"Gebaut, um den Atem zu rauben"

BMW-Werbung sorgt für Schnappatmung

Montag, 05. November 2018
Wie viele Mitarbeiter hat wohl die Marketingabteilung von BMW? Wie viele Augen sehen ein Werbemotiv, bevor es zigtausendfach gedruckt und unters Volk gebracht wird? Die Antwort auf beide Fragen lautet wahrscheinlich: Ziemlich viele. Dennoch hat das BMW nicht davon abgehalten, seine 8er Reihe am Wochenende mit einem - vorsichtig formuliert - ziemlich gedankenlosen Slogan zu bewerben. Die Reaktionen sind teils heftig.
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Schick ist er ja schon, der schnittige Sport-Coupe, den BMW am Wochenende mit einem mehrseitigen Beileger in der "Süddeutschen Zeitung" bewarb. Auch der Beileger selbst kommt  auf den ersten Blick aufmerkamkeitsstark und in hochwertiger, einer Premium-Marke wie BMW angemessenen Aufmachung daher. Doch die Werbeaktion hat ein gewaltiges Problem - nämlich den Slogan. "Gebaut, um den Atem zu rauben", steht - allen Ernstes - in großen Lettern gleich auf Seite 1 des Beilegers.


Wie BMW in Zeiten, in denen die öffentliche Debatte maßgeblich von den Themen Dieselgate, Fahrverbote und Feinstaub bestimmt wird, auf die Idee gekommen ist, ausgerechnet mit einem derart doppeldeutigen Spruch für seine 8er-Reihe zu werben, darüber kann man nur spekulieren. BMW hat eine Anfrage von HORIZONT Online noch nicht beantwortet. Und die für den Autobauer tätigen Werbeagenturen wie Jung von Matt, Serviceplan, Interone und Wunderhaus bestreiten entweder, das Motiv entwickelt zu haben, oder gehen auf Tauchstation (Heye Grid) und sagen zu dem Thema gar nichts. 

Der wahrscheinlichste Grund für den werblichen Fauxpas ist - man mag es kaum glauben - Gedankenlosigkeit. Die ist nämlich offenbar leider weit verbreitet. Auch hinter den werblichen Fehltritten von H&M, Pepsi, Nivea und Dove steckte keine böse Absicht. Auch hier war es eben diese Gedankenlosigkeit der Protagonisten in den Marketingabteilungen und Agenturen, die den Shitstorm jeweils auslöste. 


Dass sich eine renommierte Marke wie BMW so etwas wie Gedankenlosigkeit aber nicht mehr leisten kann, wird aktuell im Social Web deutlich, wo man - mal wieder - nachlesen kann, was das Motiv bei den Menschen so auslöst. "Ehrlicher und authentischer geht‘s doch kaum, oder?", lautet der sarkastische Kommentar, mit dem sich Manfred Stockmann  auf Twitter über BMW lustig macht. Mit Humor nimmt es auch Blogger-Star Richard Gutjahr, der versucht, den Entstehungsprozess mithilfe einer Karikatur zu ergründen. Thomas Koch, Media-Legende und Twitter-Intensivnutzer, wird da schon deutlicher. "Man könnte kotzen. Falls man noch Luft zum Atmen hat...", schickt er eine Protestnote in Richtung München. Unter dem Strich wird in jedem Fall deutlich, dass Werbeaktionen wie diese einer Marke oder sogar ganzen Industrien schaden können. "Den deutschen Autobauern (und ihren Werbeagenturen) ist wohl nicht mehr zu helfen", bringt Bernhard Poetter die Mehrheitsmeinung der Twitter-Kommentatoren auf den Punkt. mas

Ausgewählte Twitter-Reaktionen

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