Missratene Facebook-Anzeige

Wie ein Algorithmus die Bahn in die Bredouille brachte

Diese Anzeige war der Stein des Anstoßes
© thebestsocial.media
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Die Deutsche Bahn musste sich für eine misslungene Job-Anzeige auf Facebook entschuldigen. Darin suchte das Unternehmen einen Fahrdienstleiter in Bad Aibling, wo vor zwei Jahren ein unaufmerksamer Mitarbeiter eines der schwersten Zugunglücke in Deutschland mit zwölf Toten verursacht hatte. Schuld an dem Fauxpas war allerdings kein Mensch, wie das Unternehmen erklärt.
"Alle wollen nach Berlin – dabei sind die guten Jobs in Bad Aibling": Mit diesen Worten warb die Deutsche Bahn um Bewerber für den Posten im bayerischen Bad Aibling. Dort waren am 9. Februar 2016 zwei Züge der Bayerischen Oberlandbahn frontal zusammengestoßen. Zwölf Menschen starben, 89 wurden verletzt. Der Fahrdienstleiter hatte auf seinem Handy gespielt und Signale falsch gestellt. Er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.
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Facebook-Nutzer bemerkten, wie pietätlos die Anzeige vor diesem Hintergrund wirkt und ließen die Bahn das in ihren Kommentaren unter dem Post auch deutlich spüren. Schließlich meldete sich die Bahn mit einem Statement zu Wort - und das lässt aufhorchen. Zunächst entschuldigte sich das Unternehmen: "Es war in keiner Weise unsere Absicht, die Gefühle von Betroffenen oder Angehörigen des Zugunglücks von Bad Aibling zu verletzen. Wir haben die Verbreitung sofort gestoppt", heißt es in dem Post. "Das hätte in diesem Fall nicht passieren dürfen, die Verbindung mit Bad Aibling hätten wir beim Beruf Fahrdienstleiter vorher ausschließen müssen."


Und dann wird es interessant. Denn die Stellenanzeige war nicht von einem Menschen formuliert worden: Laut Nachrichtenagentur dpa versicherte die Bahn, ein Algorithmus habe die Anzeige aus Satzbausteinen, Berufsbild und Ort zusammengesetzt. Auf Facebook schrieb das Unternehmen dazu: "Es handelte sich um einen automatisierten Algorithmus, der an vielen hundert Orten über Facebook lokal ausgespielt wurde." Die Panne dürfte Wasser auf die Mühlen derjenigen sein, die in der zunehmenden Automatisierung von Marketing-Kommunikation eher Bedrohung als Chance sehen. Programmatic Advertising genießt nicht unbedingt den besten Ruf, spätestens seit die Anzeigen großer Werbungtreibender in zweifelhaften oder schlicht verfassungsfeindlichen Umfeldern auf Plattformen wie Youtube auftauchen.

Am meisten dürfte sich aber die Deutsche Bahn selbst ärgern. Die Employer-Branding-Kampagnen des Unternehmens gelten in der Branche als beispielhaft. 2012 startete die Bahn ihre Maßstäbe setzende Kampagne "Kein Job wie jeder andere", im vergangenen Jahr schlug der Konzern mit "Du passt zu uns" das nächste Kapitel auf. ire / Mit Material von dpa
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