Fanproteste in der Fußball-Bundesliga

"Es ist unmöglich, es allen recht zu machen"

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DFL-Manager Christian Pfennig
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DFL-Manager Christian Pfennig
In der Fußball-Bundesliga gibt es derzeit viel Missmut zwischen Fans und den Vereinen sowie der DFL als Liga-Organisator. Es geht um Kommerzialisierung, Montagsspiele und die Frage, wem das Spiel eigentlich gehört. Christian Pfennig, Direktor Unternehmens- und Markenkommunikation bei der DFL sowie Mitglied der Geschäftsleitung, findet im HORIZONT-Interview klare Worte für die Situation.
Wirtschaftlich geht es der Bundesliga so gut wie nie. Vor Kurzem konnte die Deutsche Fußball Liga den dreizehnten Umsatzrekord in Folge präsentierenIn der Spielzeit 2016/17 erlöste der deutsche Profifußball insgesamt 4,01 Milliarden Euro, beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verzeichneten alle 18 Clubs der Fußball-Bundesliga ein Plus. Auch die Stadien sind voller als in der Vorsaison: Im Schnitt kamen in der Hinrunde der laufenden Saison 43.429 Fans in die Stadien - der zweitbeste Schnitt seit der Saison 2011/12. Der Bundesliga-Medienpartner Nummer 1 Sky eilt derweil von Quotenrekord zu Quotenrekord.


All das spricht für die Stärke der Marke Bundesliga. Diese stehe für 
"eine einzigartige Fußballkultur, Vereine mit Charakter und eine überragende Atmosphäre mit den meisten Zuschauern in Europa, auch auf Grund von Stehplätzen und bezahlbare Ticketpreise", so Pfennig.  "Die Bundesliga ist nah bei den Menschen – und dafür bekommt sie auch international eine große Anerkennung." Aber auf den Rängen knirscht es. Besonders sichtbar wurde dies zuletzt bei den Fan-Protesten gegen Montagsspiele in Frankfurt und Dortmund. Allein dem Signal-Iduna-Park blieben am 26. Februar tausende Zuschauer fern, viele davon aus Protest. Die DFL hat im derzeit laufenden Medienvertrag festgelegt, dass fünf so genannte Ausweichpartien am Montagabend stattfinden können. Damit sollen die Vereine, die in internationalen Wettbewerben vertreten sind, entlastet und der Amateurfußball geschützt werden, so die offizielle Lesart. Fans werfen der Liga allerdings vor, mit dieser Maßnahme die Medienerlöse steigern zu wollen. Doch um Kommerz gehe es nicht, erklärte die DFL: Die Montagsspiele würden lediglich einen Prozent der nationalen Medienerlöse ausmachen.

„Manchmal werden Ängste jedoch bewusst geschürt, um Stimmung zu machen. “
Christian Pfennig
Die Reibungen seien letztendlich auch ein Ergebnis des Erfolgs, so Pfennig. "Die Bundesliga ist so begehrt, dass die Wünsche, Interessen und Forderungen von unterschiedlichsten Seiten immer größer werden", sagt der DFL-Manager. "Jeder möchte auf der Plattform Bundesliga eine wichtige Rolle spielen: Ob Allesfahrer, Familienblock oder VIP-Tribüne, Sportschau-Gucker oder Sky-Abonnent, ob Sponsoren, ob nationale und internationale Medien-Partner mit und ohne Lizenz oder die Politik. Es ist unmöglich, es allen gleichermaßen recht zu machen."


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Gleichzeitig erkennt Pfennig an, dass es Ängste gebe, diese nehme die DFL auch "sehr ernst". Aber: "Manchmal werden Ängste jedoch bewusst geschürt, um Stimmung zu machen. Aufgabe der DFL, aber auch der Clubs ist es deshalb, mit Fakten und guten Argumenten die Diskussion zu moderieren."

Die DFL hat deshalb vor gut anderthalb Jahren damit begonnen, die Liga deutlich klarer zu positionieren. Aber auch die DFL selbst als Absendermarke wird seit einiger Zeit stärker gepflegt, etwa mit einem eigenen Logo, einer eigenen Website und einem neuen Twitter-Kanal. "Es geht darum zu zeigen, wofür für die DFL steht, wie die Entscheidungsprozesse und -kriterien sind. Die DFL hat gute Argumente, also machen wir sie zugänglich." ire
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