade mal sieben Big Spender ihre Investitionen reduziert haben oder in Kanäle verlagert haben, die von Nielsen nicht erfasst werden: Content Marketing, beispielsweise Social Media oder Search.

Die Top 20 Werbespender von Januar bis April 2018

Quelle: Nielsen

Die Unternehmen:

Unter anderem hat Volkswagen die Ausgaben um ein Viertel auf 71,3 Milliarden Euro reduziert. Bei Beiersdorf steht mit knapp 60 Millionen Euro ein Minus von rund acht Prozent. Dagegen schreiben Procter & Gamble, die Schwarz-Gruppe mit Kaufland und Lidl ihre Offensive aus dem vergangenen Jahr mit Steigerungen von rund 10 Prozent, 38 und 18,4 Prozent weiter  fort. Vervierfacht hat Tipico seine Spendings. Zu den Überraschungen zählt aber Opel. Der Autobauer mit Spardruck hat seine Ausgaben um satte 78 Prozent auf knapp 50 Millionen hochgefahren. So gehören die Rüsselsheimer zu den fünf Unternehmen, die im Internet die Ausgaben am stärksten hochgefahren haben. Rund 5 Millionen Euro weist Nielsen hier als Plus aus. Das ist allerdings nichts zu Tipico. Der Online-Sportwettenanbieter hat hier die Ausgaben um fast 41 Millionen gesteigert.

Die Kanäle:

Und wer steigert bei TV am stärksten die Spendings? Procter & Gamble hat hier den Etat um fast 32 Millionen auf 285 Millionen Euro angehoben. Die Schwalbacher tragen dazu bei, die Brutto-Spendings bei TV stabil zu halten. 4,7 Milliarden Euro stehen für ein mickriges Plus von 0,14 Prozent. Was auch damit zusammenhängt, dass Vodafone fast 17 Millionen, Volkswagen und Audi jeweils rund 15 Millionen Euro aus dem Markt genommen haben. Stabile Zahlen melden die Hamburger Marktforscher auch bei Out of Home. Hier stehen 636 Millionen Euro für ein leichtes Minus von 0,7 Prozent. Aldi Nord mit einem Plus von fast neun Millionen Euro und Aldi Süd mit 5,5 Millionen Euro gehören in der Gattung zu den Top drei der ausgabenfreudigsten Unternehmen. Zwischen den beiden Discount-Brüdern steht nur Doc Morris. Die Versandapotheke hat bei der Außenwerbung massiv erhöht. Von 7,4 Millionen Euro auf 7,5 Millionen.

Bei den Zeitungen dagegen steht mit fast drei Prozent ein Plus, das man vielleicht so nicht erwartet hätte. Rund 1,6 Milliarden Euro bilanziert Nielsen für die ersten vier Monate. Zu den Unternehmen, die hier am stärksten zugelegt haben gehört Pharma SGP. Der OTC-Hersteller aus Gräfelfing bei München nutzt Printprodukte, um für Produkte wie Ruba X oder Neodolor LQ zu werben.

MCM Klosterfrau hingegen setzt auf die Magazine. Neun Millionen Euro hat das Kölner Unternehmen bislang bei den Publikumstiteln investiert. Ein Plus von rund 6 Millionen Euro. Doch auch die Mehrausgaben von Beiersdorf in der Gattung von Plus 2,2 Millionen Euro können die Titel insgesamt nicht vor einem Minus bewahren. Knapp über eine Milliarde Euro Umsatz stehen für einen Verlust von fast vier Prozent. Noch härter erwischt es die Fachzeitschriften, die einen Rückgang von fast 8 Prozent aufweisen.

Auf Wachstumskurs nach den Bruttozahlen ist Radio. 612 Millionen Euro bedeuten eine Steigerung von 1,34 Prozent im Jahresvergleich. Rewe setzt derzeit besonders stark auf das Medium. Mit einem Plus von fast 11 Millionen Euro auf 15,4 Millionen hat der Einzelhändler hier am stärksten erhöht. Auffällig: Unter den Top fünf sind mit Aldi, Edeka und Kaufland drei Wettbewerber des Kölner Konzerns.

Aldi Süd hingegen hat wie Lufthansa und Check24 in Kino stark die Ausgaben erhöht. Das Trio hat jeweils die Bruttoausgaben um eine Million in den Lichtspielhäusern angehoben. Das reicht aber nicht, um die Gattung im Plus zu halten. Nach vier Monaten steht in der Nielsen-Bilanz ein Minus von rund 6 Prozent und 42,9 Millionen Euro.

Noch härter trifft es das Internet, wobei Nielsen hier nicht alle Kanäle erfasst. Doch bei der Desktopwerbung weisen die Marktbeobachter mit 805 Millionen Euro ein Minus von mehr als sieben Prozent aus. Allein Ebay und Aldi Süd investieren hier jeweils neun Millionen Euro weniger. Am wachstumsstärksten ist weiterhin Mobile. Der Liebling der Marketingentscheider legt um satte 63 Prozent auf 273 Millionen Euro zu. mir
HORIZONT Newsletter Newsline

täglich um 17 Uhr: die wichtigsten News. Insights. Inspirationen.

 


Meist gelesen
stats