OMR-Gründer Philipp Westermeyer

Wie sich deutsche Unternehmen für die Zukunft rüsten können

OMR-Macher Philipp Westermeyer auf der Bühne
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OMR-Macher Philipp Westermeyer auf der Bühne
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"Das deutsche Internet steht von allen Seiten unter Druck!" Mit dieser Erkenntnis eröffnete Online-Marketing-Rockstars-Gründer die Conference am zweiten Tag des OMR Festivals in Hamburg. Nicht nur, dass die GAFA-Unternehmen ihren Wert seit dem Vorjahr noch einmal ordentlich gesteigert haben - auch die asiatischen Tech-Giganten Baidu, Alibaba und Tencent werden immer größer. In seiner Keynote hat Westermeyer fünf Tipps zusammengestellt, wie deutsche Unternehmen im Spiel bleiben können.
Westermeyers erster Ratschlag ist, ins Silicon Valley zu reisen. Denn Besucher würden dort verstehen, dass die Wirtschaft stark mit dem Kundenzugang zusammenhängt und dass dieser heute immer wichtiger wird. Denn weder Airbnb noch Uber haben Produkte anzubieten - dafür hätten sie aber einen guten Kundenzugang und würden dadurch immer beliebter. Die GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon)-Unternehmen haben sich den Kundenzugang schlichtweg zum Geschäftsmodell gemacht und versteigern ihn an große Firmen. "Das ist die Welt, in der wir leben", fasst Westermeyer zusammen - und stellt seine fünf Tipps vor, wie deutsche Unternehmen in dieser Ökonomie arbeiten sollten, um erfolgreich zu sein.




1.

Horizontalisation

Der erste Ratschlag Westermeyers lautet: Horizontalisierung. Um den Kunden besser monetarisieren zu können, sollten Unternehmen (Schritt für Schritt) ihre Produkte oder Dienstleistungen erweitern. Zalando, Uber und Co machen es vor. Bot Zalando 2008 nur Schuhe an, erweiterte der E-Commerce-Riese seine Produktpalette um andere Kleidungsstücke. 2018 sollen nun Beauty-Produkte folgen. Auch Uber geht diesen Weg: Neben seinem Angebot der Fahrdienstvermittlungen hat die Firma auch Essenslieferungen im Programm.


2.

Retain with CRM

Im zweiten Tipp rät der OMR-Gründer, Abomodelle einzuführen. "Abos sind überall", sagt Westermeyer", "wir leben in einer Subscription Economy. Ob Netflix, Spotify oder Hello Fresh - selbst die Influencerin Kayla Itsines verkauft ihr Fitness-Programm im Abo". Mittlerweile sei der Abo-Trend sogar im Automobilbereich angekommen, man kann Porsches, Volvos oder Audis abonnieren.

Doch ein Abomodell alleine reiche nicht aus. Im gleichen Schritt empfiehlt er zusätzlich ein gutes Customer Relationship Management. Dafür gäbe es allerdings wenige gute Beispiele. Booking.com sei etwa sehr engagiert und schicke dem Nutzer etliche Mails zu seiner Reise. "Das finde ich aber nicht so inspirierend, sondern etwas zu penetrant". Ihm persönlich gefällt hingegen das Engagement eines Ferienbauernhofs in der Toskana. Die Inhaberin schreibe ihm persönlich jedes Weihnachten eine Mail mit Infos zu den Pferden. Eine Lösung für größere Unternehmen sei dies zwar nicht, da wenig skalierbar. Eine Kombination aus Booking.com und dieser Variante sei die Lösung. "Es geht noch viel, viel mehr beim Thema CRM", fordert Westermeyer schließlich.

3.

Stand Out

Westermeyers Tipp Nummer drei: Herausragendes Marketing machen. "Klar, das sagt sich so leicht", gibt der OMR-Chef zu - er hat aber auch ein paar Beispiele parat. Erstens hält er Provokation für eine gute Lösung. Zum Beispiel habe das Modeunternehmen Naketano durch sexuelle Anspielungen in den Produktnamen auf sich aufmerksam gemacht. Auch Smoothie-Hersteller True Fruits arbeitet bekannterweise mit einer ähnlichen, provokanten Mechanik im Marketing.

Herausragendes Marketing sei zudem möglich, indem der CEO zur Brand wird. Bei Fashion-Unternehmen ist dies seit jeher gang und gäbe - siehe Karl Lagerfeld, Coco Chanel, Wolfgang Joop und Co. Nun machen auch Tech-Riesen wie Amazon mit Jeff Bezos oder T-Mobile in den USA mit John Legere vor, wie man Marketing über den CEO macht.

4.

Digital PR

Zudem empfiehlt Westermeyer "krasse, digitale PR". Das Erfolgsbeispiel dafür liefern Tesla und Elon Musk. Die PR-Aktion des Tech-Moguls, einen Wagen der Firma in einer Rakete zum Mars zu schicken, sorgte beispielsweise auf der ganzen Welt für Aufmerksamkeit. Doch das sei nur eine vieler Aktionen, die Tesla so erfolgreich und innovativ machen. "Die PR von Elon Musk ist Milliarden wert", fasst Westermeyer zusammen.

Ein weiteres Beispiel für erfolgreiches Marketing liefern laut dem OMR-Gründer Apple und About You. Apple veranstaltet regelmäßig das Launch-Event zu seinen Produkten. Ohne etwas zu bezahlen, berichtet schließlich die ganze Welt darüber. About You rief im vergangenen Jahr einen Influencer-Award ins Leben und lud jede Menge Social-Media-Stars dazu ein. Prompt wurden 41 Millionen Impressions auf Social Media erzielt, ein Media Value von 20 Millionen kam zustande. "Auch so geht heute PR", so Westermeyer.

5.

Be agile on Platforms

Im letzten Tipp empfiehlt Westermeyer, Plattformen kreativ zu nutzen und auch neue Wege zu gehen. Beispielsweise können Unternehmen auf Google Shopping herausstechen, indem sie etwas anders machen als alle Konkurrenten. Er führt als Beispiel die Suche nach einem Adidas-Sneaker an. Alle Firmen präsentieren bei ihren Angeboten einen freigestellten Schuh auf weißem Hintergrund. Der Onlineshop Asos macht es anders und lässt ein Model mit roter Jogginghose den Sneaker tragen: Das Produktfoto springt als einziges ins Auge.

Auch für die Facebooknutzung hat Westermeyer einen Ratschlag parat: Facebook-Gruppen. Dieses Potenzial sei bislang weitgehend ungenutzt, sagt der OMR-Founder. In Gruppen könnte man Fans eines Unternehmens abholen und ohne einschränkenden Algorithmus mit ihnen kommunizieren. "Da gibt es Reichweite umsonst", so Westermeyer. bre
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