Wegen Datenskandal

Commerzbank setzt Werbung auf Facebook aus

Hat erst mal genug von Facebook: Uwe Hellmann, Leiter Brand Management, Commerzbank
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Hat erst mal genug von Facebook: Uwe Hellmann, Leiter Brand Management, Commerzbank
Der Datenskandal reißt Facebook in einen Abwärtsstrudel. Der Absturz an der Börse - die Aktie verlor in dieser Woche zwischenzeitlich bis zu 50 Milliarden US-Dollar an Wert - war offenbar erst der Anfang. Das Social Network muss aktuell mit heftigem Gegenwind aus der Politik und - für Facebook viel schlimmer - nun offenbar auch aus der werbungtreibenden Industrie kämpfen. Hierzulande hat jetzt die Commerzbank angekündigt, ihre Kampagne auf Facebook vorerst zu stoppen.
Vor einer Woche erst hatte die Commerzbank den Startschuss für ihre neue Markenkampagne gegeben. Der von den Agenturen Thjnk (Kreation) und Syzygy (Online) entwickelte Auftritt umfasst neben TV-Spots auch jede Menge Online-Werbemittel wie Bumper-Ads, die - so war jedenfalls der Plan - natürlich auch auf Facebook hätten laufen sollen. Doch daraus wird vorerst nichts. Wie das "Handelsblatt"  berichtet, wird die Commerzbank ihre Kampagne auf Facebook aussetzen. 


Uwe Hellmann, Leiter Brand Management der Commerzbank, bestätigt den Werbestopp gegenüber HORIZONT Online. "Brand-Safetyness und Datensicherheit sind uns sehr wichtig", sagt Hellmann. Daher würden alle Formate, die die Commerzbank auf Facebook geschaltet hat, nun gestoppt. Das Social Network Instagram, das ebenfalls zu Facebook gehört, sei davon nicht betroffen. "Wir möchten der aktuellen Aufklärung den notwendigen Raum geben und zum gegebenen Zeitpunkt entscheiden, wie wir hier weitermachen", begründet Hellmann den Schritt. 

Hintergrund ist der Datenskandal, der am vergangenen Wochenende publik wurde. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica, mit der auch der amtierende US-Präsident Donald Trump seinerzeit im US-Präsidentschaftswahlkampf zusammengearbeitet hatte. Wie jetzt bekannt wurde, hatte sich Cambridge Analytica über eine Tochterfirma unerlaubt Zugang zu Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern verschafft und diese genutzt, um psychologische und politische Profile zu erstellen und die Zielgruppen entsprechend zu adressieren. Bislang war zwar bekannt, dass Cambridge Analytica eine Rolle im Trump-Wahlkampf und bei der Brexit-Abstimmung in Großbritannien gespielt hat. Über das Ausmaß der Verstrickung gingen die Meinungen aber bisher auseinander. 


Dass weitere Unternehmen eine Art Werbeboykott gegen Facebook verhängen, ist nicht auszuschließen. Gerade Big Spender wie der Procter & Gamble-Konzern, der hierzulande mit Abstand am meisten in Werbung investiert, und Unilever haben sich zuletzt immer wieder kritisch zu Digitalwerbung im Allgemeinen und zu den großen Plattformen wie Facebook und Google im Besonderen geäußert. Denkwürdig war vor allem eine Aussage von Unilever-CMO Keith Weed, der kürzlich sagte, Digitalwerbung sei "kaum besser als ein Sumpf" - und der Google und Facebook mit Budgetkürzungen drohte für den Fall, dass sie ihre Plattformen nicht besser überwachen. 

P&G-Marketingchef Marc Pritchard dürfte das ganz ähnlich sehen wie sein Kollege von Unilever. In seinem bereits Anfang 2017 vorgestellten 5-Punkte-Plan, mit dem der Konzern Vermarkter und Agenturen unter Druck setzte, genießt das Thema Brand Safety eine hohe Priorität. Geändert hat sich seitdem nichts. Erst Ende 2017 hatte Pritchard angekündigt, bei der Digitalwerbung weiter sparen zu wollen und Budgets in solche Kanäle zu verschieben, bei denen klar sei, dass die 
Marken des Konzerns "dort sicher beworben werden". Ob Facebook weiterhin dazu gehört, bleibt abzuwarten. mas
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