Special

Disruptive Veränderungen zwingen zu klaren Entscheidungen
Fotolia
+Kleine Polemik zum Status quo des Marketings

Die Disruption der Disruption

Disruptive Veränderungen zwingen zu klaren Entscheidungen
Das Marketing hält sich viel zugute auf seinen Mut und seine Innovationsfreude, folgt aber seit zehn Jahren unbeirrt den immer gleichen Glaubenssätzen aus Big Data Valley. Dabei ist man doch angeblich so gierig darauf, sich ständig "neu zu erfinden". Höchste Zeit also, mal ein paar Gewissheiten ein bisschen infrage zu stellen.
von Jürgen Scharrer Sonntag, 10. Oktober 2021
Alle Artikel dieses Specials
X

Was hat das Silicon Valley erreicht – mal abgesehen davon, die nach Börsenkapitalisierung wertvollsten Unternehmen hervorgebracht zu haben, die dieser Planet jemals gesehen hat? Es hat, und das ist mehr als eine Randnotiz in der Geschichte, die Deutungshoheit im Spätkapitalismus erlangt.

Was ist das wirklich Disruptive an Unternehmen wie Uber und all den Lieferdiensten, die dem Manager Magazin wilde Hauen-und-Stechen-Geschichten in Serie liefern? Die Erfindungs- und Innovationstiefe ist es eher nicht, die ist abgesehen von ein paar digitalen Kinkerlitzchen (It’s all about Apps) meist überschaubar. Das wirklich Disruptive ist die Neugestaltung der Wertschöpfungskette: weniger Geld für Werktätige (Kurierfahrer, Taxifahrer, Händler, Gastronomen) und Gesellschaft (Steuern und Sozialversicherungsbeiträge), mehr für Plattformbetreiber und ihre Investoren.


Marshall McLuhan wurde im vergangenen Jahrhundert zu Recht berühmt mit seiner "The Medium is the Message"-Theorie, die besagt, dass es nicht allein die Inhalte sind, die die Welt verändern, sondern auch die Technologien, mit denen Inhalte transportiert werden – eine Welt mit Fernsehen unterscheidet sich substanziell von einer Welt ohne Fernsehen (und erzeugt natürlich auch Inhalte, die ohne das entsprechende Medium nie entstanden wären). Das Silicon Valley schreibt McLuhan gewissermaßen fort und liefert eine weitere Pointe, nämlich eine ökonomische: Reich wird im Plattform-Kapitalismus nicht derjenige, der Plattformen mit Inhalten füllt – sondern derjenige, dem diese Plattformen gehören.
  1. Blundstone Osterberger
    Erstellt 14. Oktober 2021 10:32 | Permanent-Link

    Danke. DANKE!

  2. Christof Baron
    Erstellt 15. Oktober 2021 09:34 | Permanent-Link

    Großartige Gedanken, klasse geschrieben! Danke

Diesen H+ Artikel gratis weiterlesen!
Jetzt kostenfrei registrieren.

Die Registrierung beinhaltet
die beiden täglichen HORIZONT Newsletter.

 
Sie sind bereits registriert?
Der Nutzung Ihrer Daten können Sie jederzeit widersprechen.
Weitere Hinweise finden Sie unter Datenschutz.
stats