Über Kampagnen für Werbeagenturen

Kreative Chance für Scholz & Friends!

Donnerstag, 04. September 2014
Was eine Werbeagentur wirklich imstande ist zu leisten, das zeigt sich am besten in einer Kampagne, bei der Agentur und Kunde identisch sind!

Alle Werbeagenturen wollen gewinnen. Die einen Marktanteile für ihre Kunden, die anderen Preise bei Werbewettbewerben. Zum Beispiel Nägel vom ADC. Oder Löwen in Cannes. Oder Primeltöpfe sonstwo. Mit solchen Preisen wird Kreativität ausgezeichnet, die angeblich den Marktwert einer Agentur bestimmt. Allerdings gibt es dabei für die kreativen Werbejünger eine Barriere zu überwinden, nämlich: Jede Werbeagentur kann nur so kreativ sein, wie der Kunde es zulässt und bezahlt. Weshalb viele Agenturen denn auch parallel zu ihrer eigentlichen Arbeit für soziale Organisationen kreationanieren, wo es zwar kein Geld zu verdienen gibt, wohl aber gute Chancen bestehen, Preise zu gewinnen.



Scholz & Friends spielt in der Kreativ-Liga der Werbeagenturen eifrig mit. Und hat jetzt eine einmalige Chance, und zwar eine Kampagne zu machen, bei der Kunde & Agentur identisch sind. Das klingt merkwürdig, weshalb der Spießer es Euch im folgenden Wortlaut erläutert.
Hamburger wollen Scholz & Friends nicht!
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Hamburger wollen Scholz & Friends nicht!
Der "Bild"-Zeitung war zu entnehmen, dass im vornehmen Hamburger Stadtteil Ottensen ein "Büroklotz" entstehen soll. Dazu berichtet das Blatt vom Boulevard: "Und wer zieht ein? 850 Mitarbeiter der britischen Firma WPP - der größten Werbeagentur der Welt!" Und zu WPP gehört auch Scholz & Friends. Weshalb eine Initiative gegen den Bau des Bürohauses ein neues Straßenschild präsentiert, nämlich "Scholz & Friendsallee", wo heute noch die Friedensallee ist.

So weit, so gut. Oder schlecht - je nachdem, aus welchem Blickwinkel man es betrachtet. Der Spießer jedenfalls sieht hier eine einmalige Chance für die Kreativen von Scholz & Friends, nämlich eine Kampagne in Hamburg-Ottensen zu starten, um die renitenten Bürger dort zu überzeugen, dass die Ansiedlung der Werbeagentur etwas ganz Tolles für den noblen Stadtteil bedeutet. Und wie lautet doch die bekannte Werberegel Nummer 126? Sie lautet: "Wahre Kreativität beginnt dort, wo der Rezipient 'nein' sagt!"


Fürs Eigen-Briefing: Werber sind ganz fantastische Menschen, die etwas Besonderes in unserer Gesellschaft darstellen und eine echte Bereicherung eines jeden Stadtteils sind. Diese coolen Typen werden das Stadtbild von Ottensen beleben, genauso wie die Geschäfte und Restaurants in der näheren Umgebung. Und die größte Werbeagentur der Welt ist ein echter Benefit für jeden Stadtteil der Welt!

Außerdem könnte man Vorschläge machen, wie der sogenannte "Büroklotz" von außen verschönert werden kann - wobei die Kunstdirektoren von Scholz & Friends selber Hand anlegen können, so wie deren Kollegen Antoni Gaudí und Friedensreich Hundertwasser es bereits vorgemacht haben, um klotzige Architektur aufzuhübschen.

Diese Kampagne könnte Scholz & Friends dann einreichen zu allen Werbewettbewerben weltweit! Und damit Preise gewinnen noch und nöcher.

Einen kleinen Haken kann es dabei allerdings geben. Und zwar dann, wenn die Gold-Idee zwar traumhaft ist, sich aber in der eigentlichen Zielsetzung als wirkungslos gezeigt hat, und die größte Werbeagentur der Welt hernach womöglich nach Rothenburgsort ziehen muss, dem ärmsten Stadtteil in der reichen und Hansestadt Hamburg.

Vom Absender www.mein-haus-kriegt-kupfer.de sehen wir ein Inserat. Und im Bilde dieses Inserates erkennen wir einen kleinen Hund, der scheinbar ein Sofa zerpflückt hat. Und der Bezug war offensichtlich nicht aus Kupfer.
Auf den Hund gekommen!
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Auf den Hund gekommen!
"Was auch passiert, auf Kupfer ist Verlass", lautet die Headline. Und der Fließtext beginnt mit dem Hinweis: "Wer zum Beispiel Heizungsrohre aus Kupfer installiert, hat garantiert eine Sorge weniger." Warum? Weil Hunde die Kupferrohre nicht auseinandernehmen? Der Texter erklärt: "Denn Leitungen aus Kupfer sind feuerfest, energieeffizient und halten länger als ein Leben lang."

Apropos: Auch Werber, die auf einer Kupferleitung stehen, kommen zuweilen auf den Hund. Nämlich dann, wenn sie Kupfer in ihren Werbewerken veröffentlichen.

Es gibt eine neue Lust, liebe Lesergemeinde, und das ist "Die neue Lust auf Qualität" - siehe die Annonce von Rohleder!

Im Kleingedruckten erfahren wir dazu: "Ein großer Anspruch feiert sein Comeback: der unbedingte Wunsch nach Qualität."
Die neue Lust - aua!
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Die neue Lust - aua!
Ist das nicht ein traumhaft schöner Satz? Und so universell zu verwenden, dass er für jedes Produkt und jede Dienstleistung zutrifft. Ein Comeback der Reklame in neuer Lust mit Qualität! "Sie werden dies zu schätzen wissen", beendet der Textdichter seinen Lobgesang. Lobgesang worauf? Auf Hitex-Möbelbezugsstoffe.

Häufig sehen wirWerbung, wo es dem Fass den Boden ausschlägt. Manchmal ist es aber auch eine Flasche, der der Boden ausgeschlagen wird - siehe zum Beispiel die Anzeige von Karlsberg Urpils!

"Wem das nicht schmeckt, der trägt auch sein Handy am Gürtel", lautet die versale Headline. Und die Gestalter bekommen für ihren Geschmack kein Gehalt, sondern Flaschenpfand.
Das haut der Flasche den Boden aus: Nicht für Handy-am-Gürtel-Träger!
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Das haut der Flasche den Boden aus: Nicht für Handy-am-Gürtel-Träger!
Wenn wir maldrei klassische Werbeträger, nämlich Print, Funk und TV, nebeneinander betrachten, dann unterscheiden diese sich durch folgende Merkmale: Print bringt Bild und Text, ist aber stumm. Funk bringt Text per Ton und Musik, doch das Bild entsteht im Kopf des Hörers - oder auch nicht. Und TV? TV bringt bewegte Bilder und Musik und Texte in Bild und Ton.

Nun gibt es aber Werber, die schalten TV-Spots, bei denen sie nur Bilder und Musik bringen und den Text ohne Ton. Zum Beispiel für H&M: Da werden Kinder mit Klamotten und Preisen gezeigt und musikalisch untermalt. Und der Gebührenzahler, wenn er denn gerade in die Röhre blickt, denkt an C&A, an Benetton, Lidl oder an Kik. Vielleicht auch an H&M. Und am Ende kann er dann tatsächlich H&M lesen, wenn er denn hinguckt, wozu ihn aber niemand bewegt hat.
Ein TV-Spot aus Zeiten des Stummfilms. Immerhin: Er wurde in Farbe gedreht!
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Ein TV-Spot aus Zeiten des Stummfilms. Immerhin: Er wurde in Farbe gedreht!
Den Werbern war es offensichtlich zu peinlich, "H&M" auszusprechen und vielleicht sogar noch etwas Positives zu dieser Marke zu sagen. Oder ist ihnen dazu absolut nichts eingefallen ...?

Früher, in Zeiten des Stummfilms, als die Werbung noch Reklame hieß, da konnte man Ähnliches im Kino erleben: Der Film flimmerte ohne gesprochenes Wort auf der Leinwand, schwarz-weiß mit eingeblendeten Texten und untermalt von den Klängen eines Klavierspielers.

Immerhin: H&M hat seinen Spot in Farbe produzieren lassen. Was ja auch schon ein großer Fortschritt ist.

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