Online Marketing Rockstars

Das sind die 50 angesagtesten Köpfe der Digital-Szene

Sorgt immer wieder für Aufmerksamkeit: Das Ranking der Online Marketing Rockstars
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Sorgt immer wieder für Aufmerksamkeit: Das Ranking der Online Marketing Rockstars
Kultstatus in der Branche hat es längst: Das Top-50-Ranking der Online Marketing Rockstars. Wer drinsteht, kann sich ganz lässig auf die Schulter klopfen und mit recht zu den heißesten Köpfen der Branche zählen. HORIZONT Online zeigt das Ranking exklusiv!
Die Kriterien, die die OMR-Macher bei der Auswahl ihrer Top 50 alljährlich zugrunde legen, sind so geheim wie überzeugend. "Wir wählen nur Leute aus, die uns gefallen und beeindrucken", sagt OMR-Chef Philipp Westermeyer. Das Ranking sei "ein Stück Entertainment und ein Stück Information". Und weil Westermeyer und seine OMR-Kollegen wirklich fast jeden in der Branche persönlich kennen und über extrem gutes Insiderwissen evrfügen, treffen sie mit ihrer Auswahl der Top 50 immer wieder voll auf die Zwölf. Und so kommt es, dass auch das aktuelle Ranking wieder ein ziemlich bunter Haufen ist - mit internationalen Tech-Stars und Rappergöttinnen, mit Influencer-Helden und Konzernneulingen, mit Food-Lieferanten und Whiskeykönigen, mit Publishern, Vermarktern, Agenturen und Start-ups. 

Die 50 Online Marketing Rockstars

1.

Dominik Richter, CEO und Mitgründer Hello Fresh

Dominik Richter, CEO und Mitgründer Hello Fresh
© Hello Fresh
Dominik Richter, CEO und Mitgründer Hello Fresh
Ob Hello Fresh langfristig erfolgreich sein wird, beschäftigt die Food- und Tech-Branche. Doch egal, wie sich das Unternehmen in den nächsten Jahren weiter entwickeln wird, muss man anerkennen: Wer es sechs Jahre nach der Gründung schafft, Rohkostlieferungen in Pappboxen als ein mit 1,7 Milliarden Euro bewertetes Geschäftsmodell an die Frankfurter Börse zu bringen, der ist ein Rockstar. Dominik Richter ist seit ein paar Jahren äußerst verschwiegen, was seine Person betrifft. Hätte er der Rockstar-Rolle 2013 vermutlich noch zugestimmt, als er erklärte, vor Hello Fresh habe er unter anderem "an anderen Start-ups gebastelt, zwei Studiengänge absolviert und als Trader, Schauspieler, Investmentbanker, Fußballprofi, Start-up-Investor, Kongressorganisator und als Direktvertriebler gearbeitet", so tritt er seither kaum noch öffentlich auf. "Wir haben jetzt eine Reihe neuer Mittel eingenommen und mit diesen Mitteln werden wir genauso weitermachen wie bisher", sagte Richter zum Börsengang bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte. Will heißen: Er steckt sie in die Kundenakquise. Und da reizt Hello Fresh, in zehn Märkten aktiv und weiter zu 48 Prozent zu Rocket Internet gehörend, so ziemlich alle Marketing-Maßnahmen aus: massenhaft Gutscheine in Amazon-Boxen und Zeitungsbeilagen. Fernsehwerbung und Stände im Berliner Hauptbahnhof. Influencer Marketing und Kochstars wie Sarah Wiener und Jamie Oliver als Testimonials.

Klar, das kostet Geld. Aber hat man über die Marketingspendings von Zalando in den Anfangsjahren nicht auch den Kopf geschüttelt? Vergleicht man Hello Fresh mit dem größten Wettbewerber in den USA, Blue Apron, dann ist das Berliner Kochboxen-Start-up auf dem US-Markt deutlich effizienter und erfolgreicher in der Kerndisziplin Performance Marketing. Und wie hoch die Kosten für Kundengewinnung auch sein mögen: Mit seinen Angeboten auch für Unterzielgruppen wie Vegetarier und Thermomixbesitzer gewinnt es treue Nutzer mit potenziell hohem Kundenwert. Über 900 Millionen Euro Umsatz machte Hello Fresh mit 137 Millionen ausgelieferten Mahlzeiten 2017. Ende 2018 soll der Break-even kommen. Spätestens dann wird es allerdings spannend zu beobachten, wie die Berliner ihre Kundenbindung verbessern, also die noch hohen Abo-Absprungraten senken wollen.

2.

Mark Grether, CEO Sizmek

Mark Grether, CEO Sizmek
© Sizmek
Mark Grether, CEO Sizmek
"Wir wollen dritter Player neben Google und Facebook sein." Wer Sätze wie diesen sagt, erntet in der Regel Stirnrunzeln oder Schmunzeln. Mark Grether, deutschstämmiger CEO des New Yorker Adtech-Unternehmens Sizmek, kann diesen Anspruch zumindest mit einem beachtlichen Budget untermauern, auf das er zugreifen kann: Ihm steht ein 1,4-Milliarden-Fonds vom Sizmek-Besitzer Vector Capital zur Verfügung. Auch Grethers bisherige Karriere kann sich sehen lassen: Nachdem er mit Xaxis von den USA aus den Tradingdesk der Group M mit aufbaute, leitet er seit vergangenem Februar die Geschäfte von Sizmek (ehemals Mediamind). Eine seiner ersten Amtshandlungen bestand darin, die DSP Rocket Fuel für etwa 145 Millionen US-Dollar zu kaufen – 2013 war das Unternehmen noch 2 Milliarden Dollar wert. Mit Zukäufen wie diesen will Grether nun Sizmek, vormals vor allem als Adserver bekannt, zu einem Full-Stack-Technologie-Anbieter formen. "Das Ziel ist es, die ‚Largest Independent Platform‘ zu sein", sagt Grether gegenüber OMR.

Der Wunsch von Agenturen und anderen Kunden, unabhängiger vom Duopol Google-Facebook zu werden, sei immer stärker spürbar. Dazu braucht es aus Grethers Sicht aber ein Unternehmen, das weltweit agiert. Hier sieht er Sizmeks Chance. "Wenn du sehr stark nur lokal agierst oder nur regional, kannst du die Investitionen, die du in die Technologie machen musst, um wettbewerbsfähig zu bleiben, nicht mehr reinholen", so Grether. Die Krise vieler Adtech-Player sei gerade darin begründet, die Konsolidierung deshalb unvermeidbar. Sizmek ist eigenen Angaben zufolge bislang in 70 Ländern aktiv. Aktuell habe Grether keinen Druck, Umsatz und Ergebnis zu machen – im Fokus stehe angeblich allein das Wachstum. Es ist also durchaus mit weiteren von Grether eingefädelten Deals zu rechnen: "Es geht uns und Vector Capital nicht darum, Kosten rauszunehmen, sondern darum, wie wir im Markt wachsen können. Das heißt auch: Investitionen in Mitarbeiter und spannende Firmen."

3.

Christoph Schäfer, Gründer Platform Lunar

Christoph Schäfer, Gründer Platform Lunar
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Christoph Schäfer, Gründer Platform Lunar
Bisher dürfte Platform Lunar, so heißt das neueste Projekt von Christoph Schäfer, nur Kennern und intensiven Beobachtern der Branche ein Begriff sein. Das ist – wenn man Performance-Papst Schäfer ein bisschen besser kennt – nicht wirklich überraschend. PR-Budenzauber, bevor das Rennen gewonnen ist, war schon bei seinen bisherigen Firmen nie seine Art. Eine "kurze" Zusammenfassung: Nach seiner Tätigkeit bei McKinsey und dem Verkauf des von ihm mitgegründeten Ticketportals Getgo an Event im Jahr 2002 erkannte Christoph Schäfer extrem früh das Potenzial von Banner-Ads auf Performance-Basis. Ab 2005 baute er mit Performance Media eine der am schnellsten wachsenden Online-Mediaagenturen des Landes auf, die dem Hörensagen nach neunstellige Budgets verwaltet. 2014 erfolgte dann der Exit an den Münchener Private-Equity-Investor Equistone.

Aus drei weiteren Online-Werbedienstleistern entstand so der Full-Service-Anbieter Performance Interactive Alliance, Schäfer blieb an Bord. Ein Jahr nach diesem spektakulären Deal kam dann schon die nächste Ankündigung, die aufhorchen ließ: Mit der Ausgründung Esome stieg Performance Media in den Markt für Facebook-Marketing-Tools ein. Mit 45 Mitarbeitern und einer Minderheitsbeteiligung der Group M steuert und optimiert der Dienstleister Social-Advertising-Kampagnen für große Adspender. Das hat offenbar ganz gut geklappt, siehe Platz 4 im OMR-Ranking. Ende 2015 stieg Schäfer dann bei Performance Media aus. Und jetzt, nach dieser doch nicht so kurzen Zusammenfassung, kommt auch endlich Platform Lunar ins Spiel. Gemeinsam mit seinem alten Geschäftspartner Nico Shenawai gründete Schäfer den Adtech-Company-Builder schon Ende 2016 – Esome sei das erste Projekt gewesen. Künftig wolle er pro Jahr ein bis zwei Adtech-Start-ups gründen. Zuzutrauen ist ihm das allemal. Das erste Projekt heißt "Dynamic Audience" und soll sich an Publisher wenden. Was genau sich dahinter verbirgt? Wir werden es erfahren, wenn die Firma die von Schäfer gewohnte Flughöhe erreicht hat.

4.

Falk Bielesch, Hansjörg Blase und Christoph Brust, Gründer ESOME

Falk Bielesch, Hansjörg Blase und Christoph Brust, Gründer ESOME
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Falk Bielesch, Hansjörg Blase und Christoph Brust, Gründer ESOME
Anfang 2015 wurde Esome gegründet, nicht einmal drei Jahre später erfolgte schon der Exit. Pro Sieben Sat 1 hat Ende des Jahres 90 Prozent für einen kolportierten mittleren zweistelligen Millionenbetrag übernommen und im Bereich Advertising Platform Solutions integriert. Seit dem Start Anfang 2015 beim Hamburger Start-up mit an Bord: das Führungs-Trio um Falk Bielesch, Hansjörg Blase und Christoph Brust (v.l.), die auch weiterhin die Stricke ziehen werden. Als Ausgründung der Hamburger Mediaagentur Performance Media hatte das Unternehmen eine Technologie entwickelt, mit der das Buchen und Optimieren von Werbekampagnen auf Facebook vereinfacht wird. Von Beginn an war Group M, die größte Mediaagenturgruppe der Welt, als Minderheitsgesellschafter dabei – und hält die Anteile in Höhe von 10 Prozent offenbar auch nach dem P7S1-Deal weiter. Der Zugang zu Group-M-Kunden, einigen der größten Adspender überhaupt, dürfte für Esome extrem wertvoll gewesen sein. Das Resultat: Eigenen Angaben zufolge setzen "200 nationale und internationale, darunter rund die Hälfte der Dax-Unternehmen, auf die Expertise von Esome". Man darf gespannt sein, was Bielesch, Blase und Brust im Adtech-Stack von P7S1 bewegen.

5.

Alex Hofmann, Ex-USA-Chef musical.ly

Alex Hofmann, Ex-USA-Chef musical.ly
© Musically
Alex Hofmann, Ex-USA-Chef musical.ly
Mit 800 Millionen bis einer Milliarde US-Dollar soll die Social-Video-App musical.ly Medienberichten zufolge bei ihrer Übernahme bewertet worden sein. Der Käufer: das chinesische Unternehmen Bytedance (u.a. Betreiber der im Reich der Mitte sehr beliebten News-App Toutiao). Einer der größten Profiteure des Deals dürfte ein Deutscher sein: Alex Hofmann war im Mai 2015 in der Anfangsphase der Plattform eingestiegen. Die beiden chinesischstämmigen Gründer hatte er zuvor während einer gemeinsamen Zeit bei SAP kennengelernt. Als "President North America" führte Hofmann von Anfang an die Geschäfte von musical.ly im so wichtigen Kernmarkt der App und zeichnete für den zwischenzeitlich raketenhaften Aufstieg der App verantwortlich. Über 200 Millionen User soll musical.ly innerhalb von rund anderthalb Jahren gewonnen haben. Der Deal mit Bytedance kommt möglicherweise genau zum richtigen Zeitpunkt: In den letzten Monaten ist die App in den App Store Rankings wieder ein wenig zurückgefallen. Alex Hofmann soll vor seinem Einstieg bei musical.ly einen Jeep gekauft haben, um damit mit seiner Frau um die Welt zu fahren. Nun dürfte er nicht nur endlich über die Zeit, sondern umso mehr auch über die nötigen Mittel dafür verfügen.

6.

Andreas Friesch, Vorstand Thermomix

Andreas Friesch
© Thermomix
Andreas Friesch
Es ist eine der deutschen Marketing-Erfolgsgeschichten der vergangenen Jahre: Der Thermomix beschert dem Mutterkonzern Vorwerk allein über eine Milliarde Jahresumsatz und wird hunderttausendfach jedes Jahr verkauft – dabei kostet das Küchengerät knapp 1.200 Euro. Einer der wichtigsten Macher hinter dem Erfolg ist Thermomix-Vorstand Andreas Friesch. Im Internet gibt es den Thermomix (zumindest neu) gar nicht zu kaufen. Das erklärungsbedürftige Produkt wird – ganz nach Vorwerk-Tradition – im Direktvertrieb über 15.000 "Repräsentantinnen" an die Kunden gebracht. Dadurch, dass diese mit ihrer Beratung den Kunden helfen, erfolgreich zu kochen, generiert Vorwerk viele Weiterempfehlungen. Und hat eine Community aufgebaut, die sich vor allem online austobt und kostenlos Content generiert: Mit rezeptwelt.de betreibt Thermomix seit 2009 ein eigenes Rezeptportal, auf dem Thermomix-Fans schon über 65.000 Rezepte gepostet haben. In Facebook-Gruppen tauschen sich Hunderttausende Nutzer über das Gerät und Rezepte aus. Beachtlicher Nebeneffekt dieser Marketing-Leistung: An deutschen Kiosken gibt es mittlerweile sieben gedruckte Thermomix-Rezeptmagazine – nur eins kommt von Vorwerk selbst. Der Thermomix wird quasi selbst zur Plattform.

7.

Leila Lowfire und Ines Anioli, ehemals Podcast Sexvergnügen

Leila Lowfire und Ines Anioli
© Sexvergnügen
Leila Lowfire und Ines Anioli
Sie lästern, lachen, hauchen, wühlen in Bettlaken, kommen schnell oder gar nicht und hauen nach dem Frühstück ab: Mit viel Spaß am Sex und noch mehr Vergnügen, drüber zu reden, haben Leila Lowfire (r.) und Ines Anioli den Sex-Podcast als Mediengattung erfunden. Die beiden starteten ihr ebenso laszives wie albernes Audio-Format Mitte 2016, und schnell hörten rund 150.000 bei jeder Folge zu. Den beiden ist es sicherlich mit zu verdanken, dass Podcasts in Deutschland eine neue Blüte erleben. Wegen ihrer hohen Reichweite, aber auch, weil sie ihre Werbekunden charmant nativ einbinden (als "Sugar Daddies"), hat sich Sexvergnügen gut vermarktet. Die beiden arbeiten hart daran, auch außerhalb der Aufnahmekabine bekannt zu werden. Die Musikerbegeisterte Leila tauchte mit Rammstein-Frontmann Till Lindemann auf Society-Events auf. Ines ließ sich von Robbie Williams die nackten Brüste signieren. Beide zusammen kippten sich auf abseitigen Fernsehsendern Kuh-Urin über die Haare. Ende 2017 machten sie mit ihrem alten Publisher "Mit Vergnügen" Schluss und starteten solo neu. Aber am besten ignoriert man allen Branchen-Gossip, hört ihnen einfach unter ihrem neuen Namen "Besser als Sex" weiter zu und promotet damit auch das Medienformat Podcast.

8.

Matthias Schrader, Vorstandschef Sinner Schrader / Geschäftsführer Accenture Interactive

Matthias Schrader, Vorstandschef Sinner Schrader
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Matthias Schrader, Vorstandschef Sinner Schrader
Schon vor zwölf Jahren hat Matthias Schrader die Next Conference erfunden – als Konferenzveranstalter ist er für uns schon mal per se sympathisch. So nebenbei betreibt Schrader aber auch noch die Internet-Agentur Sinner Schrader. Die hat er im vergangenen Jahr an Accenture verkauft, zu einer Bewertung von rund 100 Millionen Euro – für eine Agentur, deren Geschäft sich deutlich schlechter skalieren lässt als beispielsweise ein Technologie-Unternehmen, ein äußerst beachtlicher Preis. In seiner Freizeit schreibt Schrader auch noch Bücher – zuletzt über Transformationale Produkte. Das finden wir interessant. Wenn man die Amazon-Bewertungen und den Sales Rank so anschaut, scheinen wir damit nicht ganz alleine zu sein. Spätestens seit Schraders Exit an Accenture geht bei den etablierten Kreativagenturen die Angst vor den großen Beratungshäusern um. HORIZONT hat Schrader gerade erst zum "Agenturmann des Jahres" gekürt. Als Schrader vergangenes Jahr seinen 50. Geburtstag feierte, war die gesamte Hamburger Werbeelite versammelt. Vielleicht hat ja der ein oder andere mal nachgefragt, wie es so ist – im neuen Leben, als angestellter Berater.

9.

Margrethe Vestager, EU-Kommissarin für Wettbewerb

EU-Kommissarin Margrethe Vestager
© EU
EU-Kommissarin Margrethe Vestager
Seit die Dänin Margrethe Vestager 2014 Wettbewerbskommissarin der Europäischen Union wurde, liegt sie mit den GAFA im Clinch: Apple und Amazon wirft sie Steuerhinterziehung vor, Facebook Verletzung der Privatsphäre und Google Marktmacht-Missbrauch. Im Juli 2017 verhängte sie gegen Google eine Rekordstrafe von 2,4 Milliarden Euro. Dass sie Android ins Visier nehmen will, hat sie angekündigt. Während die Europäer sich noch fragen, ob das gegen die Dominanz der US-Plattformen irgendwas ausrichten kann, wird sie dafür von Silicon-Valley-Intellektuellen gefeiert: Sie sei der "härteste Cop und die schärfste Kritikerin der Tech-Giganten", so die linke Digital-Publizistin Kara Swisher. Apple-Chef Tim Cook soll während einer Steuerdiskussion wutentbrannt aus ihrem Brüsseler Arbeitszimmer gestürmt sein. Googles Proteste, bei Shopping-Suchanfragen sei Amazon schon lange marktbeherrschend und Google Shopping helfe dagegen kleineren E-Commerce-Firmen zu Reichweite, bleiben ungehört. Vestager will für eine zweite Amtszeit kandidieren: "Man braucht Zeit, um zu lernen, die Dinge richtig zu machen und Strategien zu entwickeln. Mit einer zweiten Amtszeit könnten wir phantastische Dinge erreichen." Und wir holen uns dann schon mal Popcorn – in Erwartung, was da regulatorisch noch von ihr kommen mag.

10.

Sascha Peljhan und Jozo Lonac, Gründer Naketano

Sascha Peljhan, Gründer Naketano
© Naketano
Sascha Peljhan, Gründer Naketano
Zwei Essener Textilunternehmer machen große Marketing-Kunst. Indem sie provozieren: Sie verkaufen für ihre eigene Generation vegane Ökomode, Sweatshirts und Hoodies mit dicken weißen Kordeln in guter Qualität. Über Produktnamen wie "Glitzermuschi" oder "Discopimmel" streitet die Bundesrepublik. "Sexistische Scheiße", findet EMMA und ruft zum Boykott auf. "Wenn du prüde, humorlos und alt bist, gibt es für dich perfekte Marken wie Gina Laura", ätzt eine Maria Be auf Facebook zurück. "Und was ist an den Wörtern bitte frauenfeindlich?" Naketanos Umsätze schießen derweil durch die Decke. Die Gründer Sascha Peljhan (Foto) und Jozo Lonac bleiben stumm. Das einzige Statement dazu in den Website-FAQs: "Die Produktnamen sind Ausdruck unserer künstlerischen Freiheit." Ihr nächster Marketing-Stunt: Anfang des Jahres kündigen sie an, ab Ende 2018 keine Naketano-Produkte mehr zu liefern. Wieder sind sie nicht erreichbar, sie informieren nur: "Firma und Marke werden nicht verkauft. Anfragen dieser Art bleiben unbeantwortet. Es ist Zeit für eine Veränderung." Die Branche rätselt, was das soll. Von plumper Geschäftsaufgabe über Schock-PR bis zum Wechsel der Vertriebskanäle reichen die Mutmaßungen. Und die Fans kaufen noch mal ein. Naketano hat Aufmerksamkeitsökonomik einfach verstanden.

11.

Ralph Reichert, Gründer Electronic Sports League (ESL)

Ralph Reichert, Gründer Electronic Sports League (ESL)
© ESL
Ralph Reichert, Gründer Electronic Sports League (ESL)
Schon seit Jahren wird es prognostiziert – nun kommt E-Sport langsam wirklich im Marketing-Mainstream an: E-Sports-Events füllen auf der ganzen Welt große Hallen, Profi- Gamer sind längst bejubelte Superstars. Einen sehr wichtigen, wenn nicht den größten Anteil an der Professionalisierung von Videospielen hat die Electronic Sports League, kurz ESL. Deren Gründer Ralph Reichert hat das Potenzial schon im Jahr 2000 erkannt. Heute, fast 20 Jahre später, ist aus einer kleinen Veranstaltungsreihe ein globales Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern geworden, das dank Sponsoring, Übertragungsrechten und Abo-Modellen dreistellige Millionenumsätze einfährt. Im Juni 2015 übernahm der schwedische Medienkonzern Modern Times Group für 78 Millionen Euro 74 Prozent von der ESL-Mutter Turtle Entertainment.

12.

Horst Lüning, Gründer Whisky.de

Horst Lüning, Gründer Whisky.de
© Whisky.de
Horst Lüning, Gründer Whisky.de
Horst Lüning ist studierter Maschinenbauingenieur. Trotzdem steht er auf dem 12. Platz im Top-50-Ranking. Der 60-Jährige ist ein echter Youtube-Pionier. Schon 2007 lädt er das erste Video einer Whisky-Verköstigung hoch, um für seinen Shop whisky.de zu werben. 2014 folgt ein Deal, der erahnen lässt, dass das Spirituosen-Business ganz gut läuft: Für 3,1 Millionen US-Dollar kauft er die Domain whisky.com und sichert sich damit einen Platz im Ranking der teuersten Websites aller Zeiten. In der Whisky-Community sind seine Videos längst Kult. Nebenbei fährt Lüning einen Tesla – und thematisiert das Elektroauto regelmäßig. Über seinen Affiliate-Link sollen über 20 Autos verkauft worden sein.

13.

Niklas Östberg, Mitgründer und CEO Delivery Hero

Niklas Östberg, Mitgründer und CEO Delivery Hero
© Delivery Hero
Niklas Östberg, Mitgründer und CEO Delivery Hero
Skilangläufer sind ausdauernd. Niklas Östberg war in der schwedischen Langlauf-Jugendnationalmannschaft. Vielleicht deswegen ist es ihm gelungen, aus einem Pizzalieferservice-Start-up den Giganten Delivery Hero zu entwickeln: Nach und nach hat sich die Berliner Lieferservice-Holding, deren Mitgründer und CEO er ist, in über 40 Ländern eingekauft. In Deutschland gehören Lieferheld, Foodora und pizza.de dazu. Der Markt ist stark umkämpft, jetzt steigen auch noch Uber und Amazon ein. Delivery Hero stört das nicht: Das Rocket-Unternehmen sammelte bei seinem Börsengang 2017 eine knappe Milliarde Euro ein, war damit 4,4 Milliarden Euro wert, die größte Neuemission 2017.

14.

Daniel Krauss, Mitgründer und CIO Flixbus

Daniel Krauss, Mitgründer und CIO Flixbus
© Patric Peters
Daniel Krauss, Mitgründer und CIO Flixbus
Über 40 Millionen Fahrgäste hat der deutsche Fernbusanbieter Flixbus im Jahr 2017 transportiert und damit im Vergleich zum Vorjahr noch einmal zehn Millionen draufgepackt. 94 Prozent des deutschen Marktes deckt das Unternehmen jetzt schon ab und ist auch in Europa deutlich Marktführer. Dabei gehört der Firma selber nur ein einziger Bus, um als Busunternehmen anerkannt zu werden. Von Anfang an als Mitgründer und CIO mit an Bord ist Daniel Krauss. Er war dabei, als Flixbus 2015 mit MeinFernbus fusionierte und 2016 Megabus sowie Postbus übernahm. Und er war maßgeblich daran beteiligt, dass namhafte und vor allem finanzstarke Investoren wie General Atlantic, Holtzbrinck Ventures und Silver Lake Ventures Geld zur Verfügung gestellt haben.

15.

Tobias Lütke, CEO und Gründer Shopify

Tobias Lütke, CEO und Gründer Shopify
© Shopify
Tobias Lütke, CEO und Gründer Shopify
Neben Amazon und Amazon SEO war im vergangenen Jahr Shopify eines der heißen Themen unter Online-Glücksrittern. Über die Plattform lässt sich in kürzester Zeit ein Online-Shop erstellen, der denen großer Marken in nichts nachsteht. Erfunden wurde Shopify von einem Deutschen: Tobias Lütke soll 2002 der Liebe wegen nach Kanada ausgewandert sein. Als er für sein Snowboard-Label kein Shopsystem findet, das ihn zufriedenstellt, programmiert er kurzerhand selber eines. Heute ist Shopify möglicherweise das meistverbreitete Shopsystem der Welt. Zum Redaktionsschluss belief sich der Unternehmenswert von Shopify auf 12,4 Milliarden US-Dollar – Lütke selbst wäre damit (zumindest auf dem Papier) Milliardär.

16.

Daniel Benz, Geschäftsführer Asphaltgold

Daniel Benz, Geschäftsführer Asphaltgold
© Asphaltgold
Daniel Benz, Geschäftsführer Asphaltgold
Die Plattform-Welt und ihre neuen Gatekeeper stellen Marketer vor enorm große Herausforderungen – bieten aber auch Chancen. Wer die richtigen Inhalte über die passende Social-Media-Plattform an die richtige Zielgruppe ausspielt, kann schnell wachsen und weltweit potenzielle Käufer erreichen. Das hat zum Beispiel ein kleiner Sneaker-Shop aus Darmstadt geschafft: Asphaltgold macht achtstellige Umsätze mit Schuhen, die sie in die ganze Welt verschicken. Geschafft haben das die Jungs um Daniel Benz mit einer Instagram-Strategie, die clever auf dem aktuellen Sneaker-Hype aufsetzt. Eine Statistik der Analyse-Plattform InfluencerDB zeigte zuletzt, dass Asphaltgold zu den Top 10 der deutschen Retail-Unternehmen auf Instagram zählt – gemeinsam mit Schwergewichten wie Zalando.

17.

Dominic Czaja und Joachim Bosse, Gründer Dojo

Dominic Czaja und Joachim Bosse, Gründer Dojo
© Dojo / Youtube
Dominic Czaja und Joachim Bosse, Gründer Dojo
Wenn es eine Kreativagentur gibt, die im Moment "heißer" ist als die meisten anderen, dann die Berliner Dojo. Dominic Czaja und Joachim Bosse (v.r.) stehen hinter der Easyjet-Kampagne "Inländer raus" und haben auch mit vorherigen Arbeiten für Aufsehen gesorgt. Das Motto der beiden: "Jung und schlecht gelaunt", schließlich sei das der damalige Gründervibe gewesen. Die Arbeit bei großen Agenturen hatte Czaja und Bosse nur genervt. Seit zehn Jahren erdenken die Jungs jetzt schon mit Dojo Kampagnen für Kunden wie Katjes, Babbel, Teufel und Opel – immer mit viel Wortwitz. Zeitgleich werkeln sie an ihrem Label "Muschi Kreuzberg", an einer Filmproduktion und der Partyreihe "Die 50 schönsten Rapper". Immer noch wichtigster Dojo-Kunde: Der Berliner Kultimbiss Mustafas Gemüse Kebap.

18.

Saliha Özcan, Youtuberin und Gründerin Sally’s Welt

Saliha Özcan, Youtuberin und Gründerin Sally’s Welt
© Sally’s Welt
Saliha Özcan, Youtuberin und Gründerin Sally’s Welt
Ihre erste Backanleitung lädt Saliha Özcan 2012 auf Youtube hoch, während sie noch mitten im Lehramtsstudium steckt. Das zweite Staatsexamen hat die angehende Grundschullehrerin zwar mittlerweile in der Tasche, auf eine Stelle bewirbt sie sich allerdings nie. Stattdessen fokussiert sich die heute 29-jährige Mutter komplett auf den Aufbau ihres Channels "Sallys Welt". Mit riesigem Erfolg: 1,2 Millionen User haben ihren Kanal abonniert, über 270 Millionen Mal wurden ihre Koch- und Backanleitungen bisher angeschaut. Darüber hinaus führt Sally mehrere Unternehmen mit über 30 Mitarbeitern, betreibt einen erfolgreichen Online-Shop inklusive eigener Produkt-Linie und war kürzlich für eine Vox-Produktion im TV zu sehen. Schon bald soll ein eigenes Print-Magazin folgen.

19.

Chris Nickel und Julian Jansen, About You

Chris Nickel und Julian Jansen, About You
© You and Idol
Chris Nickel und Julian Jansen, About You
Chris Nickel (Head of Community, Influencer und Social Media) und Julian Jansen (Head of Idols, v.l.) sind die fleischgewordene Speerspitze des Influencer Marketings. Die Premiere des About-You-Awards, zu dem die Crème de la Crème der Branche auftauchte. Der Event war vor Ort schon ganz nett – die Online-Reichweite wäre, hätte man sie bezahlen müssen, angeblich bis zu 20 Milionen Euro wert. Niemand ist näher dran an Creatern, Agenturen und Drahtziehern des noch unübersichtlichen Gewerbes. Nebenbei: Jansen war Gast-Juror bei Germanys Next Top Model und beide laden mit Lena Gercke zur Weihnachtsfeier.

20.

Marianne Bullwinkel, Geschäftsführerin DACH Snap

Marianne Bullwinkel, Snap
© Snapchat
Marianne Bullwinkel, Snap
Bullwinkel wechselte Anfang 2017 von Facebook zu Snap. Ein riskanter Schritt, hat ihr früherer Arbeitgeber mit seinen Instagram-Stories Snap doch den Krieg erklärt. Bullwinkel soll dafür sorgen, dass das Werbegeschäft mit Snap-Werbeprodukten wie gesponserten Linsen oder Geofiltern, also werblichen Filtern, die nur an bestimmten Orten abrufbar sind, Fahrt aufnimmt. "Snapchat ist nicht Social Media, sondern eine Kamera-App, die eine besonders kreative Form der Kommunikation mit Freunden und Familie ermöglicht", versucht Bullwinkel das Alleinstellungsmerkmal von Snap zu erklären. Und wer sollte das besser können als die Managerin, die ihr Leben lang in der Werbebranche gearbeitet hat?

Die Ränge 21 bis 50

21: Malte Peters, Leiter Digital Consumer Media, und Bernd Zabel, Leitung Digitale Medien, Funke Gruppe
22: Christian Liesegang, Martin Karlsch, Pan Katsukis, Benedikt Böhm und Benjamin Beivers, Gründer Remerge
23: Mario Harms, Herausgeber Rapupdate
24: Micky Beisenherz, Maik Nöcker und Lucas Vogelsang, Fussball MML
25: Annette Albrecht-Wetzel, Mitgründerin Pippa & Jean
26: Alexander Bachmann, Gründer Admitad
27: Christian Boszczyk, Gründer Bstn
28: Matze Hielscher, Gründer Mit Vergnügen
29: Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert, Gründerinnen Edition F
30: Laura Malina Seiler, Podcast-Influenerin
31: Caroline Preuß, DIY-Bloggerin
32: Alexander Thurner, Head of Amazon Advertising Platform Europe
33: Frank Thelen, Juror Die Höhle der Löwen
34: Verena Hubertz, Gründerinnen Kitchen Stories
35: Ralph Wiechers, SVP Dialogmarketing & Presse Deutsche Post
36: Franzi Kühne, Co-Gründerin Torben, Lucie und die Gelbe Gefahr
37: Josha Benner, Florian Hürber und David Federhen, Gründer Uberall
38: Andreas Kleiser, Gründer Virtual Minds
39: Thomas Alt, Gründer Metajo
40: Alex Graf, Gründer Spryker/Blogger Kassenzone.de
41: Nina Faulhaber, Mitgründerin Aday
42: Zoe Boikou, Gründerin Zoeva
43: Antonia Sutter und Theresa Neubauer, Gründerinnen Sistermag
44: Philipp Kässbohrer, Co-Chef Bild- und Tonfabrik
45: Marc Schmitz, CEO Ströer Content Group
46: Janna Schmidt-Holtz, Gründerin Event Inc.
47: Michael Schrezenmaier, COO Spark Networks
48: Alexander Swetlow und Jan König, Gründer Jovo+
49: Anonym (Macher der Facebook-Seite "Die Perlen des Influencer Marketings")
50: Tarin Wilda, genannt Ace Tee


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