Im Panik-Modus

Monsantos Spionage - ein Fall, der keiner war

Donnerstag, 18. Juli 2019
Die Medien waren in heller Aufregung. Von Ausspähung war in der Headline der Süddeutschen die Rede, der Kölner Stadtanzeiger erkannte einen Fall von Spionage. Die Politik schaltete sich ein, die Linke forderte den Bundestagspräsidenten auf, für Aufklärung zu sorgen; Karl Lauterbach, SPD, berichtete mit einer Mischung aus Empörung und Stolz über das „Dossier“, das im Reich des Bösen gegen ihn angelegt wurde: Bayer, Monsanto, Fleishman Hillard – ein Chemiekonzern, der Glyphosat-Hersteller, die Lobbyisten. Skandal! In der Leverkusener Konzernzentrale reagierte man prompt, die PR-Agentur wurde umgehend von ihren Aufgaben entbunden.

Jetzt hat der Deutsche Rat für Public Relations den Fall untersucht, und er kommt zu einem ganz anderen Ergebnis: Fleishman Hillard hat getan, was der Job von PR-Experten ist.



Man hat die wichtigen Stakeholder in einer politischen Diskussion identifiziert, deren Positionen aus öffentlich zugänglichen Quellen recherchiert und für den Kunden Argumente zusammengetragen, die in der Debatte Wirkung erzielen könnten. Spionage? Ausspähung? Fehlanzeige. Korruption? Keine Spur.

Kein Journalist, kein Politiker, kein Aktivist ist in irgendein Fadenkreuz geraten, niemand wurde despektierlich behandelt. Es wird Menschen geben, die dieses Votum der Branchen-Organisation beiseite wischen: PR für die PR, klar, war ja nicht anders zu erwarten. Allerdings ist der PR-Rat gegenüber der eigenen Zunft genauso kritisch wie der Presserat oder der Werberat es in ihren Sparten sind.


Der Fall sollte also zu denken geben: den Medien, die sich oft beklagen, wie vorschnell in den sozialen Netzwerken geurteilt wird – und die selbst reflexartig urteilen, wenn der Gegner ins Klischee passt. Und der Bayer-Kommunikation, die sich gar nicht schnell genug von ihrer Agentur distanzieren konnte. Beim Thema Monsanto ist man offenbar im Panik-Modus. uv

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