"Made in Germany" Trumps "America-First"-Politik schadet deutschen Marken

Mittwoch, 13. Juni 2018
"Made in Germany" ist nach wie vor das nationale Gütesiegel mit dem größten Prestige
"Made in Germany" ist nach wie vor das nationale Gütesiegel mit dem größten Prestige
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Zuerst die gute Nachricht: Deutschland hat seine Spitzenposition als führendes Herkunftsland hochwertiger Marken verteidigt. Die schlechte: Der Gegenwind für deutsche Produkte nimmt wegen Trumps "America first"-Politik deutlich zu. Das geht aus einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Globeone hervor. Die Ausweitung des Dieselskandals erschüttert das Konsumentenvertrauen in den USA überraschenderweise nicht.
Das "America first"-Mantra des US-Präsidenten Donald Trump setzt deutsche Marken gehörig unter Druck. Der Studie zufolge wollen drei Viertel der Trump-Anhänger dieser nationalistischen Rhetorik folgen und mehr amerikanische Erzeugnisse kaufen - trotz einer ausgeprägten Sympathie für deutsche Produkte (85 Prozent). Gleichzeitig beabsichtige jeder zweite Trump-Anhänger auch, weniger deutsche Marken zu erwerben. Für die Untersuchung wurden Ende 2017 mehr als 1.500 Konsumenten in Deutschland, den USA und China zu ihrer Meinung über 50 führende deutsche Marken befragt. Der Leitsatz "Buy American" entfaltet dabei in der Altersgruppe der 18 bis 39-Jährigen die größte Wirkung. Er führt aber auch dazu, dass das Ansehen der USA in Deutschland leidet. 66 Prozent der deutschen Verbraucher sagen, ihr Ansehen der USA habe sich im vergangenen Jahr verschlechtert. "Made in Germany" allerdings ist nach wie vor das am stärksten mit ausgezeichneter Qualität (71%), hohem Prestige (69%) und Zuverlässigkeit (64%) assoziierte nationale Qualitätssiegel.

Allerdings haben deutsche Markenhersteller mit einem Problem zu kämpfen: Sie werden kaum als innovativ wahrgenommen. In zukunftsrelevanten Branchen, wie beispielsweise der E-Mobilität, dem E-Commerce (Top 3 jeweils: USA, China, Japan) oder der Industrie 4.0 (Top 3: Japan, USA, China) wird Deutschland den Ergebnissen der Studie zufolge nicht als führend wahrgenommen, obwohl die Bundesregierung beispielsweise die Industrie 4.0 zu einem Schlüsselprojekt erklärt hat.
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Eine überraschende Erkenntnis führt die Untersuchung ebenfalls zu Tage: Die Ausweitung des Dieselskandals schlägt sich in den USA und in China nicht nieder. Mit fünf Automobilherstellern an der Spitze der Bekanntheitsskala zeigt sich: Deutschland wird nach wie vor vor allem als klassische Auto-Nation wahrgenommen. Das Prestige von VW kann sich in China (+26 Prozent) und in den USA (+24 Prozent) deutlich stärker erholen als im Heimatmarkt (+ 2 Prozent). "Offenbar ist das Schlimmste überstanden und die Verbraucher haben mittlerweile verziehen oder schlicht vergessen", kommentiert Simon Aschermann, Berater bei Globeone. ron
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