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Frank Schätzing auf der Bühne beim Deutschen Medienkongress 2018
Getty Images / Alexander Hassenstein
Deutscher Medienkongress

Warum sich Bestsellerautor Frank Schätzing mit den Menschenrechten von KI beschäftigt

Frank Schätzing auf der Bühne beim Deutschen Medienkongress 2018
Ein Äffchen, Donald Trump und ein Auto unter Mordanklage: Die Protagonisten in der Keynote von Frank Schätzing waren so unterhaltsam wie lehrreich. Doch bei allen spannenden Beispielen und Zukunftsvisionen konzentrierte sich der Bestsellerautor auf eine zentrale Frage: Warum leiden Menschen unter Zukunftsangst und wie lassen sich Technologien zur positiven Gestaltung der Zukunft nutzen?
von Santiago Campillo-Lundbeck Mittwoch, 17. Januar 2018
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Mit diesem Thema trifft der Kölner, der seine berufliche Laufbahn in der Agenturbranche begann, ein zentrales Dauerthema der Marketingindustrie. Gefühlt vergeht keine Woche, in der nicht eine neue digitale Plattform als das Kommunikationsformat der Zukunft präsentiert wird. Dem stellt Schätzing die Beobachtung, dass die öffentliche Stimmung derzeit nicht von einer besseren Zukunft, sondern von der Rückkehr in eine schönere Vergangenheit träumt: "Alle wollen nur noch zurück. Der IS will zurück ins Kalifat, Erdogan will zurück ins Sultanat, Trump will zurück ins Protektorat und Großbritannien hätte vermutlich ganz gerne wieder Rhodesien zurück."

Dem stehe gegenüber, dass der evolutionäre Vorteil der Menschheit historisch gesehen immer die Fähigkeit war, von einer besseren Zukunft zu träumen: "Das Äffchen auf dem Baum hatte keine Angst vor den Risiken der Zukunft. Es fürchtete sich eher vor den Gefahren der Gegenwart."

Für Schätzing funktioniert der Kampf um die Zukunft in verschiedenen T-Phasen. Am Anfang steht dabei der Trottel, der von nichts weiß. Es folgt der Träumer, der sich die bessere Zukunft vorstellt, und dann der Technologe, der sie verwirklicht. Seit November 2016 hat Schätzing das T-Modell um ein weiteres T für Trump ergänzt: "Das steht dann für die Rückkehr zum Trottel-Zustand."
„Das Äffchen auf dem Baum hatte keine Angst vor den Risiken der Zukunft. Es fürchtete sich eher vor den Gefahren der Gegenwart.“
Frank Schätzing
Die Sehnsucht nach der Vergangenheit ist für den Autor ein evolutionärer Nebeneffekt der Fähigkeit, sich eine Zukunft zu planen. Denn psychologisch gesehen investiere der Mensch den geringsten Teil seiner mentalen Kapazität in die Analyse der Gegenwart. 80 bis 90 Prozent der Zeit denke er über seine Zukunft oder Vergangenheit nach. Sobald der Blick nur noch permanent zurück gerichtet ist, werde es problematisch: "Denn der einzige Anker auf dem Weg in die Zukunft ist ihr Gestaltungswille in der Gegenwart."

Dass die zu lösenden Fragen dabei immer komplexer werden dürften, illustrierte der Autor am Beispiel einiger selbst erfundener Schlagzeile aus dem Jahr 2030. Hier gab der fiktive Fall eines selbstfahrenden Autos, das unter Mordanklage stand, weil es seinen Passagier tötete, einen Vorgeschmack auf Schätzings neues Buch, das im April veröffentlicht wird und Künstliche Intelligenz thematisiert.

Wie soll man eine Technologie beurteilen, die den Menschen ungeahnte neue Möglichkeiten eröffnet, aber gleichzeitig auch nicht komplett zu kontrollieren ist? Denn sobald es gelingt, eine allgemeine Künstliche Intelligenz zu programmieren, die assoziativ denken kann, sei sie auch in der Lage selbstständig Entscheidungen zu treffen und Meinungen zu bilden. Schätzing: "Damit stellt sich die Frage: Ab wann beginnt diese Maschine zu leben? Und ein Lebewesen hat Rechte, kann aber auch Schuld auf sich laden."

Ein solches Szenario scheint in einer Gegenwart, in der KI vor allem noch mit der richtigen Aussteuerung von Werbeplatzierungen beschäftigt ist, weit hergeholt zu sein. Dass die KI aber schon deutlich vor diesem von Schätzing beschriebenem Entwicklungsgrad nachhaltigen Einfluss auf den menschlichen Alltag nehmen wird, zeigte eine andere der Schlagzeilen aus dem Jahr 2030 - der Gesetzesvorlage, dass Hochversicherte sich ein intelligentes Badezimmer zulegen müssen, das permanent alle medizinischen Werte überwacht und der Krankenvesicherung meldet. Diese Nachricht hatte Schätzing nicht einfach erfunden: Eine derartige Gesetzesvorlage wurde in den USA schon vor sieben Jahren dem Repräsentatenhaus übergeben - bis jetzt ohne Erfolg. Noch. cam

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