Legalisierungsdebatte

Wie das Start-up Nuuvera die weltweit stärkste Cannabis-Marke werden will

Hendrik Knopp ist Managing Director von Nuuvera Deutschland
© Nuuvera
Hendrik Knopp ist Managing Director von Nuuvera Deutschland
Am heutigen Donnerstag beschäftigt sich der Deutsche Bundestag gleich mit drei Anträgen zur Legalisierung von Cannabis - allerdings ist ein Erfolg der Initiativen von Grünen, FDP und Die Linke höchst unwahrscheinlich. Hendrik Knopp, Deutschlandchef des Start-ups für medizinisches Cannabis Nuuvera, findet das nicht schlimm. Bei HORIZONT Online erklärt der Ex-RTL- und Bwin-Marketer, wie sein kanadischer Arbeitgeber zur weltweit stärksten Cannabis-Marke werden will.

Seit März 2017 ist schwer kranken Patienten auch hierzulande der Konsum von Cannabis aus medizinischen Zwecken erlaubt. Seitdem sind eine Reihe von jungen Unternehmen im deutschen Markt unterwegs, um vom dem Geschäft mit dem rezeptpflichtigen Arzneimittel zu profitieren, darunter etwa die Firmen Pedanios aus Berlin, Spektrum Cannabis aus St. Leon-Rot oder Cannamedical aus Köln. Und eben Nuuvera, 2006 in Kanada gegründet, seit 2017 auf dem deutschen Markt aktiv - und seit Januar dieses Jahres sogar an der Börse notiert.



Der Markt mit medizinischem Cannabis
Von den rund 3800.000 zugelassenen Ärzten in Deutschland verschrieben nach Angaben von Nuuvera bislang weniger als 1000 Ärzten ihren Patienten eine Schmerz-Behandlung mit medizinischem Cannabis. Insgesamt wurden 2017 rund 14.000 Anträge darauf gestellt, die Kassen genehmigten davon rund 60 Prozent. In der Apotheke wird das Gramm zu circa 24 Euro berechnet - ein stolzer Preis. Wie groß das Potenzial ist, zeigt ein Blick nach Kanada, Pionier in puncto medizinischem Cannabis: Dort beziehen monatlich etwa 200.000 Patienten das Schmerzmittel, das sind 0,6 Prozent der Bevölkerung.
Zur aktuellen politischen Debatte im Bundestag sagt Deutschlandchef Knopp: "Wir unterscheiden ganz klar Konsumcannabis von Medizinalcannabis. Ich denke, Deutschland ist ganz gut beraten, den Markt erst einmal vorsichtig zu erschließen." Mit den Erfahrungen aus Kanada, wo der medizinische Konsum bereits seit fast 20 Jahren legal ist, rät er, sich langsam vorzutasten. "Erste kontrollierte Modellprojekte können hierzu eine gute Datenbasis liefern." Neben Kanada, wo das Cannabis angebaut wird, ist Nuuvera gezielt in Märkten aktiv, die neu hinzugekommen sind, etwa Italien, Spanien, Dänemark, Malta und Israel.

Kommunikativ verfolgt Knopp, ehemals im Marketing bei RTL und Head of Central Online Marketing & Pokermarketing bei Bwin, vor allem eine Strategie des Aufklärens und Informierens. Weil medizinisches Cannabis ein rezeptpflichtiges Produkt ist, sind die klassischen Werbekanäle für Nuuvera tabu. Auch Ärzte kann das Unternehmen nur eingeschränkt adressieren. "Wir glauben an Informationsmarketing", sagt Knopp. Derzeit erarbeitet der 46-Jährige einen Marketingplan für Deutschland, diesen soll ab Sommer dann eine Werbeagentur umsetzen.
Die Cannabis-Plantage in Kanada, von der Nuuvera seine Blüten bezieht
© Nuuvera
Die Cannabis-Plantage in Kanada, von der Nuuvera seine Blüten bezieht
Nuuveras erklärtes Ziel ist es, die globale Nummer 1 zu werden - in einem Markt, in dem derzeit noch eine "Wild-West-Stimmung" (Knopp) herrscht. Weltweit trifft er mit seinem Arbeitgeber häufig auf dieselben Konkurrenten, vor allem aus Kanada. US-amerikanische Firmen bewegen sich wegen der dortigen Gesetzeslage in einem geschlossenen Markt und werden Nuuvera daher nicht gefährlich. Auch die klassischen Pharmakonzerne halten sich noch stark zurück. Die Wettbewerber will Knopp daher mit einem Mix aus Produkt, Kapital und Marketing in die Schranken weisen - letztlich auch mit einem Anbau in Deutschland, zu dem aktuell noch eine Ausschreibung läuft. Spätestens wenn darüber entschieden ist - im April dürfte es soweit sein - erwartet er eine Fortsetzung der Konsolidierungsphase. "Langfristig wird man den ROI unseres Investments in lokale Märkte sehen", sagt Knopp. Den langen Atem bringt er jedenfalls mit. fam


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