Beate Uhse

Warum der Erotik-Pionier Insolvenzantrag stellt

Beate-Uhse-CEO Michael Specht
© Beate Uhse
Beate-Uhse-CEO Michael Specht
Der Erotikhändler Beate Uhse will Insolvenz beantragen. CEO Michael Specht habe sich zu diesem Schritt entschlossen, "um die Sanierung der gesamten Gruppe in Eigenverwaltung nachhaltig umzusetzen", wie die Beate Uhse AG mitteilt. Die Insolvenzanmeldung betreffe ausschließlich die AG in ihrer Funktion als Holding, für die Tochtergesellschaften werde keine Insolvenz beantragt. Bei den Erklärungen für den Schritt zeigt sich das Unternehmen selbstkritisch.

So habe Beate Uhse in den vergangenen Jahren "unter zahlreichen Managementwechseln und strategischen Fehlentscheidungen gelitten", heißt es in der Mitteilung. Zu diesen Fehlentscheidungen habe etwa der zögerliche Ausbau des Online-Handels gehört. In der Zwischenzeit traten neue Player wie Amorelie und Eis.de auf den Plan und boten Sex-Spielzeuge und andere Erotik-Artikel zum Onlineversand an. Zudem habe man es versäumt, für eine konsistente Verzahnung von On- und Offline zu sorgen. Hinzu sei eine Produktpolitik gekommen, die "nicht strategisch, sondern zufällig und reaktiv" gewesen sei. Dadurch habe Beate Uhse in Deutschland signifikant Marktanteile verloren, während zum Beispiel in Frankreich noch Marktführer sei.



Hintergrund des Insolvenzantrags sind der Nachrichtenagentur dpa zufolge gescheiterte Bemühungen, eine Umschuldung im Zusammenhang mit einer Anleihe im Volumen von 30 Millionen Euro zu erreichen. Dabei habe keine Einigung mit den Gläubigern erzielt werden können. Daher habe die Zahlungsunfähigkeit der Beate Uhse AG gedroht.

Mit Blick auf das angestrebte Insolvenzverfahren sagt Specht: "Wir haben damit einen Weg eingeschlagen, bei dem wir sehr zuversichtlich sind, die Unternehmensgruppe als Ganzes sanieren zu können." Die Anleihe hätte im Sommer 2019 zurückgezahlt werden müssen und ist mit 7,75 Prozent hochverzinst.
Erst in diesem Sommer hatte Beate Uhse versucht, mit einer Markenkampagne dem Negativtrend entgegenzuwirken. Die Kampagne "Be you" sollte die Marke verjüngen und gleichzeitig eine Hommage an die Unternehmensgründerin sein (Kreation: Snook, Frankfurt). Beate Uhse hatte die Erotik-Marke 1946 gegründet und gilt als Vorkämpferin für Aufklärung und sexuelle Selbstbestimmung.


Dass Beate Uhse in größeren Schwierigkeiten steckt, war zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt. Das Unternehmen hatte zum Beispiel wiederholt die Vorlage des Geschäftsberichts für das Jahr 2016 verschoben. Trotzdem gibt sich Beate Uhse kämpferisch: Für den Onlinehandel, das Filialgeschäft und die Hauptproduktbereiche Toys und Lingerie gebe es "detaillierte Aktionspläne", heißt es. Deren Umsetzung werde nun durch die Insolvenz in Eigenverwaltung ermöglicht. ire

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