Branding

Aus Citroën wird Zitrön - un coup génial?

Montag, 22. Juli 2019
Endet in diesen Tagen einer der großen Irrtümer der modernen Markengeschichte? Einiges deutet darauf hin. Nein, es geht hier nicht (schon wieder) um die Frage, ob Gillette nun mit seiner neuen Vision von Männlichkeit ins Schwarze getroffen hat oder nicht. Auch der Wandel von Rügenwalder vom Wurstfabrikanten zum Veggie-Taktgeber soll hier nicht Thema sein. Die Rede ist von Citroën. Also jener Marke, die Verbraucher weltweit - und vor allem in Deutschland - seit Jahrzehnten mit einer schier unlösbaren Frage nervt. Nämlich: Wie zur Hölle spricht man bloß diesen Namen aus?
Wer nicht gerade an der französischen Grenze im Saarland geboren ist oder frankophile Eltern hat, kennt das sicher aus seiner Kindheit. "Schau mal, ein Zitrön", hieß es oft bei Fahrten über die Autobahn gen Süden. Auch wenn Französisch inzwischen in vielen deutschen Schulen als zweite Fremdsprache unterrichtet wird, hat sich daran nicht sonderlich viel geändert. Dass mal jemand den Markennamen Citroën korrekt ausspricht oder das Trema beim Buchstaben "ë" auf der Tastatur auf Anhieb findet, ist hierzulande nach wie vor eine Seltenheit. Sie wissen ja: "Man spricht deutsch."


Die Groupe PSA, unter deren Dach die Marke Citroën gemeinsam mit Peugeot gebündelt ist, scheint ihren grandiosen Irrtum nun (endlich!) einzusehen und Konsequenzen zu ziehen. "Aus Citroën wird Zitrön", verkündet der französische Automobilhersteller am Montag auf Twitter und seiner deutschen Facebook-Seite. Garniert wird die frohe Botschaft mit einer Animation, die zeigt, wie sich der alte Citroën-Schriftzug auf dem Logo in "Zitrön" verwandelt. Herrlich!

Der Autobauer begnügt sich auch nicht nur mit Ankündigungen auf sozialen Netzwerken, sondern schreitet gleich zur Tat. So wurde die deutsche Website der Marke bereits umgebrandet. Vom Unternehmensnamen oben links über das Logo bis hin zur Kundenansprache ("Sind Sie bereits Zitrön Kunde?"), den PKW-Modellen (Zitrön C3) und den Links im Footer ("Zitrön Kundenservice", "Zitrön Markenwelt") - überall ist der neue, wunderbar aussprechbare Name zu finden.


Wer jetzt noch ernsthaft Zweifel hat, ob das mit der Umbenennung denn wirklich so eine gute Idee ist, der sollte mal auf dem Youtube-Kanal des Autobauers vorbeischauen. Ein Video zeigt dort beispielhaft am Autohaus Hennes, dass selbst die Mitarbeiter heilfroh sind, endlich für ein Unternehmen zu arbeiten, dessen Namen auch sie problemlos aussprechen können. Also: Problem gelöst!

Endet nun also die Ära Citroën? Man kann nur hoffen, dass sich die Groupe PSA nicht von ihrem Kurs abbringen lässt. Denn seien wir doch mal ehrlich: Wer kauft sich schon gern ein Auto einer Marke, die er nicht mal korrekt aussprechen kann? Als Alternative bliebe ja nur, dass wir alle mal richtig Französisch lernen. Aber das wäre doch etwas zu viel verlangt, oder? Und dann müsste sich das Ganze ja am Ende auch noch als Marketinggag entpuppen! Und das wäre ja nun wirklich unerhört! 

Themenseiten zu diesem Artikel:
stats