Retail Media Group

Ceconomy feilt an neuer Strategie für den Datenhandel

Gründungs-CEO Richy Ugwu verlässt die Retail Media Group
© Ceconomy
Gründungs-CEO Richy Ugwu verlässt die Retail Media Group
Wie die Zwischenbilanz einer Erfolgsgeschichte klingt das nicht: Mit der Retail Media Group wollte die Ceconomy zu den großen Gewinnern der datengetriebenen Werbung gehören. Jetzt verliert die RMG ihren Gründungs-CEO Richy Ugwu und wird in den Aufgabenbereich von Redblue Geschäftsführer Markus Koch eingegliedert. Neben Ugwu verlässt auch Chief Technology Officer Andreas Joebges die RMG. Beide gehen im freundlichen Einvernehmen, wie das Unternehmen in seiner Presserklärung betont.

Die Personalie kommt zu einem spannenden Zeitpunkt: Denn mit dem offiziellen Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) am 25. Mai dürften Vermarkter von datenschutzkonform gewonnen Nutzerdaten deutlich an Relevanz in der Werbevermarktung gewinnen. Die RMG könnte also, zusammen mit anderen Retail-Media-Vermarktern wie Otto Group Media und Zalando Media Solutions, zu den Gewinnern der neuen Rechtslage gehören. Und die Ceconomy hatte sich aufgrund ihrer europaweiten Präsenz mit diesem Vermarktungsmodell gute Wachstumsmöglichkeiten ausgerechnet.



Dafür hätte es der RMG allerdings gelingen müssen, sich über den Metro-Konzern hinaus als Makler von Handels-Konsumdaten zu etablieren. Ein Anspruch, den die RMG-Kundenliste bis heute nicht einlösen kann: Neben den Daten von Media-Markt, Saturn, Metro Cash & Carry, Real lassen nur noch Thalia und Gutefrage.net ihre Daten von dem Dienstleister vermarkten.

Vor diesem Hintergrund schien es wohl einfach nicht mehr realistisch, die RMG als eigenständigen Geschäftsbereich der Ceconomy zu etablieren. Offizielle Strategie ist jetzt laut Presseerklärung: "Zur Weiterentwicklung des Geschäftsmodells der Retail Media Group wird Ceconomy die Aktivitäten der Vermarktungsplattform künftig enger mit dem Geschäft der Media-Markt-Saturn Retail Group (MMSRG) verzahnen." Konkret wird die RMG weiterhin als selbstständige Einheit arbeiten, allerdings unter Marcus Koch, der neben seinen bisherigen Posten nun auch als CEO des Datenvermarkters fungiert und auch die bisherigen Aufgaben des bisherigen CTOs Joebges übernimmt. Fuat Ecer, Head of M&A der Ceconomy AG, ist ab sofort zusätzlich zu seiner Funktion Chief Financial Officer (CFO) der RMG und wird außerdem die Aufgaben des Chief Operating Officer (COO) wahrnehmen.


Die Neustrukturierung muss nicht zwingend bedeuten, dass Ceconomy den schleichenden Ausstieg aus dem Retail-Media-Geschäft vorbereitet. Marcus Koch widerspricht dieser Einschätzung mit deutlichen Worten: "Die Wertschöpfung aus Daten ist für uns weiterhin ein wichtiges strategisches Wachstumsfeld – unabhängig von der organisatorischen Aufstellung der RMG. Durch die engere Anbindung an die Vertriebslinien Media-Markt und Saturn können wir die Potenziale nun noch besser und schneller heben und das Angebot der RMG weiter verbessern." Allerdings bleiben Fragen über die künftige Richtung des Vermarkters. Will die RMG in Zukunft ihr Geschäft deutlich ausbauen, wird sie das kaum mit einem CEO leisten können, der gleichzeitig auch zentrale Managementaufgaben innerhalb der Media-Saturn Gruppe verantwortet.

Sollte sich Ceconomy jedoch dafür entscheiden, die derzeit organisatorisch eigenständige RMG noch enger an Redblue zu binden, um ungenutzte Synergien zu heben, würde sich wiederum die Frage stellen, wie das börsennotierte Unternehmen seinen Investoren eine nachhaltige Wachstumsgeschichte vermitteln will. Denn ursprünglich war der Börsengang der Ceconomy mit der Vision begründet worden, sich von der Dachgesellschaft von Media-Saturn zu einer breit aufgestellten Plattform für Services rund um den Einzelhandel weiterzuentwickeln. RMG galt hier als erstes Beispiel, wie solche zusätzlichen Geschäftsfelder aussehen könnten. cam

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