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Wie Agenturmatching.de Werbungtreibende glücklich machen will

Agenturmatching.de-Gründer Roitzsch will die Pitchanbahnung einfacher machen
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Agenturmatching.de-Gründer Roitzsch will die Pitchanbahnung einfacher machen
Als "Tinder für Unternehmen und Agenturen" hat HORIZONT Online einmal Agenturmatching.de bezeichnet. Im Interview verrät Gründer Axel Roitzsch, wie das Start-up Werbungtreibende und Agenturen zusammenbringen und dabei Geld verdienen will.

Agenturbusiness ist people business, heißt es immer. Wie kommt man dann auf die Idee, ein Start-up zu gründen, das den persönlichen Kontakt zwischen Unternehmen und Agentur auf einen Algorithmus reduziert? Menschen tendieren oft dazu, Dinge komplizierter zu machen, als sie sind. Agenturmatching.de soll helfen, die komplizierten Dinge, die vor dem direkten Kontakt zwischen Marketer und Dienstleister passieren, zu vereinfachen.


Ist es so schwer geworden, die richtige Agentur zu finden? Jeder Werbungtreibende steht bei einem Pitch vor der Herausforderung, zunächst folgende Frage zu beantworten: Wie finde ich aus einem riesigen Pool die Agentur, mit der ich mich treffen sollte?  Da kann man recherchieren, googeln, einen Pitch ausrufen, Pitchberater kontaktieren und und und. Oder ich sorge über Agenturmatching.de dafür, dass es nach zwei Tagen zum direkten Kontakt zwischen Auftraggeber und passendem und motiviertem Dienstleister kommt. Anders formuliert: Wir wollen niemals den Kontakt, das Gespräch ablösen – im Gegenteil. Wir wollen, dass dies schneller und zielgerichteter passiert als auf dem klassischen Weg.

Wie sieht das Geschäftsmodell aus? Basis von Agenturmatching.de ist eine Datenbank mit den Profilen von mehr als 2.500 Agenturen. Ein einfaches Profil, auf dem Agenturen einen Referenzcase präsentieren können, ist kostenlos. Premium-Profile zwischen 49 und 249 Euro monatlich ermöglichen der Agentur, so viele Cases zu präsentieren, wie sie wollen. Außerdem sind auch alle GWA-Agenturen mit einem Profil vertreten.

Damit lässt sich nur überschaubar viel Geld verdienen. Der eigentliche Service beginnt auch erst jenseits der Profile.

Und sieht wie aus? Unternehmen, die eine Agentur suchen, füllen einen einfachen, kurzen Fragebogen aus. Dann telefonieren unsere Berater/innen mit dem Unternehmen und entwickeln daraus eine Projektzusammenfassung (Inhalt, Budget, Rahmenbedingungen etc.) für potenzielle Agenturen. Wir stellen eine Liste von 10 bis 15 möglichen Dienstleistern auf, die aufgrund ihrer Cases auf Agenturmatching.de und weiteren Angaben wie Standort, Awards, strategischer Ausrichtung fachlich relevant sind. Diese erhalten die Projektzusammenfassung und beschreiben kurz, warum sie motiviert sind, das Projekt umzusetzen. Die fachlich passendsten und motiviertesten werden dem Auftraggeber vorgestellt. Der ganze Prozess dauert etwa drei Tage. Von der Agentur, die den Auftrag erhält, bekommt Agenturmatching.de eine Provision, die sich nach der Höhe des Etatvolumens richtet.

Es gibt analog arbeitende Pitchberater. Sind sie Ihre größte Konkurrenz? Das werden wir oft gefragt, aber ich sehe diese Dienstleister nicht als Konkurrenz. Zum einen haben sie ein anderes Geschäftsmodell – hier zahlen die Unternehmen für die Services, bei uns dagegen die Agenturen, die den Etatzuschlag erhalten. Und Pitchberater werden oft zu einem späteren Zeitpunkt aktiv als wir – unser Augenmerk liegt auf Recherche und Screening, nicht darin, den Pitch bis zum Abschluss zu begleiten. Wir verstehen uns als eine Ergänzung im Markt, die für bestimmte Konstellationen die effizienteste ist.

Was macht Sie so sicher, dass diese Form der Anbahnung genauso gut und erfolgreich funktioniert wie die von erfahrenen Experten klassischer Provenienz? Ich würde mir nie den Schuh anziehen und behaupten, wir seien die besten Berater. Es ist auch nicht unser Ansatz, im klassischen Sinne zu beraten, sondern die richtigen Fragen an Unternehmen und Agenturen zu stellen, damit ein Matching möglich ist. Der Agenturmarkt hat sich in den vergangenen Jahren extrem fragmentiert, da fällt es auch erfahrenen Marketern sehr schwer, den Überblick über das jeweils in Frage kommende Angebot zu behalten.

Wie sehen Ihre Wachstumspläne aus? Seit 2017 sind rund 30 Millionen Euro Etatvolumen über unsere Plattform abgewickelt worden. Dieses Jahr wollen wir die 50-Millionen-Euro-Marke knacken. In Deutschland werden jährlich mehr als 80.000 Projekte oder Etats an Agenturen vergeben. Davon wird derzeit noch ein kleiner Teil über Agenturmatching abgewickelt. Es gibt also viel Luft nach oben.

Wie sieht Ihre Vision aus? Wir sind gerade dabei, den deutschsprachigen Raum abzudecken. In Österreich sind wir schon vertreten, bald öffnen wir Agenturmatching.de für den Schweizer Raum. Danach können wir uns weitere Märkte vorstellen.

Lässt sich der Matchingansatz auf andere Branchen übertragen? Auf jeden Fall. Es ist seit Gründung 2015 unsere Vision, das Geschäftsmodell auf andere Branchen, bei denen es um das komplizierte Zueinanderbringen von Auftraggeber und Dienstleister geht, zu übertragen. Deshalb heißt die eingetragene Firma auch nicht Agenturmatching, sondern Kekulee, wie der deutsche Chemiker August Kekulé. Dieser hat die Bindungstheorie aufgestellt, die beschreibt, wie und warum Atome miteinander Verbindungen eingehen – ein perfekter Namenspate für unser Start-up.



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