E-Privacy-Verordnung

OVK befürchtet Umsatzeinbußen von bis zu 500 Millionen Euro

BVDW-Vize Thomas Duhr
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BVDW-Vize Thomas Duhr
Noch ist nicht klar, wann sie kommt. Die im Onlinevermarkter-Kreis im BVDW (OVK) organisierten Online-Vermarkter sind sich aber sicher: Die Auswirkungen der geplanten E-Privacy-Verordnung werden dramatisch: Die Mehrheit der befragten Manager der OVK-Mitgliedshäuser rechnet mit einem Umsatzrisiko von mehr als 30 Prozent im digitalen Werbegeschäft.
In Euros ausgedrückt würde das Umsatzrisiko im Display-Werbemarkt in Deutschland bis zu 500 Millionen Euro netto pro Jahr betragen. Das könnte letztendlich auch Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation in diesem Sektor haben: Nach Einschätzung des OVK besteht durch die E-Privacy-Verordnung ein Risiko für mehr als ein Viertel der Arbeitsplätze in der Digitalen Wirtschaft, so der Verband in der Studie "Digitale Werbung unter der ePrivacy-Verordnung". Dafür wurden nicht nur die OVK-Mitgliedsunternehmen befragt, sondern auch Interviews mit Experten aus den Bereichen Ad-Tech, Programmatic, Data und E-Mail-Marketing durchgeführt. 


Gründe für das hohe Umsatzrisiko sind den Experten zufolge unter anderem Technikschranken, die Webanalyse durch Dritte verhindern und das Kopplungsverbot zwischen Website-Betreiber und Nutzer. Besonders das digitale Werbegeschäft wird demnach leiden. Denn digitale Werbung ist, wenn für jeden einzelnen Cookie die Zustimmung des Nutzers eingeholt werden muss, technisch nur noch sehr eingeschränkt aussteuerbar. In diesem Zusammenhang rechnen die Befragten damit, dass vor allem das datenbasierte Programmatic Advertising durch die E-Privacy-Verordnung stark unter Druck geraten wird. Eine weitere Folge der Verordnung: Die ohnehin schon hohe Marktdominanz von Plattformen wie Google, Facebook und Amazon wird weiter zunehmen, weil diese durch ihre Login-Modelle leichter Zugang zu personenbezogenen Daten bekommen.

"Die Einführung einer E-Privacy-Verordnung in der derzeit diskutierten Version kann in Deutschland signifikanten wirtschaftlichen Schaden in der digitalen Vermarktung und damit auch bei den vermarkteten Digitalangeboten bewirken", sagt Christian Herp, stellvertretender Vorsitzender des OVK im BVDW. "Die inhaltliche Vielfalt bei den digitalen Angeboten ist ernsthaft in Gefahr." BVDW-Vize Thomas Duhr ergänzt: "Die Ergebnisse bestätigen unsere Erwartungen: Die Realisierung einer Verordnung in der aktuell auf EU-Ebene diskutierten Fassung würde jeden vierten Arbeitsplatz in der Digitalen Wirtschaft in Deutschland gefährden. Digitalisierung geht anders."
„Die inhaltliche Vielfalt bei den digitalen Angeboten ist ernsthaft in Gefahr.“
Christian Herp
Zu einer ähnlichen Einschätzung wie der OVK waren bereits der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und die Organisation der Mediaagenturen (OMG) gekommen: Einer VDZ-Umfrage unter Publishern und Vermarktern zufolge werde der wirtschaftliche Schaden für die digitalen Werbeumsätze in Deutschland deutlich über 300 Millionen Euro pro Jahr betragen - Google und Facebook nicht eingerechnet. Die OMG beziffert die möglichen Einbußen für den deutschen Online-Werbemarkt auf durchschnittlich 30 Prozent. ire
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