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Marc Pritchard in Cannes
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Procter & Gamble

Marc Pritchard - 50 Prozent Frauen für 100 Prozent Werbung

Marc Pritchard in Cannes
Marc Pritchard meint es ernst. Für seine Mitarbeiter im Marketing weltweit und die aller Dienstleister, die an der Werbung von Procter & Gamble arbeiten, brechen damit unbequeme Zeiten an. Der Chief Brand Officer des weltweit größten Werbungtreibenden will möglichst binnen Jahresfrist in seiner eigenen Marketingorganisation, aber auch bei Agenturen und Produktionsfirmen, die für sie tätig sind, Gleichstellung herstellen.
von Eva-Maria Schmidt Donnerstag, 21. Juni 2018
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"100 Prozent aller Werbung sollte in Zukunft Geschlechtergleichheit zeigen. Das kann nur funktionieren, wenn das Verhältnis von Frauen und Männern in der kreativen Supply Chaine 50 zu 50 ist", sagte Pritchard bei einem Talk der "Girl’s Lounge" während der Cannes Lions.



Die Ansage an seine Mitarbeiter und Dienstleister formuliert Pritchard ganz lässig im Hemd ohne Schlips, schließlich sitzt er auf der Terrasse des Hotel Martinez an der Croisette. An seiner Entschlossenheit lässt er aber keinen Zweifel: In den vergangenen Monaten habe er eine Bestandsaufnahme der Gleichstellung bei P&G vornehmen lassen. Sein Fazit: "Wir haben viel zu tun." Im Marketing arbeiten bei P&G zwar 58 Prozent Frauen, aber unter den Marketingdirektoren sind es nur 43 Prozent. "Wir brauchen also 10 Prozent mehr. Das ist zu schaffen", sagt Pritchard. Nur ein Drittel der Kreativdirektoren in der Creative Supply Chaine sei weiblich, "bei ihnen müssen wir 15 Prozent zulegen". Und bei den Werbefilmproduktionen sogar noch deutlich mehr, denn dort haben wir nur 11 Prozent Frauen gezählt, berichtet der Chief Brand Officer.

„100 Prozent aller Werbung sollte in Zukunft Geschlechtergleichheit zeigen. Das kann nur funktionieren, wenn das Verhältnis von Frauen und Männern in der kreativen Supply Chaine 50 zu 50 ist.“
Marc Pritchard
Marc Pritchard will Geschlechtergleichheit
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Marc Pritchard will Geschlechtergleichheit
Um die Zahl der Werbefilmregisseurinnen möglichst zu erhöhen, macht Pritchard gemeinsame Sache mit der Initiative "Free the Bid", die sich der Förderung von weiblichen Regisseuren verschrieben hat. Und Antonio Lucio, Global Chief Marketing and Communications Officer bei HP, ist Pritchards "Inspiration beim Thema Gleichstellung"; er hat in den vergangenen 18 Monate bei HP geschafft, was der P&G-Manager noch schaffen will. Beide Firmen statten deshalb Free the Bid mit einem Budget aus, das es der Organisation ermöglichen soll, schnell in mehr Ländern als bisher aktiv zu werden. Aktuell ist die Initiative in neun Ländern tätig, 25 sollen es zunächst werden, schon im nächsten Jahr so die Zahl noch einmal verdoppelt werden.


"Es geht nicht darum, Frauen zu befördern, um Frauen zu befördern. Es geht um das wirtschaftliche Ergebnis, das besser ist, wenn Teams divers sind und mehr Frauen mitarbeiten", betont Pritchard – nun doch etwas weniger lässig, denn er meint es wirklich ernst. ems

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