Tim Höttges So schlachtet 1&1 das umstrittene "Lichter ausblasen"-Zitat des Telekom-Chefs aus

Montag, 12. März 2018
1&1 nimmt die Telekom aufs Korn
1&1 nimmt die Telekom aufs Korn
© 1&1

Auf diesen Spruch hätte Tim Höttges im Nachhinein sicher nur allzu gerne verzichtet. "Ich komme gerade erst richtig in Form, meinen Wettbewerbern die Lichter auszublasen", hatte der Telekom-Chef kürzlich auf einer Bilanzpressekonferenz getönt. Auch wenn Höttges später zurückruderte und via Twitter ein "Sorry" ausrichten ließ: Seine verbale Breitseite fliegt ihm noch immer um die Ohren - und wird von den Wettbewerbern wenig überraschend auch für Werbung in eigener Sache genutzt. 
Nachdem sich bereits Vodafone-Chef Vittorio Colao auf dem Mobile World Congress in Barcelona "überrascht" von Höttges Wortwahl gezeigt und diese als "kontraproduktiv" bezeichnet hatte, nutzt derzeit 1&1 die verbale Entgleisung des Telekom-Chefs für einen kommunikativen Gegenschlag. Auf einer ganzseitigen Anzeige, die 1&1 am Sonntag und Montag in überregionalen Titeln wie "FAZ", "Welt am Sonntag" und "Handelsblatt" schaltete, wird Telekom-Chef Höttges mitsamt seinem Zitat prominent gewürdigt.
1&1 nimmt die Telekom aufs Korn
1&1 nimmt die Telekom aufs Korn (© 1&1)
Dass 1&1 keine Gratis-Werbung für den Chef des Wettbewerbers macht, ist klar, wird aber besonders durch die Headline deutlich. "Freifahrtschein zurück ins Monopol oder Innovation durch Wettbewerb?", ist das Motiv überschrieben. In dem ausführlichen Text folgt ein Exkurs in die Geschichte des deutschen Telekommunikationsmarktes - es geht um die Deutsche Bundespost, deren Telefonnetz, das die Telekom unter der Auflage erbte, es dem Wettbewerb zur Verfügung zu stellen - und alte Kupferkabel, die nun durch moderne Glasfaserkabel ersetzt werden müssen. Internet of Things und Gigabit-Gesellschaft lassen grüßen.

1&1
© 1&1

Mehr zum Thema

Streit ums beste Netz So vergreift sich 1&1 an der Corporate Identity der Telekom

Der Vorwurf, dass die Telekom "zurück ins Monopol" wolle, wie es die Headline suggeriert, hat genau mit diesem Mega-Projekt zu tun. Denn der Austausch der alten Kupferkabel, die bislang von der Telekom über das sogenannte Vectoring-Verfahren mit mäßigem Erfolg aufgepimpt wurden, ist nicht nur teuer. Vielmehr ist die Art und Weise, wie und vor allem von wem das Projekt gestemmt wird, auch wettbewerberelevant, hängt davon doch ganz wesentlich ab, welchen Zugang Anbieter wie Telekom, Vodafone, O2 oder 1&1 künftig zum Endkunden haben.

Dass 1&1 nun vor einem Monopol warnt, wird damit begründet, dass die Telekom aus Sicht der United-Internet-Tochter derzeit ihre Marktmacht nutzt, um sich Vorteile zu verschaffen. Die Telekom wolle "Hausanschlüsse nur dann erneuern, wenn sie diese anschließend nicht mehr an ihre Wettbewerber vermieten muss", moniert 1&1 auf der Anzeige - und warnt vor den Folgen. "Das würde in weiten Teilen Deutschlands dazu führen, dass Kunden nur noch eine Wahl für schnelles Internet hätten - die Telekom."

1&1 nutzt die Anzeige aber nicht nur, um den magenta Riesen anzuschwärzen. Die Tochter des United-Internet-Konzerns, dessen Chef Ralph Dommermuth bereits die Internet Economy Foundation initiiert hat, wendet sich auch mit einem konkreten Vorschlag an die neue Bundesregierung. So schlägt 1&1 ein Industrie-Bündnis vor, das die gewaltigen Investitionen in den Glasfaseraufbau gemeinsam stemmen solle. Dieser Allianz könnten Telekom, 1&1 und andere Anbieter angehören, heißt es. Der neuen Bundesregierung sollte dieser Vorstoß recht sein. Schließlich hat die designierte Staatsministerin für Digitales im Bundeskanzleramt, Dorothee Bär (CSU), das ehrgeizige Ziel ausgegeben, in Deutschland eine "digitale Infrastruktur von Weltklasse" aufzubauen - und zwar flächendeckend.

Update, 13.3., 15:00 Uhr

Die Deutsche Telekom hat sich inzwischen zum Vorstoß von 1&1 geäußert. "
United Internet muss statt vieler Worte endlich den Spaten in die Hand nehmen", heißt es in der Stellungnahme, die HORIZONT Online vorliegt. Darin vertritt die Telekom die Auffassung, dass die Glasfaser ausbauenden Unternehmen "längst weiter" seien. "Die Idee, mit Kooperationen den Glasfaser-Ausbau zu beschleunigen, hatten wilhelm.tel, Deutsche Glasfaser, M-Net, Stadtwerke Neumünster, Net Cologne, Ewetel und Deutsche Telekom schon vor einem halben Jahr. Wir haben entsprechende Allianzen bereits geschlossen. 1&1 bleibt eingeladen, sich daran zu beteiligen", heißt es in dem Schreiben weiter, in dem auch auf ein  Eckpunktepapier verwiesen wird, das Vorschläge unterbreitet, wie der Glasfaserausbau bis in die Wohnungen deutlich gesteigert werden kann. mas
HORIZONT Newsletter Newsline

täglich um 17 Uhr: die wichtigsten News. Insights. Inspirationen.

 


Meist gelesen
stats