Halbjahresbilanz

Deutscher Werberat vermeldet stark gestiegene Kritik an Online-Werbung

Julia Busse ist die Geschäftsführerin des Deutschen Werberates
© Deutscher Werberat
Julia Busse ist die Geschäftsführerin des Deutschen Werberates
Eine Gattung unter Generalverdacht: Im 1. Halbjahr 2017 ist die Kritik der deutschen Bevölkerung an Inhalten von Internetwerbung sprunghaft angestiegen. 57 solche Fälle registrierte der Deutsche Werberat in den ersten sechs Monaten, 54 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (37 Fälle). Insgesamt musste die Selbskontrollinstanz der Werbewirtschaft über 241 kritisierte Werbemaßnahmen entscheiden. Fünf Unternehmen zeigten sich letztlich uneinsichtig und kassierten Öffentliche Rügen.
Mit einem Anteil von 23 Prozent an allen eingangenen Beschwerden belegt die Online-Werbung damit erstmals den ersten Platz unter den kritisierten Mediengattungen, es folgen TV und Out-of-Home. "Es hat den Eindruck, als würde die Internetwerbung gegenwärtig organisiert unter Beobachtung gestellt, um ein Beschwerdeverfahren beim Werberat einleiten zu können. Dies betrifft insbesondere die Rubrik geschlechter-diskriminierende Werbung", sagt Julia Busse, Sprecherin des Werberats. Besorgniserregend ist der Trend aber offenbar nicht: Die Beanstandungsquote der Online-Werbung (32 Prozent) liegt nicht bedeutend höher als der Schnitt über alle Werbemittel hinweg (27 Prozent).

Beschwerdefälle nach Werbemittel im 1. Halbjahr 2017

Quelle: Deutscher Werberat
Insgesamt musste der Werberat in den ersten sechs Monaten über 241 kritisierte Werbemaßnahmen entscheiden (1. Halbjahr 2016: 223 Fälle). In 66 Fällen schloss sich das Gremium der Kritik an und intervenierte. 55 Werbemaßnahmen wurden danach eingestellt und sechs entsprechend der Kritik abgeändert. Nur in fünf Fällen musste der Werberat eine Rüge aussprechen und so öffentlich auf die mangelnde Einsicht der Unternehmen aufmerksam machen. Im Mittelpunkt der Kritik standen erneut Proteste mit dem Vorwurf der Herabwürdigung oder Diskriminierung von Personen, meist Frauen. Sie machten mit 150 Fällen rund 60 Prozent der kritisierten Werbemittel aus. fam

Beschwerden nach Branchen im 1. Halbjahr 2017

Quelle: Deutscher Werberat



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