Claus Hipp im Interview "Die Verbraucher haben kein Problem, sich an ein neues Gesicht zu gewöhnen"

Freitag, 23. Februar 2018
Claus Hipp steht seit 1967 an der Spitze der Firma Hipp - seit 1991 wirbt er für seine Marke im TV
Claus Hipp steht seit 1967 an der Spitze der Firma Hipp - seit 1991 wirbt er für seine Marke im TV
© Hipp
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Claus Hipp Generationswechsel Nikolaus Hipp


Unternehmerlegende, Ex-Stuntman, Werbebotschafter, dazu erfolgreicher Künstler und Hochschuldozent - Claus Hipp hat viele Facetten. Durch seine Auftritte in der TV-Werbung des Babynahrungsherstellers ist er selbst zu einer Marke geworden. Im HORIZONT-Interview spricht der 79-Jährige über seine persönliche Verantwortung, den Generationswechsel bei der Firma Hipp und ein mögliches Werbecomeback.

Herr Hipp, ich möchte gerne mit Ihnen über Marken sprechen. Durch Ihre Auftritte in der Fernsehwerbung sind Sie selbst zu einer geworden. Wie kam es dazu? Das war damals die Idee der Werbeleute, vor über 20 Jahren. Anfangs habe ich mich ein bisschen dagegen gesträubt, aber mich dann doch überzeugen lassen - davon, dass es richtig ist, persönlich für die Marke zu haften und unsere Botschaft den Verbrauchern persönlich zu vermitteln.

Claus Hipp: Unternehmer, Maler, Stuntman

Der Draufgänger früherer Jahre ist Claus Hipp naturgemäß nicht mehr - in den 1950ern und frühen 1960ern doubelte der heute 79-Jährige die deutsche Schauspielprominenz, etwa Curd Jürgens im Film "Gustav Adolfs Page". Doch das ist nur eine Sequenz in einem bewegten Leben, auf das Hipp heute dankbar zurückblickt. 1964 stieg der promovierte Jurist in den elterlichen Betrieb ein, 1967 rutschte er nach dem plötzlichen Tod des Vaters in die Verantwortung. Wie kaum ein anderer Unternehmer verkörpert Hipp seitdem die Werte Qualität, Beständigkeit und Nachhaltigkeit. Parallel arbeitete Hipp an seiner Künstlerkarriere. Unter seinem Geburtsnamen Nikolaus Hipp stellt er seine abstrakten Bilder regelmäßig aus. Seine künstlerische Ausbildung absolvierte Hipp von 1959 bis 1970 an der Münchner Kunstschule. Später dozierte er selbst, ist seit 2001 ordentlicher Professor an der Staatlichen Kunstakademie in Tiflis, Georgien, sowie Lehrbeauftragter an der Kunstakademie Bad Reichenhall und der Uni Eichstätt-Ingolstadt. Bei der Hipp Gruppe ist der knapp 80-Jährige geschäftsführender Gesellschafter. Das Operative hat er aber an seine Söhne Stefan und Sebastian abgegeben.
Heute sind Sie so sehr mit Ihrer Marke verbunden wie kein anderer Unternehmer in Deutschland. Ist das eher ein Vorteil oder eine Gefahr? Wenn wie in unserem Fall Familienname und Markenname identisch sind, ist das ein großer Vorteil. Und diesen Vorteil haben wir uns zunutze gemacht.

Die Risiken, die damit verbunden sind, muss man natürlich in Kauf nehmen. Zum Beispiel, dass Sie wortwörtlich mit Ihrem Namen für die Marke haften. Wie werden Sie dieser großen Verantwortung gerecht? Unabhängig von meiner Person ist Verantwortung sowieso wichtig für Hipp. Es ist für uns eine  Selbstverständlichkeit, dass wir Verantwortung tragen. Und das sprechen wir auch dem Verbraucher  gegenüber aus. Die Menschen, die bei uns Verantwortung tragen, sind nicht so schnell auswechselbar, sondern bleiben für gewöhnlich eine längere Zeit - bei mir sind es schon über 50 Jahre.
Haribo Gottschalk und Riegel
© Haribo

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Ihr Sohn Stefan, im Unternehmen zuständig für Marketing, Vertrieb und Einkauf, stand schon 2011 im TV-Spot mit Ihnen Seite an Seite. 2017 trat er erstmals alleine auf - kehren Sie noch einmal vor die Kamera zurück? Wenn ich gebraucht werde, dann bin ich da. Und wenn ich nicht gebraucht werde, dann dränge ich mich nicht auf. Ein jüngeres Image tut uns ganz gut - ich bin eben doch die Großelterngeneration und die Mütter heute sind wesentlich jünger. Mit einem jüngeren Menschen sind sie besser ansprechbar als mit einem alten, das ist ganz natürlich. Laut Umfragen kommt mein Sohn im Fernsehen übrigens sehr gut an und die Verbraucher haben kein Problem damit, sich an ein neues Gesicht zu gewöhnen.

Das Unternehmen

Gegründet 1932 im oberbayerischen Pfaffenhofen, ist die Hipp Gruppe (Umsatz 2016: 950 Millionen Euro) heute deutscher Marktführer bei der Babynahrung. Derzeit vertreibt Hipp über 300 Artikel, darunter Getränke, Pflegeprodukte und Sportlernahrung. Hipp beschäftigt weltweit rund 3500 Mitarbeiter. Der Auslandsabsatz macht etwa 50 Prozent des Umsatzes aus.
Sie machen inzwischen die Hälfte Ihres Umsatzes im Ausland. Stehen Sie dort ebenso für die Marke ein wie im Heimatmarkt? Auch im Ausland bin ich in der Werbung aufgetreten, habe schon sehr viele Werbespots in vielen fremden Sprachen gesprochen. Ungarisch, Georgisch, Russisch, Finnisch - letztere war die schwierigste für mich.
„Dass ich mich als Marke in politischer Hinsicht profilieren muss, bezweifle ich. Ich möchte Produkte haben, die Mitglieder jeder Partei kaufen können - denn alle Kinder sollen gesund ernährt werden.“
Claus Hipp
Unter seinem Geburtsnamen Nikolaus Hipp stellt der 79-Jährige seine Kunst aus
Unter seinem Geburtsnamen Nikolaus Hipp stellt der 79-Jährige seine Kunst aus (© Alexandra Gerrard)
Hipp gilt als eine identitätsstiftende Marke mit einer starken Überzeugung. Wie wichtig ist es, dass eine Marke für etwas steht? Alles was eine Marke bewegen kann, ist gut für sie. Das macht sie gewichtiger. Denn jede Marke braucht Alleinstellungsmerkmale gegenüber der Konkurrenz. Bei uns sind das seit langer Zeit der biologische Landbau, das Eintreten für den Schutz der Artenvielfalt und für Nachhaltigkeit sowie langfristiges Denken. Wir handeln immer nach der eigenen Überzeugung und bringen das auch zum Ausdruck. Aber es sind keine Marketinggründe, die uns zu diesem Handeln veranlassen.
Stefan Hipp in der Werbung
© Hipp Holding

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Hat die Konkurrenz Ihre früheren Alleinstellungsmerkmale nicht inzwischen auch übernommen? Heute machen viele in Bio. Das Original ist immer besser als die Kopie. Was wir herausstellen können und unsere Wettbewerber eben nicht, das ist die Verbindung von Familie und Marke; von Familie und Verantwortung. Und das ist Vertrauen schaffend. Gerade bei einem Produkt wie Babynahrung ist das Vertrauen von ganz hoher Bedeutung.

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In unruhigen Zeiten wird nicht selten der Ruf laut nach Marken, die politisch ihre Stimme erheben, gesellschaftlich Verantwortung übernehmen. Glauben Sie, dass das der richtige Weg ist? Dass ich mich als Marke in politischer Hinsicht profilieren muss, bezweifle ich. Ich möchte Produkte haben, die Mitglieder jeder Partei kaufen können - denn alle Kinder sollen gesund ernährt werden. Aber wenn ich gefragt werde, nehme ich natürlich schon Stellung zu Dingen und habe auch eine eigene Meinung. Als Person, nicht als Marke. Interview: Fabian Müller

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