Influencer Marketing

So nutzt Youtuber Simon Unge sein Stream Haus als Markenplattform

Beim Einzug in das Stream Haus wurden Unge und seine Freunde von Medimax unterstützt
Ungespielt via Youtube
Beim Einzug in das Stream Haus wurden Unge und seine Freunde von Medimax unterstützt
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Das dürfte eine echte Besonderheit im Influencer Marketing sein: Simon Unge hat mit seinem "Stream Haus" eine ganze Villa als Markenplattform anzubieten. HORIZONT Online durfte einen exklusiven Blick hinter die Kulissen werfen und hat mit dem Youtuber und seinem Team über das Konzept des Langzeitprojekts gesprochen.
In einem ruhigen, ländlichen Stadtteil an der Elbe steht das Stream Haus. Es ist eigentlich eine ganz normale Villa wie viele andere in dieser Vorstadtidylle - doch seit Kurzem kann jeder Internetuser einen Blick ins Innere werfen. Denn hier ist Ende des Jahres Simon Unge eingezogen, einer der bekanntesten Youtuber Deutschlands. Der 27-Jährige hat hier mit Freundin Sabine, Youtube-Kollege Alex und Hund Knubbel eine WG gegründet. Für ein Jahr werden die drei fest in der stilvoll eingerichteten Villa leben und ihrer gemeinsamen Leidenschaft nachgehen: dem Streamen. Der Content, der dabei entsteht, wird unter dem Hashtag #StreamHaus im Netz verbreitet.

Der Influencer
Simon Unge heißt bürgerlich Simon Wiefels und wurde 1990 in Erkelenz geboren. Seit 2013 ist er hauptberuflich Youtuber. Bekannt wurde Unge durch Let’s Plays: Videos, in denen Computerspiele gespielt und kommentiert werden. Auf seinem Youtube-Kanal „Ungespielt“ hat der Videoproduzent rund 2,3 Millionen Abonnenten. Kürzlich reaktivierte er seinen zweiten Kanal „Unge“. Hier geht es um ernstere Themen statt um Entertainment.
Der Alltag der WG steht allerdings nicht wie bei Big Brother und Co 24 Stunden am Tag unter Beobachtung. Unge und seine Freunde bestimmen täglich, wann sie eine Übertragung starten. Live und ungefiltert sollte es aber schon sein: "Wir mögen es, dass wir Dinge nicht rausschneiden können", betont der Streamer. Das garantiere Authentizität.

Nur ein Fingertipp auf dem Handy ist nötig, dann werden Unge und seine Freunde auf der Plattform Twitch übertragen. User sind dabei, wenn die WG ihren Alltag gestaltet. Sie sehen, wie die Streamer kochen, wie Unge ein Computerspiel testet oder wie die drei auf dem Sofa lümmeln. Je nach Situation sind die Einblicke in das Leben unterschiedlich lang. Livestreams beim Kochen dauern circa zwei Stunden, Übertragungen beim Zocken ziehen sich über acht Stunden und länger.

Dass Unge außer montags und am Wochenende individuell entscheidet, wann er einen Livestream startet, beschränke die Reichweite in der Community nicht. "Manchmal kündige ich einen Stream kurz vorher über Twitter an", erzählt Unge. "Die Leute warten aber sowieso im Chat auf Twitch. Dort spricht es sich schnell rum, wenn wir live gehen." Die Zahlen, die er nennt, sprechen dafür. Am meisten Zuschauer verzeichnet zwar das regelmäßige Format "Ungeklickt" am Montag, das im Schnitt 15.000 bis 20.000 User verfolgen.

Doch auch bei anderen Streams schalten Tausende Nutzer ein: Abhängig vom Thema sind es zwischen 6.000 und 10.000 Fans. Die Highlights aus den Streams schneidet Unge zusammen und lädt sie auf seinem Youtube-Kanal "Ungespielt" hoch. Auf der Videoplattform schauen andere Menschen zu als auf dem Streaming-Portal: "Meine Hauptzielgruppe auf Twitch ist zwischen 16 und 25 Jahren alt", sagt der Videomacher. "Auf Youtube schauen auch viele Jüngere zwischen 14 und 15 Jahren meine Videos."

Das Stream-Haus-Projekt ist aber nicht nur Vergnügen, sondern auch Arbeit: Unge verdient damit. Umgesetzt und erarbeitet hat der Streamer das Konzept mit seiner Agentur Flow fwd. Außerdem ist ein Team von Insocial Media an Bord, das sich um Kooperationspartner kümmert. Bislang sei man mit der Vermarktung "hoch zufrieden". Als feste Partner gewann Unge Medimax, Vodafone und den Ungeshop. Die Logos der Unternehmen sind dauerhaft sichtbar: Während Livestreams werden sie im unteren Bildrand eingeblendet und sie erscheinen auch, wenn Unge offline ist, unter dem Stream. Außerdem kooperiert der Streamer auch kurzfristiger mit Unternehmen: Zum Beispiel für eine Woche lang oder einen Stream.

Medimax spielte von Beginn an eine wichtige Rolle bei dem Stream-Haus-Projekt. Möbel haben Unge und seine Freunde selbst gekauft. Der Elektropartner versorgte sie mit Technik und machte die Villa zum Smart Home. Unge und sein Team haben für das Stream-Haus nach einem kleineren Player gesucht: "Wir wollten bewusst nicht mit einem der Platzhirsche kooperieren, weil Medimax uns viel Flexibilität und kurze Wege zur Marketingabteilung bietet", sagt er. Der Elektrohändler zeigt sich mit der Kooperation zufrieden. Man habe schon länger nach einem geeigneten Konzept und einem glaubwürdigen Partner gesucht und es bei Unge und dem Stream-Haus gefunden. Die Reichweite des Unternehmens habe sich während der Kooperation gesteigert. Das habe sich etwa durch "deutlich mehr" Aufrufe der Homepage sowie dem lokalen Interesse am Meet and Greet mit Unge in einer Filiale gezeigt.

Neben den dauerhaften Einblendungen hat der Videoproduzent mit seinen Partnern Aktionen geplant und Vereinbarungen zu Erwähnungen getroffen. Wie der Content explizit ausfällt, darauf nehmen Medimax und Co keinen Einfluss. Und sie gehen mit Livestreams ein Risiko ein, denn hier gibt es keine Kontrollschleife. "Live-Videos erfordern viel Vertrauen, und das klappt bislang super", resümiert Unge. Selbst mit scherzhaften Bemerkungen zur Marke hätten die Firmen kein Problem. Diese Haltung sei notwendig, um die Glaubwürdigkeit zu bewahren, begründet Medimax-Marketingleiter Falk Altenhenne. "Die Offenheit in der Zusammenarbeit führt zu authentischem Content, hinter dem Simon Unge als Person steht und stehen muss."

Einen Kritikpunkt könnte es jedoch geben. Unge hat sich kürzlich ein weiteres Hobby zugelegt: polarisieren. Dafür hat er seinen nicht-monetarisierten Youtube-Kanal "Unge" reaktiviert, auf dem sich der Videomacher ernsteren Themen wie dem Veganismus widmen will. Die Clips haben es in sich: Vor allem das Video mit dem streitbaren Titel "Milch ist Gift" sorgte für Aufsehen. Darauf folgten mehrere Ableger, das Medienecho war groß. "Simon Unge und seine wilden Verschwörungstheorien", titelt Stern.de. Dem Videomacher gefällt das. "Ich wusste, dass die Videos Diskussionen auslösen werden", grinst er. "Mit 'Milch ist Gift' habe ich mir Feinde gemacht. Aber ich mag es, zu provozieren, und habe lieber viele Dislikes als keine." Inzwischen enttarnte Unge die Eskapaden als Test.

Doch wie finden das die Kooperationspartner vom Stream-Haus, auch, wenn sich die Themen auf einem anderen Kanal abspielen und kein direkter Bezug zum Projekt besteht? Bei Medimax verweist man darauf, keine dauerhafte Testimonial-Verbindung zu dem Youtuber zu haben und nur eine thematisch passende Zusammenarbeit beim Stream-Haus eingegangen zu sein. "Dass Simon Unge auch andere Themen bedient, nehmen wir wahr. Aber: Wir haben den Content weder kommentiert noch beeinflusst, den er im direkten Kontext mit Medimax erstellt hat. Insofern werden wir das auch in diesem Fall nicht tun", so Altenhenne. bre

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