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In der Kinobranche ist 2018 die Zeit reif für Innovationen und Experimente
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Branchenüberblick

Bei der Kinowirtschaft stehen 2018 Innovationen im Schlaglicht

In der Kinobranche ist 2018 die Zeit reif für Innovationen und Experimente
Im Kinojahr 2018 fehlen auf den ersten Blick die ganz großen Titel - stattdessen stehen Experimente mit neuen Technologien und Vermarktungschancen im Fokus. HORIZONT Online richtet die Scheinwerfer auf eine Branche, deren Vermarkter sich weitgehend unabhängig gemacht haben von den volatilen Besucherzahlen - und dennoch in diesem Jahr auf einen Film besonders schauen.
von Fabian Müller, Mittwoch, 07. Februar 2018
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Die Rede ist von "Solo: A Star Wars Story". Disneys Sternenkrieger-Spin-off kommt Ende Mai in die Kinos, ein halbes Jahr nach Episode acht der regulären Filmreihe und nur zweieinhalb Wochen vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Ein spannender Versuch, der nach hinten losgehen kann. Den wichtigsten Blockbuster des Jahres im Frühsommer und nicht zu Weihnachten starten zu lassen, noch dazu im WM-Jahr - ein viel diskutiertes Thema bei der Münchner Filmwoche, zu der sich Verleiher, Kinobetreiber und Vermarkter Mitte Januar zusammenfanden.

Das Star-Wars-Spinoff startet bereits am 24. Mai 2018
Das Star-Wars-Spinoff startet bereits am 24. Mai 2018 (© Disney)
Ohnehin werden die Disney-Pläne stets mit Argusaugen beäugt. Ist der Verleiher doch hierzulande Branchenführer, mit nur acht Neustarts generierte der US-Konzern 192,9 Millionen Umsatz. Zum Vergleich: Universal (20 Neustarts) und Warner Bros (31 Neustarts) setzten 37 beziehungsweise 64 Millionen Euro weniger um. Auch Stefan Kuhlow, CEO des Kinovermarkters Werbe Weischer, ist "sehr gespannt", wie das Star-Wars-Spin-off läuft - auf seinen grundsätzlichen Optimismus hat das Abschneiden des Blockbusters aber keinen Einfluss.

Die vergangenen Jahre hätten bereits gezeigt, dass die Werbeumsätze nicht mehr so stark von den Besucherzahlen abhängig seien wie früher. 2017 wuchs die Gattung um 7,8 Prozent brutto - auch wenn der Gesamtumsatz der Kinobranche knapp unter der erhofften Milliarden-Marke blieb. Viele große Werbekunden haben Kino fest in ihrem Mediaplan verankert, auch dieses Jahr werden Big Spender wie Ferrero und Aldi wieder im Kino werben. Auch, wenn die Prognose in puncto Besucherzahlen sehr schwer fällt: "Die Einschätzungen gehen in diesem Jahr sehr weit auseinander", bestätigt Kuhlow. Das eröffnet Raum für neue Experimente, die der Gattung den weiteren Weg ebnen sollen. Zu Beginn des Winters startete Werbe Weischer deshalb Tests mit der populären Audio-Erkennungs-App Shazam. In sogenannten Innovationskinos laufen Versuche mit Gratis-WLAN im Foyer. Und in etwas fernerer Zukunft soll im Kino sogar Pre-Targeting möglich werden - dank intelligenter Kassensysteme, die auf Basis von Loyalitätsprogammen Besucherdaten analysieren und die ausgespielte Werbung für das Publikum optimieren. Gemeinsam mit der Tochterfirma Nqyer Media experimentiert Weischer in Berlin außerdem mit dem Trendthema Virtual Reality. Ein Gehversuch, das traditionelle Kinoerlebnis mit Interaktivität zu kombinieren. Und definitiv ein interessantes Feld für das Medium, sagt Kuhlow: "Die große Frage lautet, ob VR tatsächlich ein Thema für den großen Saal ist oder doch eher für das Foyer." Die Technik habe jedenfalls ein vergleichbares Potenzial wie vor einigen Jahren der Run auf die ersten 3D-Filme. fam



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