Wahlkampfwerbung

SPD mit zweitem Zündversuch

Die SPD zeigt in den Werbeblöcken lieber Kinder als ihren Kandidaten
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Die SPD zeigt in den Werbeblöcken lieber Kinder als ihren Kandidaten
Am Mittwoch präsentierten die Sozialdemokraten die zweite Werbewelle. Sie besteht aus drei Plakatmotiven zu den Themen Gerechtigkeit, Bildung und Zukunft. Illustriert sind sie mit einem sehr blauäugigen Kanzlerkandidaten. Beim Fernsehspot verlässt sich die SPD auf die Wirkung des Kindchenschemas. Ein Besuch in der Kampa des Willy-Brandt-Hauses in Berlin.

Kurz bevor SPD-Generalsekretär Hubertus Heil am Donnerstagnachmittag im Willy-Brandt-Haus die Bühne betritt, läuft ein kleines Filmchen auf der Leinwand. Witzig wirkt es mit seiner Comic-Anmutung. Er kommt ohne Worte aus. Optisch nur leicht verfremdet steuert Kanzlerin Angela Merkel darin stoisch gelangweilt einen Wagen, neben ihr, auf dem Beifahrersitz, Horst Seehofer von der CSU. Die beiden scheinen sich nichts zu sagen zu haben. Mit dunkel untermalten Augenringen glotzen sie – man kann es nicht anders ausdrücken – so dröge wie orientierungslos in die Ferne. Er hat den leeren Blick auf die Seite gerichtet, sie irgendwie nach vorn, vielleicht aber auch nur in sich hinein, so genau lässt sich das nicht ausmachen. Dann zieht die Kamera auf und man sieht, dass beide hinter einem Lenkrad sitzen. Nur: Merkel lenkt nach links, Seehofer nach rechts. Besser man weiß, wohin die Reise geht, lautet die Botschaft. Daher: SPD.



Das muss die zweite Welle der Wahlkampfwerbung sein, denkt man. Jetzt wird es Zeit, dass die Werbeagentur KNSK zeigt, was sie kann. Die erste Welle mit relativ konventionellen Themenmotiven, ist seit kurzem bundesweit auf Plakaten zu sehen. Und zur Pressekonferenz ins Willy-Brandt-Haus hatte die SPD an diesem Nachmittag ja eingeladen, um den Spot und die Plakatmotive der zweiten Welle des Wahlkampfs zu präsentieren. 

Hubertus Heil betritt die Bühne. Seine Stimme wirkt kämpferisch. Er sagt, nicht zum letzten Mal an diesem Nachmittag, dass ihm die Union manchmal vorkomme wie ein leeres Warenhaus, ohne Konzepte im Regal, nur leere Versprechen. Nun, da die Phase der Briefwahl begonnen habe, sei es an der Zeit zuzuspitzen, sagt er. Jetzt gehe es los. 


Doch dann stellt sich der witzige Spot vom Beginn nur als Nebensächlichkeit aus der Social-Media-Welt heraus. Das, was die SPD vorstellen wollte, war etwas anderes. Ihr ging es um drei weitere Plakatmotive nach den fünf der ersten Werbewelle. Erneut stehen Themen im Vordergrund: Gerechtigkeit, Europa und Zukunft. Diesmal ist allerdings auch das Konterfei von Martin Schulz zu sehen. Er hat Augen, so blau, wie sie nur mit Einsatz technischer Mittel blau sein können.

Wahlplakate der SPD: Im Zeichen der Gerechtigkeit


Von Montag an werden die Motive quer durchs Land plakatiert. Dazu präsentierte Heil einen Fernsehspot, der im Gegensatz zum eingangs erwähnten keine einzige Prise Witz enthält, sondern ausschließlich Kinder in Prenzlauer-Berg-Kulisse zeigt, anders als in der Realität jedoch ausschließlich brave, niedliche und gut gelaunte, die weder stören noch Arg kennen. Kinder, klar, bedeuten Zukunft. Dazu die Botschaft: Wenn wir Kindern als eine der ersten Dinge beibringen, dass man teilt, auf Schwächere Rücksicht nimmt, alle gleich sind und auf der Welt alles möglich erscheint, dann gibt es nur eine Wahl: die SPD. Und Martin Schulz. Dazu lautete Heils Kommentar: "Performance, Programm und Person passen bei uns zusammen". 

Anschließend lud Heil in die Kampa, jene Räume im Willy-Brandt-Haus, in der die SPD ihren Wahlkampf organisiert. Etwas versteckt, auf der Rückseite einer Stellwand, klärt eine Notiz auf, wer das eigentlich ist, dieses Facebook-Publikum: Sechzig Prozent der „User*innen“ sind demnach Männer zwischen 25 und 34 Jahre. Ein Posting nehmen sie im Schnitt gerade einmal 1,27 Sekunden lang wahr. Das gilt es wohl zu beachten für die zwölf hier arbeitenden Onliner. Ihre Aufgabe ist es, Dialogbereitschaft zu zeigen, im Dialog auf Augenhöhe sei Martin Schulz nämlich sehr gewinnend, sagt Bundesgeschäftsführerin Juliane Seifert. 

Für alle anderen Zielgruppen werden im Raum daneben die handelsüblichen Werbemittel mit Unmengen von Flyern, 400.000 Plakaten, Großflächen und dem gezeigten Fernsehspot geplant, dazu bundesweit 50 Großkundgebungen und Haustürbesuche organisiert, bei denen schon der Menge wegen gerade einmal Zeit bleibt zu sagen, dass am 24. September Wahl ist. 

Am Ende des Rundgangs kündigt Hubertus Heil an, nach dem TV-Duell am 3. September werde die SPD eine dritte Welle der Wahlkampfwerbung zünden. Er sagt, er sei zuversichtlich, dass da noch Bewegung reinzubringen sei. usi

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