St. Paulis Marketingchef zum Seximus-Werbeverbot "Astra weiß, dass wir einigen Motiven kritisch gegenüberstehen"

Donnerstag, 08. März 2018
Der Kiezclub FC St. Pauli steht für Vielfältigkeit - und erteilt Diskriminierung jeder Art eine Absage
Der Kiezclub FC St. Pauli steht für Vielfältigkeit - und erteilt Diskriminierung jeder Art eine Absage
© FC St. Pauli
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Sexistische Werbung ist rund um das Stadion des FC St. Pauli ab sofort tabu. Gemeinsam mit dem Verein Pinkstinks hat der Fußball-Zweitligist entsprechende Regeln aufgestellt und scheut dabei auch nicht die Konfrontation mit eigenen Sponsoren wie mit der Biermarke Astra. Gegenüber HORIZONT Online erläutert Martin Drust, Marketingleiter des Kiezclubs, die Beweggründe für die Anti-Sexismus-Broschüre - und sagt, wieso er für Astra keine Ausnahme macht.
Mit dem neuen Regelwerk verfolgt der FC St. Pauli verschiedene Ziele: Zum einen will der Club nicht warten, bis auch in Hamburg ein Verbot sexistischer Werbung im öffentlichen Raum beschlossen wird - wie es etwa in der nahen Hansestadt Bremen und auch in einigen Berliner Bezirken bereits der Fall ist. "Wir wollen dem zuvorkommen und uns selber klare Regeln geben, bevor es uns andere diktieren", sagt Martin Drust, bis Ende 2014 noch Digitalchef der Hamburger Agentur Thjnk. Der Verein sieht die Aktion dabei auch als Selbstverpflichtung.
Martin Drust leitet seit 2015 das Marketing beim FC St. Pauli
Martin Drust leitet seit 2015 das Marketing beim FC St. Pauli (© FC St. Pauli)
Zudem will der Kiezclub auch seiner im nationalen Vergleich äußerst politischen Fanszene Rechnung tragen. Diese setzt sich immer wieder kritisch mit den Sponsoren des Vereins auseinander - etwa auch mit Haupt- und Trikotsponsor Under Armour. "Mit diesen drei Regeln, die in Zusammenarbeit mit der aktiven Fanszene entstanden sind, ist für alle nachvollziehbar, was bei uns im Stadion an Kommunikation geht und was eben nicht", sagt Drust. Man wolle nicht den Spaß wegzensieren, sondern glaube vielmehr daran, dass man auch Spaß haben kann, ohne andere herabzuwürdigen.
„Astra weiß, dass wir einigen ihrer Motive, zum Beispiel dem "Tatsch-Screen", kritisch gegenüberstehen und diese bei uns im Stadion nicht würden sehen wollen. Aber wir maßen uns nicht an, Astra ihre Markenkommunikation zu diktieren.“
Martin Drust, Marketingchef FC St. Pauli
Der "Astra Tatsch-Screen" von 2011 ist eines der Motive, dass der FC St. Pauli als sexistisch einstuft
Der "Astra Tatsch-Screen" von 2011 ist eines der Motive, dass der FC St. Pauli als sexistisch einstuft (© Astra)
Dass mit Astra einer der wichtigsten Sponsoren als Negativbeispiel herhalten muss, findet der Marketingchef unproblematisch. Man habe die Carlsberg-Marke darüber im Vorfeld "natürlich in Kenntnis gesetzt und erklärt, was wir vorhaben". Astra stimmte der Veröffentlichung der Motive zu. Der Sponsor wisse, dass der FCSP einigen Plakaten kritisch gegenüber stehe und diese im Stadion am Millerntor nicht sehen wollen würde. "Aber wir maßen uns nicht an, Astra ihre Markenkommunikation zu diktieren. Astra ist und bleibt ein wichtiger und toller Partner. Und dass sie uns ihre Motive zur Verfügung stellen, zeigt das einmal mehr deutlich." fam 
FC St. Pauli Pinkstinks
© FC St. Pauli/Pinkstinks

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