InfluencerDB-Chef Levenhagen "Erfolgreiche Influencer werden anspruchsvoller bei der Bezahlung"

Freitag, 18. Mai 2018
Robert Levenhagen ist Chef von InfluencerDB
Robert Levenhagen ist Chef von InfluencerDB
© InfluencerDB

Robert Levenhagen, CEO von InfluencerDB, ist Speaker auf den HORIZONT Digital Marketing Days 2018. Im Vorabinterview nennt er die fünf wichtigsten Trends im Influencer Marketing und beklagt, dass Unternehmen noch immer zu oft Influencern auf den Leim gehen, die dank Fake und Fraud groß geworden sind: "Nicht alle Unternehmen gehen mit der notwendigen Sorgfalt an die Analyse von Influencer-Kanälen."

Viel ist derzeit die Rede davon, dass Influencer Marketing erwachsen geworden sei. Aber stimmt das überhaupt? Influencer Marketing ist inzwischen ein fester Bestandteil im Marketing-Mix von Unternehmen. Dennoch muss auch jetzt noch viel passieren. Durch das schnelle Wachstum der Disziplin und die steigende Zahl an Unternehmen, die Influencer Marketing in ihre Strategie integrieren wollen, wird die Landschaft immer kompetitiver. Es ist heute sehr viel schwieriger, Influencer Marketing erfolgreich zu nutzen, als noch vor drei Jahren, wo dies so gut wie jede Marke konnte.

Wo hakt es? Besonders, was die Budgetierung von Influencern betrifft, müssen Standards definiert werden. Erfolgreiche Influencer werden immer anspruchsvoller, was die Bezahlung betrifft.

Zusätzlich ist das Thema Fake natürlich weiterhin ein Problem. Noch immer gehen nicht alle Unternehmen mit der notwendigen Sorgfalt an die Analyse von Influencer-Kanälen. Wenn wir sehen, dass Influencer mit einer Fake-Rate von über 90 Prozent von namhaften Marken zu Festivals weltweit geflogen werden, dann zeigt uns das ja bereits, dass noch einiges an Weiterbildung und Aufklärung betrieben werden muss.

HORIZONT Digital Marketing Days 2018

Die HORIZONT Digital Marketing Days haben sich in den vergangenen Jahren zum Trend-Check für die Digitalbranche entwickelt. Anspruch der Veranstaltung ist es, Orientierung im Digital-Marketing-Dschungel zu liefern. Auch in diesem Jahr stehen am 3. und 4. Juli in Berlin Trends und Entwicklungen in den digitalen Marketingdisziplinen auf dem Prüfstand. Anmelden können Sie sich unter Conferencegroup.de/dmd18.
Dennoch werden Fake und Fraud im Influencer Marketing längst nicht mehr so heiß diskutiert, wie noch vor einem Jahr. Haben sich Werbungtreibende damit abgefunden, auch hier einen Teil ihrer Spendings zum Fenster rauszuwerfen? Damit abfinden sollte sich definitiv kein Marketingverantwortlicher! Wünschenswert wäre es, wenn die Diskussion stiller geworden ist, weil das Problem durch die Diskussion im letzten Jahr mehr ins Bewusstsein gerückt ist und vehementer angegangen wird. Leider sehen wir jedoch immer wieder Fälle, in denen Influencer, die massiven Followerkauf betreiben, von großen Unternehmen gebucht werden. Wir arbeiten daran, auch in diesem Bereich Aufklärungsarbeit zu betreiben und Unternehmen zu ermöglichen, ihr Budget gewinnbringend einzusetzen, statt es in Fake Follower ohne jeglichen Nutzen zu investieren.

Das Thema Kennzeichnungspflicht scheint hingegen, zumindest für Kanäle wie Youtube und Instagram, wohl tatsächlich gelöst. Schon prophezeien manche Experten neuen Kanälen wie Musical.ly große Influencer-Zeiten, weil dort Schleichwerbung noch viel einfacher machbar ist. Hört das denn nie auf? Ich sehe die Kennzeichnung insofern nicht als Problem. Im Gegenteil: Wir sehen sogar, dass gekennzeichnete Werbepostings etwas besser abschneiden. Für Instagram-Nutzer scheint es demnach keine Rolle zu spielen, ob ein Posting eine bezahlte Promotion enthält oder nicht. Werbung gehört heute in der Social-Media-Landschaft dazu, nur selten gibt es noch Fälle, in denen eine massive Anzahl an Werbepostings für Kritik sorgt. Insofern besteht heute eigentlich nicht mehr die Notwendigkeit, die werbliche Natur eines Postings zu verschleiern. Genau, wie es auch bei Instagram und Youtube der Fall war, wird es auch bei Musical.ly mit der Zeit Richtlinien zur Kennzeichnung geben.
„Wenn wir sehen, dass Influencer mit einer Fake-Rate von über 90 Prozent von namhaften Marken zu Festivals weltweit geflogen werden, dann zeigt uns das ja bereits, dass noch einiges an Weiterbildung und Aufklärung betrieben werden muss.“
Robert Levenhagen, InfluencerDB
Sie setzen mit InfluencerDB sehr bewusst den Fokus auf Instagram. Keine Angst, dass der Facebook-Skandal mittelfristig auch zu Reaktanzen gegenüber Instagram führt? Noch liegt unser Fokus klar auf Instagram, wir arbeiten jedoch bereits daran, auch andere Plattformen zu integrieren. Derzeit hat Youtube die oberste Priorität, darüber hinaus wollen wir weitere Plattformen anschließen. Reaktanzen gegenüber Instagram erwarten wir nicht. Die Nutzer sozialer Netzwerke sind sich der Gefahren dieser durchaus bewusst. Ich denke nicht, dass es hinsichtlich Instagram einen merkbaren Nutzungsabfall durch den Facebook-Skandal geben wird.

Ganz ehrlich: Den Instagram-Nutzern – sowohl den Influencern, als auch ihren Fans - ist der ganze Rummel um den Facebook-Skandal doch herzlich egal, oder? Meiner Ansicht nach denken nur die wenigsten Nutzer darüber nach, Facebook oder Instagram langfristig den Rücken zu kehren. Untersuchungen zeigen, dass nur 7,7 Prozent der Befragten ihren Facebook-Account im Zuge des Datenskandals gelöscht haben.

 Sie können das mit Ihren Analysetools doch sicher empirisch untermauern? Wir sehen keine deutlichen Veränderungen in den Interaktionsraten der Instagram-Nutzer seit dem Bekanntwerden des Datenskandals. Ich gehe nicht davon aus, dass wir hier in den kommenden Wochen negative Veränderungen sehen werden.
„Ich denke nicht, dass es hinsichtlich Instagram einen merkbaren Nutzungsabfall durch den Facebook-Skandal geben wird.“
Robert Levenhagen, InfluencerDB
Vor kurzem war unter den 5 Top-Trends für 2018 zu lesen: Dieses Jahr wird Influencer Marketing deutlich datengetriebener, diverse KPIs seien klar messbar. Wir dachten eigentlich, das sei schon immer der USP von Influencer Marketing gewesen. Ist das wirklich noch ein Trend? Dass Influencer Marketing datengetrieben sein kann und auch muss, ist noch nicht bei allen Unternehmen ins Bewusstsein gerückt. Das machen Kampagnen, wie die gerade erwähnte, deutlich, bei denen Influencer lediglich qualitativ, aber nicht datenbasiert ausgewählt werden. Statt Influencer zu wählen, die gerade am meisten gehypt werden oder den coolsten Content haben, müssen auch Interaktionsraten und Audience Analysen in Betracht gezogen werden. Somit ist die Messbarkeit eher eine Pflicht als ein Trend.

Jetzt haben Sie die Chance: Wie lauten Ihre fünf Top-Trends für das Influencer Marketing in den nächsten 12 Monaten? 1. Influencer werden maßgeblich den von Unternehmen genutzten Content prägen. Sie werden für Unternehmen zur Hauptquelle für Content Creation werden. Somit profitieren Marken vom hochqualitativen Content der Influencer und gleichzeitig von deren Reichweite. Der Content wird auf die verschiedenen Stages der Customer Journey zugeschnitten sein.

2. Wissenschaftliche Daten spielen eine essentielle Rolle. Die meisten Unternehmen werden die Planung, Durchführung und Auswertung ihrer Kooperationen datenbasiert durchführen. Ich hoffe, dass bereits innerhalb des nächsten Jahres ein großer Schritt in Richtung Aufklärung und Weiterbildung stattfinden wird.

3. Unternehmen werden verstärkt Prozesse und Systeme einführen, um all ihre unterschiedlichen Influencer-Aktivitäten in einem zentralisierten Relationship Management System zu koordinieren.

4. Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden deutlicher ausdefiniert, unter anderem für die Kennzeichnung von Werbepostings.

5. Unternehmen werden einen ganzheitlichen Ansatz fahren, wenn es darum geht, Influencer Marketing Maßnahmen in ihren Marketing-Mix zu integrieren. One-and-done Kampagnen wird es in der Form nicht mehr geben.

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