Nachhaltig, günstig, effizient

So will der niederländische Online-Supermarkt Picnic Deutschland erobern

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Picnic geht in Deutschland an den Start
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Picnic geht in Deutschland an den Start
Die Digitalisierung erfasst langsam, aber sicher den deutschen Lebensmittelhandel. Das bekommen auch die großen Supermarktketten zu spüren. Nach Amazon Fresh betritt mit Picnic jetzt ein weiterer Online-Player den Markt. Und der bringt neben ambitionierten Plänen auch reichlich Kohle mit, um den hiesigen Platzhirschen das Wasser abzugraben.

Satte 100 Millionen Euro hat sich Picnic bei einer Finanzierungsrunde im Jahr 2017 gesichert. Geld, das nun auch für den Markteintritt in Deutschland zur Verfügung steht. Das Unternehmen, das 2015 von Joris Beckers, Frederik Nieuwenhuys, Michiel Muller und Gerard Scheij in den Niederlanden gegründet wurde, will hierzulande Spuren hinterlassen. "Unser Ziel ist klar: Wir wollen ein Angebot für alle Verbraucher schaffen und damit den deutschen Lebensmittelmarkt revolutionieren", gibt Frederic Knaudt aus dem Gründerteam von Picnic in Deutschland die Marschrichtung vor. 



Gelingen soll das mit einem Modell, das durchaus vielversprechend klingt. Picnic, das hierzulande in Düsseldorf seine Zelte aufschlägt, kommt wie eine Art Deliveroo für Supermärkte daher. Kunden können über eine App auf das Picnic-Sortiment zugreifen, das dem Angebot eines traditionellen Supermarkts in nichts nachstehen soll. Was Verbraucher durchaus beeindrucken dürfte: Wer sich frische Backwaren, Obst und Gemüse, Fleisch oder Drogerieartikel von Picnic nach Hause liefern lässt, kann nicht nur wie bei dem Restaurant-Lieferdienst über die App verfolgen, wo sich das Zustellfahrzeug gerade befindet und welcher Fahrer die Ware anliefern wird. Es fallen auch keinerlei Liefergebühren an. Zudem können Kunden ein 20-minütiges Zeitfenster auswählen, innerhalb dessen die Ware angeliefert wird.

Picnic liefert Lebensmittel gratis aus
© Picnic
Picnic liefert Lebensmittel gratis aus
Was bei der traditionell preissensitiven deutschen Kundschaft ebenfalls gut ankommen dürfte: Picnic will seinen Kunden nach eigenen Angaben "die günstigsten Lebensmittelpreise im deutschen Markt" garantieren. "Günstigste Preise und Gratislieferung können wir deshalb garantieren, weil wir anders als Supermarktketten keine hohen Mieten für Filialen bezahlen, aufgrund unserer Logistik Lebensmittelabfälle vermeiden und auf der letzten Meile hoch effizient sind", sagt Knaudt, der Picnic hierzulande gemeinsam mit Arthur Oesterle und Manuel Stellmann aufbaut. 

Wie Uber, nur nachhaltig

Was Picnic für die Millenials interessant machen dürfte, ist auch das Bekenntnis zur Nachhaltigkeit. Eigenen Angaben zufolge bestellt Picnic jeden Tag nur die exakte Menge an Lebensmitteln, die von den Kunden per App angefordert wird. Ein Highlight und zugleich zentrales Aushängeschild ist allerdings die selbst entwickelte Flotte von Elektro-Vans, mit denen die Lebensmittel ausgeliefert werden. Ähnlich wie die Fahrzeuge von Uber sind diese auf von Algorithmen optimierten Routen unterwegs. Eine Fahrt umfasst immer mehrere Zustellungen in einem Viertel. Indem Aufträge gebündelt werden, sollen unnötige Fahrtwege wegfallen. 


In den Niederlanden hat das Modell Picnic gefruchtet. Das Unternehmen, das in diesem Jahr 300 Millionen Euro umsetzen will, beliefert dort inzwischen 100.000 Kunden in 37 Städten. In Deutschland sehen die Gründer sogar noch mehr Potenzial. Grund ist eine sechsmonatige Pilotphase in Kaarst im Rhein-Kreis Neuss unter dem Codenamen "Sprinter". Die Ergebnisse hätten die Erfahrungswerte aus den Niederlanden "bei weitem" übertroffen, heißt es. "Das enthusiastische Feedback unserer Kunden in Kaarst bestärkt uns in der Annahme, dass Deutschland reif ist für ein Angebot, das es so vorher noch nicht gab: Kostenlose Lieferung von Lebensmitteln zu günstigsten Preisen direkt an die Haustür. Wir schließen diese Lücke mit Effizienz, Nachhaltigkeit und dem sehr persönlichen Service unserer Lieferanten", tönt Picnic-Gründer Muller. 

Bis die unter www.picnic.de verfügbare App bundesweit genutzt werden kann, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Nach der Testphase, die noch bis April dauern wird und die Städte Kaarst, Neuss, Oberkassel und Meerbusch umfasst, sollen in diesem Jahr lediglich drei bis fünf Städte in Nordrhein-Westfalen hinzukommen. Im Jahr 2019 will Picnic 20 bis 30 weitere Städte beliefern.

Spätestens dann wird sich Picnic mit anderen Online-Lieferdiensten messen müssen. Amazon Fresh ist aktuell nur in Berlin, Potsdam, Hamburg und München verfügbar, soll aber ebenfalls ausgebaut werden. Die Edeka-Tochter Bringmeister ist derzeit Berlin und München präsent. Das dichteste Liefernetz bietet mit Rewe ein traditioneller Player. Aktuell liefert das Unternehmen Lebensmittel in 75 Städten aus.

Bei der Kommunikation backt Picnic noch kleine Brötchen. Anfangs stehen naturgemäß Regionen im Mittelpunkt, in denen Picnic Lebensmittel ausliefert. Dabei sollen die gebrandeten Elektro-Vans von Picnic sowie die Fahrer mit Picnic-Milchmannschürzen als Aushängeschild der Marke fungieren. Darüber hinaus will Picnic stark auf Facebook werben. Eine große Rolle soll auch Word of Mouth und PR spielen. Verantwortliche Agentur ist MSL Germany.  mas

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