50 Prozent weniger Neuplastik bis 2025

Der Anti-Kunststoff-Plan von Unilever

Unilever will Plastikmüll den Kampf ansagen
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Unilever will Plastikmüll den Kampf ansagen
Unilever hat ambitionierte Ziele in Sachen Nachhaltigkeit: Der Konsumgüterriese (u.a. Dove, Ben & Jerry’s, Lipton) will den Neuplastik-Anteil bei den Verpackungen seiner Produkte bis zum Jahr 2025 halbieren. Dabei setzt das Unternehmen auf einen Mix aus komplett plastikfreien Verpackungen sowie Recycling-Plastik.
Bislang verwendet Unilever für die Verpackung seiner Produkte weltweit 700.000 Tonnen Kunststoff im Jahr. Der niederländisch-britische Konzern hat damit zum globalen Plastikmüll-Problem ein nicht unwesentliches Scherflein beigetragen. Das soll nun anders werden: Der Anteil von Neuplastik soll über die kommenden sechs Jahre auf 350.000 Tonnen gedrückt werden.


Dabei ergreift der Konzern zwei Maßnahmen: Zum einen will Unilever wiederbefüllbare oder wiederverwertbare Verpackungen sowie Produkte, die ganz ohne (Kunststoff-)Verpackungen auskommen, einführen. Allein auf diese Weise sollen 100.000 Tonnen Neuplastik eingespart werden. Zum anderen soll verstärkt Post-Consumer-Rezyklat (PCR) eingesetzt werden. Dabei handelt es sich also recyceltes Plastik aus Kunststoffabfällen, die bei den Endverbrauchern zuhause und in Büros anfallen.

Darüber hinaus will Unilever künftig mehr Plastik der Kreislaufwiretschaft zuführen als es verkauft. Abzüglich der 100.000 Tonnen, die durch den Komplett-Verzicht auf Plastik eingespart werden sollen, muss Unilever bis 2025 also jährlich rund 600.000 Tonnen Plastik einsammeln und aufbereiten.
Besonders das Thema Plastikaufbereitung ist heikel. Denn bislang scheint Recycling trotz des erhöhten Bewusstseins bei Industrie und Verbrauchern nicht das ganz große Erfolgsmodell zu sein. Von 5,2 Millionen Tonnen Kunststoffabfall, die 2017 in Deutschland angefallen sind, wurden laut "Plastikatlas" des BUND gerade einmal 15,6 Prozent wiederverwertet. "
Die Deutschen wären gern Recycling-Weltmeister. Das ist aber Wunschdenken", so das Fazit der Umweltorganisation. 


Woran liegt das? "Der niedrige Preis für Neukunststoff und das teure Sortieren und Aufarbeiten von gebrauchtem Kunststoff habe in Europa dazu geführt, dass ein Großteil des Plastikmülls nach Übersee verschifft werde", schrieb das Manager Magazin kürzlich. Auch in Verbrennungsöfen lande ein Gutteil des Plastikmülls.
Was Unilever bis 2025 vor hat
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Was Unilever bis 2025 vor hat
Bei Unilever ist man von dem eingeschlagenen Weg allerdings überzeugt: Bereits jetzt bestehen etwa die Flaschen der Dove Shampoos und Spülungen Unternehmensangaben zufolge zu 50 Prozent aus PCR, bei Pflegeduschen und Bodylotions beträgt der PCR-Anteil ebenfalls mindestens 50 Prozent.

"Plastik hat seinen Platz, doch dieser Platz ist nicht die Umwelt", so CEO Alan Jope. "Wir können nur die Plastikabfälle reduzieren, indem wir schnell handeln und radikale Maßnahmen ergreifen, die den gesamten Anwendungszyklus des Plastiks betreffen." Der dafür nötige Umdenkprozess sowie die erforderlichen Innovationen müssten "mit einer noch nie gesehenen Geschwindigkeit und Intensität", erfolgen.
„Plastik hat seinen Platz, doch dieser Platz ist nicht die Umwelt.“
Alan Jope, CEO Unilever
Bereits im Januar 2017 hatte Unilever das Ziel ausgegeben, dass bis 2025 100 Prozent der Kunststoffverpackungen wiederverwendbar, recyclingfähig oder kompostierbar sein müssen. Seitdem heißt die hausinterne Devise "Less/Better/No", also weniger Plastik, besseres Plastik oder gleich gar kein Plastik.

Damit fährt das Unternehmen offenbar gut: Neue Marken, die von Beginn an auf Nachhaltigkeit getrimmt sind, performen bei Unilever Unternehmensangaben zufolge wesentlich besser als traditionelle Produkte. Im Jahr 2017 wuchsen die so genannten nachhaltigen Living Brands 46 Prozent schneller als der Rest des Unilever-Geschäfts und lieferten 70 Prozent des Umsatzwachstums. ire
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