E-Zigarettenhersteller

Be Posh zeigt Katzenbabys und Hundewelpen statt Schockbildern

Be Posh trotzt drohenden Werbeverboten
Be Posh
Be Posh trotzt drohenden Werbeverboten
Der E-Zigarettenhersteller Be Posh bewirbt seine nikotinfreien Liquids mit einem Seitenhieb in Richtung konventioneller Zigarettenmarken: Auf den Packungen für die dampfbaren Flüssigkeiten sind statt Schockbildern geradezu niedliche Motive zu sehen.
Statt einen zerfressenen Kehlkopf oder einen Kindersarg zu zeigen, lächeln auf einer Packung strahlend weiße Zähne den Betrachter an, ein anderes Packaging zeigt ein schlafendes Katzenbaby. Damit will Be Posh die Vorteile seiner nikotinfreien, tabaklosen Liquids hervorheben: Die Haare riechen nicht mehr nach Rauch und auch Küsse schmecken besser. Die Motive erscheinen auf den je auf 99 Packungen limitierten Sorten CAPS Fruity Collection und die CAPS Smooth Collection. Beide sind erstmals nikotinfrei erhältlich. Die Kampagnenidee stammt von der Münchner Agentur Stefan und Lars, die Umsetzung erfolgte inhouse.

E-Zigarette: Be Posh zeigt statt Schockbildern "Happy Pics"


Natürlich hat die Aktion auch einen handfesten geschäftlichen Hintergrund: Am 20 Mai 2017 lief die Übergangsfrist für die im vergangenen Jahr in Kraft getretene EU-Tabakrichtlinie aus. Diese besagt unter anderem, dass Verpackungen von nikotinhaltigen E-Zigaretten künftig Warnhinweise zu möglichen Gesundheitsrisiken enthalten müssen. Zigarettenschachteln ohne diese Warnhinweise dürfen seither nicht mehr verkauft werden.


Seitdem ist die noch erlaubte Out-of-Home-Werbung für Zigarettenhersteller zu einer gestalterischen Herausforderung geworden. Einige Marken behelfen sich etwa dadurch, indem sie ihre Packungen auf Werbemotiven liegend zeigen, wodurch die Schockbilder nicht oder nur teilweise zu sehen sind.

Be Posh nutzt damit natürlich auch aus, dass sich der Gesetzgeber noch nicht auf ein komplettes Tabakwerbeverbot einigen konnte, das sich auch Kino- und Außenwerbung erstrecken und E-Zigaretten beinhalten würde. Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU), dessen Haus die Federführung bei dem Gesetzesvorhaben hat, will noch in dieser Legislaturperiode das Außenwerbeverbot durchsetzen. Der schon im vergangenen Frühjahr vorgelegte Gesetzentwurf wurde immer wieder auf die lange Bank geschoben, weil es innerhalb der Unionsfraktion sowie in Teilen der SPD Widerstand gibt.

Be Posh will mit der Aktion eigenen Angaben zufolge im erlaubten Rahmen seine Produkte und deren Vorzüge bekannter machen: "E-Zigaretten bieten eine attraktive Alternative zu Tabakprodukten und weisen nachweislich deutlich weniger gesundheitsschädliche Substanzen auf als bei der Verbrennung von Tabak entstehen. Hierzu gibt es noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten und wir möchten die Aktion nutzen, um Verbraucher auf die Vorteile gegenüber herkömmlichen Tabakprodukten hinzuweisen", sagt Geschäftsführer Timo Beyer. Die Tabakindustrie hat das politische Hin und Her ausgenutzt und nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa allein zwischen 2014 und 2015 ihre Gesamtwerbeausgaben von 196 Millionen Euro auf mehr als 230 Millionen Euro gesteigert. Zudem bewirbt die Industrie dem Vernehmen nach vermehrt elektronische Zigaretten bei Jugendlichen. ire

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