FC St. Pauli verbietet sexistische Werbung

So reagiert Astra auf die neuen Werbe-Regeln am Millerntor

Links erlaubt, rechts verboten - der FC St. Pauli erklärt die neuen Regeln am Beispiel der Astra-Plakate
© FC St. Pauli/Pinkstinks
Links erlaubt, rechts verboten - der FC St. Pauli erklärt die neuen Regeln am Beispiel der Astra-Plakate
Der FC St. Pauli macht gegen sexistische Werbung mobil. Gemeinsam mit dem Verein Pinkstinks hat der Zweitligist einen Flyer veröffentlicht, der die neuen "Regeln für Kommunikation ohne sexistische Kackscheiße" aufstellt. Die Broschüre zeigt einige Negativbeispiele, darunter eine vom Deutschen Werberat gerügte Wiesenhof-Werbung, eine Almdudler-Kampagne und gleich zwei Motive des langjährigen Vereinssponsors Astra. Die Biermarke stelle sich der Diskussion, stimme den Entscheidung aber nicht zwingend auch zu, so ein Sprecher zu HORIZONT Online.
Der FC St. Pauli versteht die Broschüre als Richtlinie für Werbepartner und Sponsoren - aber auch als Selbstverpflichtung. Mit dem Leitfaden legt der Kultclub zudem klare Kriterien fest. Nicht mehr erlaubt ist demnach Werbung, die Menschen als sexuelle Objekte darstellt, in Geschlechterrollen zwängt oder ein geschlechtsbezogenes Über- bzw. Unterordnungsverhältnis visualisiert. "Uns als Verein ist es wichtig, hier noch einmal mit Nachdruck klare und nachvollziehbare Regeln gegen Sexismus im Stadion festgelegt zu haben, die zukünftig für Partner und Sponsoren gelten sollen", sagt Präsident Oke Göttlich.
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© FC St. Pauli/Pinkstinks
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Zu den gezeigten Negativbeispielen gehören Werbemittel von Skyy Wodka, Rewe und Almdudler - sowie gleich zwei Motive der Biermarke Astra, je eines von 2011 und 2017. Pikant ist das vor allem deshalb, weil die Carlsberg-Tochter seit vielen Jahren Sponsor des Vereins ist und seit dieser Saison sogar prominent auf dem Trikotärmel wirbt. Die Marke bewies allerdings Größe: Der Verein habe im Vorfeld um Zustimmung für die Veröffentlichung der Werbemotive gebeten, bestätigt Astra-Sprecher Christoph Boneberg gegenüber HORIZONT Online.
„Es wurden auch schon Männer, Kleinwüchsige oder Transvestiten verarscht - ein Recht, dass unseres Erachtens alle haben. Aber nicht alle Werbemotive, die wir in der Vergangenheit gewählt haben, würden von uns heute noch für eine Kampagne ausgewählt werden. Das liegt dann meist an einem veränderten Zeitgeist.“
Christoph Boneberg, Sprecher Astra
Ob etwas als sexistisch wahrgenommen werde oder nicht, sei meist Interpretationssache und sehr subjektiv, sagt Boneberg. An der Erstellung der Motive seien auf Marken- und Agenturseite immer auch Frauen beteiligt. Generell komme die augenzwinkernde Werbung bei vielen Fans gut an, werde aber teils auch kontrovers besprochen. "Das ist uns bewusst und deshalb haben wir der Nutzung sowie der Einordnung - vermeintlich sexistisch oder nicht - zugestimmt. Das heißt aber nicht, dass wir der getroffenen Entscheidung immer auch zustimmen", so Boneberg.
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Astra kämpft gegen den Web-Wahnsinn

Rebellisch und provokant - dafür ist Werbung der Biermarke Astra Urtyp bekannt wie keine andere ihrer Branche. Auch die neuen Motive stehen den bisherigen Auftritten des Hamburger Kiez-Getränks in nichts nach. Mit dem Auftritt unter dem Motto "Astra bleibt analog!" rebelliert der Bierbrauer diesmal gegen den "Web-Wahnsinn", in dem sich die heutige Gesellschaft befände. "Astra hat ein Herz für alle, dich sich im World-Wide-Web verheddert haben", so die Stammagentur Philipp und Keuntje.

Nach einer Abstimmung mit dem FC St. Pauli und Pinkstinks gebe es derzeit kein konkretes Motiv, das im Stadium ausgetauscht werden müsste - von einer Trendwende in der Kreation könne also nicht die Rede sein, sagt der Astra-Sprecher: "Daher werden wir da auch unserer Agentur (Philipp und Keuntje, Anm. d. Red.) keine Vorgaben machen, die diese in ihrer Kreativität einschränken." Der Filter in der Kreation werde gewissermaßen ganz am Schluss gesetzt, "wenn unsere Ergebnisse über die Richtlinien des Vereins gelegt werden". fam



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