Deutsche Post DHL

Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes muss gehen

Jürgen Gerdes muss die Deutsche Post DHL Group verlassen
Deutsche Post
Jürgen Gerdes muss die Deutsche Post DHL Group verlassen
Es hat sich abgezeichnet: Die Deutsche Post DHL Group und Vorstand Jürgen Gerdes trennen sich. Der langjährige Chef der Kernsparte PeP (Postbriefe, E-Commerce, Pakete) muss die Verantwortung für die Verluste in dem Geschäftszweig übernehmen.
Es ist ein rasanter Absturz. Gestern noch ein Star und ab Monatsende ohne Job. Jürgen Gerdes, Vorstand für Corporate Incubations und langjähriger Chef der Sparte Postbriefe, E-Commerce, Pakete, verlässt das Unternehmen zum 30. Juni und legt heute sein Amt nieder. Das teilte die Deutsche Post DHL Group am Abend mit. Bereits gestern hatte das Manager Magazin über den bevorstehenden Abgang berichtet.

Für den erfolgsverwöhnten Manager, der über 30 Jahre für den Bonner Konzern gearbeitet hatte, ist das eine brutale Bauchlandung. Seine Karriere verlief wie aus dem Lehrbuch. 1984 der Start im Unternehmen, 1999 Bereichsvorstand Brief Deutschland, ab 2007 Mitglied des Vorstands. Möglicher Kronpinz für das Amt des Vorstandsvorsitzenden.

Die Post war bis heute sein berufliches Leben, seine Leidenschaft. Davon zeugen auch die öffentlichen Auszeichnungen. Im Spätjahr 2017 hatte ihm die HHL Leipzig Graduate School of Management beispielsweise die Ehrendoktorwürde verliehen. Anfang des Jahres war der 53-Jährige als HORIZONT-Mann des Jahres ausgezeichnet worden. Ende Mai hatte er noch eine neue Fabrik für den Streetscooter, sein Lieblingsprojekt in den vergangenen Monaten, eröffnet und über einen möglichen Börsengang gesprochen. Gleichwohl hatten bereits im April viele gerätselt, warum die Post für Gerdes den neuen Vorstandsposten Corporate Incubations geschaffen hatte. Seit ein paar Tagen ahnt man, warum. Es war der Anfang vom Ende seiner Postkarriere.

Offiziell trennt man sich im besten gegenseitigen Einvernehmen. Man habe unterschiedliche Auffassungen über die strategische Schwerpunktsetzung des Unternehmens, heisst es in der Erklärung. Es gibt lobende Worte für "kundenorientierte Innovationen" und eine erfolgreiche Internationalisierung. "Er hat über viele Jahre maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg der Gruppe beigetragen", heißt es in der Erklärung.

Gleichwohl muss er mit seinem Abgang die Verantwortung für die Verluste in der Kernsparte PeP (Postbriefe, E-Commerce, Pakete) übernehmen, die er bis April verantwortet hatte und die nun von Konzernchef Frank Appel geführt wird. Der Bereich muss saniert werden, wie die Post am vergangenen Freitag kommuniziert hatte. Statt wie geplant rund 1,5 Milliarden Euro Betriebsergebnis in diesem Jahr zu erzielen, wird man vermutlich nur auf 600 Millionen Euro kommen. Das führt auch dazu, dass das Gesamtergebnis des Konzerns nach den derzeitigen Prognosen bei 3,2 Milliarden Euro liegen wird und nicht wie geplant bei 4,15 Milliarden Euro.

Mit dem Ausscheiden von Gerdes werden im Vorstand die Zuständigkeiten neu geregelt. Die Verantwortung für das Vorstandsressort Corporate Incubations und damit auch für den Streetscooter übernimmt Thomas Ogilvie zusätzlich zu seinem Mandat als Personalvorstand und Arbeitsdirektors des Bonner Konzerns. mir

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