"Trau Dich Deutschland!"

So veralbert Shahak Shapira die Kampagne der AfD

Shahak Shapira nimmt die Wahlplakate der AfD aufs Korn
Screenshot Facebook / Shahak Shapira / AfD
Shahak Shapira nimmt die Wahlplakate der AfD aufs Korn
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Die islamfeindliche Plakatkampagne des AfD-Bundesvorstands sorgt schon länger für Schlagzeilen. Glaubt man Medienberichten, dann sind die Motive der sogenannten "Trau dich Deutschland!"-Kampagne auch innerhalb der Partei umstritten. Dass Satiriker Shahak Shapira mit platten Sprüchen wie "Burkas? Wir stehen auf Bikinis" wenig anfangen kann, ist nicht sonderlich überraschend. Die von ihm abgewandelten AfD-Motive, mit denen er gerade auf Facebook und Twitter tausende Likes einsammelt, indes schon.
Shahak Shapira ist für seine bitterbösen Pointen bekannt. Jetzt hat der frühere Werber, der unter anderem bei Saatchi & Saatchi und Wieden + Kennedy arbeitete, wieder zugeschlagen. Und diesmal ist es die AfD, die ihr Fett wegkriegt. 

Die Werbeverantwortlichen des AfD-Bundesvorstandes werden "ihre" Plakatmotive kaum wiedererkennen. Shapira, der vor allem mit seiner teils umstrittenen Yolocaust-Aktion für Aufmerksamkeit sorgte, hat bei den von ihm "optimierten" Werbemotiven zwar die Headlines, den Slogan "Trau dich Deutschland!" und das AfD-Logo stehen lassen. An den Bildmotiven hat er sich aber ordentlich ausgetobt. So ist auf dem Motiv mit dem Spruch "Der Islam? Passt nicht zu unserer Küche" anstelle eines kleinen Ferkels die AfD-Politikerin Beatrice von Storch zu sehen - und das ausgerechnet vor einem Dönerladen. Bei einem anderen Plakat ("Burka? Ich steh mehr auf Burgunder") mussten die drei Weinköniginnen einer Kollegin weichen, die offenbar etwas zu tief ins Weinglas geschaut hat und sich übergeben muss. Und der Babybauch unter der Headline "Neue Deutsche? Machen wir selber" wurde einer Ekel-Szene aus der TV-Show "Mitten im Leben" geopfert. 

„Es wird immer schwieriger, bei der AfD eine tatsächliche satirische Zuspitzung zu erreichen, wenn das Ausgangsmaterial schon so bekloppt auf die Welt kommt.“
Shahak Shapira
Für den Satiriker Shapira ist die AfD inzwischen zu einer echten Herausforderung geworden. "Es wird immer schwieriger, bei der AfD eine tatsächliche satirische Zuspitzung zu erreichen, wenn das Ausgangsmaterial schon so bekloppt auf die Welt kommt", sagt der Satiriker gegenüber HORIZONT Online. "Mittlerweile muss man auch erstmal die Echtheit bestätigen, weil man sich als normal denkender Mensch nicht mal vorstellen kann, dass eine echte Partei sowas ernst meinen könnte." Daher gebe es auch kaum noch etwas zu entlarven. Kopfschmerzen bereitet ihm das aber nicht. "Satire und Humor müssen nicht immer einem höheren Zweck dienen. Manchmal ist es auch schön, sich über irgendwelche populistischen Larrys lustig zu machen", so Shapira.

Ob und wenn ja wie die AfD auf die Persiflage ihrer Kampagne reagiert, war nicht in Erfahrung zu bringen. Die Pressestelle der Partei, der eine Geschäftsbeziehung zur Schweizer Agentur Goal nachgesagt wird,  war telefonisch nicht zu erreichen und hat auch auf eine Mail-Anfrage seitens HORIZONT Online bislang nicht reagiert. mas


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