Kampf um die Zukunft

Wie die IAA den Gegenwind in Rückenwind verwandeln kann

Mittwoch, 11. September 2019
Anfang der Woche erklärt Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer in seinem Gastbeitrag bei HORIZONT Online, warum die IAA in Zeiten von Klimadiskussionen dringend ein neues Konzept braucht. Jetzt folgt die Antwort von Johannes Plass. Der Mutabor-Gründer und -Geschäftsführer verantwortet mit seiner Agentur nicht nur die Messeauftritte von Audi und Volkswagen, sondern hat auch das Erscheinungsbild der IAA konzipiert. In seinem Gastbeitrag erklärt Plass, warum Europas größte Automobilmesse der Ort ist, an dem um die Zukunft der Mobilität gerungen wird und wie sie den vielen Gegenwind in Rückenwind verwandeln kann.
Schon im Vorfeld der IAA war zu spüren, welche Debatte und welche Themen die Leitmesse beherrschen werden. Angekündigte legale und illegale Klima-Demonstrationen bereichern den kommunikativen Auftakt zur IAA. Allen Beteiligten ist klar, es geht nicht mehr ums Automobil, sondern um die Zukunft der Mobilität. Und es ist nur logisch, dass dieses Thema ein breiteres Interesse weckt. Jede Newsmeldung der IAA wird in den Kontext dieser Transformation gestellt.


Um die Deutungshoheit darüber, wie wir uns in Zukunft fortbewegen, wird nicht mehr nur innerhalb der Hallen, sondern auch sehr heftig vor den Toren der IAA gerungen. Auch in den Medien gibt es gute Ratschläge, wie man denn mit der IAA weitermachen sollte. Und so erzeugt die IAA bereits am ersten Tag Symbole, die aufzeigen, welchen Tiefgang diese Debatte hat. Während Ola Källenius in starken Bildern den Purpose und damit den Sinn stiftenden Inhalt der Unternehmung Daimler vor der versammelten Presse zum roten Faden seiner Präsentation macht und zum Abschluss der Pressekonferenz die jüngsten Angestellten als Symbol auf die Bühne holt, wird von den ersten Demonstrantengruppen vor den Toren der Festhalle ein schwarzer CO2-Ballon als Symbol für den Klimaschutz aufgeblasen.

Während der ADFC im Verbund mit Greenpeace und dem VCD eine große Rad-Demo für das Volk rund um Frankfurt organisieren, präsentiert Volkswagen das Elektroautomobil als Antwort auf die Frage der Demonstranten. Ebenso scheinen die Lager in den Medien auseinander zu liegen. Während die einen die IAA als "Applausbühne der betrügerischen Autokonzerne" beschreiben, begeistern sich andere Medien überschwänglich für die Innovationen der Autokonzerne.
„In diesem Jahr ist die IAA nicht nur gesetzter Termin für die Autobranche und Auto-Interessierten, sondern auch Termin für die Autogegner, um sich zu formieren und ihr Anliegen vorzutragen.“
Johannes Plass
Das Ringen um die Zukunft geht auch an der IAA als Messe nicht spurlos vorbei. Die klassischen Kennzahlen zeigen nach unten, Aussteller haben bereits im Vorfeld ihr Storno kommuniziert und werden mit ihrem Fernbleiben auch andere Kennzahlen negativ beeinflussen. Doch wie heißt es so schön: In jedem Wandel steckt auch eine Chance für den Neuanfang. Diese Gelegenheit ist nun gekommen, denn das Interesse an neuer Mobilität war selten größer als heute. Wann haben jemals Menschen vor den Toren der IAA in großen Massen demonstriert, um Ihre Idee von der Mobilität der Zukunft mitzuteilen? Wann war die gesellschaftliche Relevanz der IAA-Themen je so im Fokus wie heute? Genau hier liegt die Zukunft der IAA. In diesem Jahr ist die IAA nicht nur gesetzter Termin für die Autobranche und Auto-Interessierten, sondern auch Termin für die Autogegner, um sich zu formieren und ihr Anliegen vorzutragen.


Die IAA sollte dieses Momentum nutzen und den Gegenwind in Energie und Kraft für die Zukunft umlenken. Dann wäre die IAA eine Plattform für die Debatte um die Zukunft der Mobilität und nicht mehr die Bühne für neue Automobile. Dann würde die IAA die Themen zukünftiger Mobilität orchestrieren und aufzeigen, in welchen Innovationen auch Auto-Gegner eine Antwort finden. Dann würde die IAA neben den Auto-affinen auch diejenigen ansprechen, die ein ablehnendes Bild von der Autoindustrie haben, wohl aber wissen wollen, wie ihre individuelle Mobilität auch anders organisiert werden kann. Dann würde sich das Spektrum der Aussteller um Unternehmen erweitern, die ebenfalls individuelle Mobilität organisieren und entwickeln. Die Fragen der Zukunft werden meiner Überzeugung nach in einem konstruktiven Austausch und durch gegenseitige Inspiration gelöst - und nicht durch Destruktion und Geschrei. Vor Ort auf der Messe, jenseits der radikalen Pole, zeigen alle Gespräche in eben diese Richtung. Die IAA ist die globale Leitmesse der deutschen Leitindustrie. Lassen Sie uns sie aus unserer Kultur heraus zur führenden Plattform einer Mobilitäts-Debatte machen. Wir zeigen der Welt, wie wir konstruktiv um die Themen der Mobilität der Zukunft ringen und debattieren. Wir zeigen der Welt, wie unser Erfindergeist und Pioniergeist die Herausforderungen der Zukunft lösen kann. Niemand hat das schöner formuliert, als die Marke, die in der Mitte unserer Gesellschaft steht: Volkswagen macht mit seinem E-Auto ID.3 ein Angebot, das jeder für sich ausprobieren kann aber nicht muss: Now you can.
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