Werbe-Deal

Warum Oliver Kahn als Werbestopper-Testimonial daneben greift

Mittwoch, 14. September 2016
Oliver Kahn hat mal wieder einen Werbevertrag an Land gezogen. Die Torwartlegende ist das Aushängeschild der Kampagne für den "Werbestopper", mit dem die Gesellschaft zur Durchsetzung von Verbraucherinteressen (GDVI) künftig unerwünschte Werbung aus Deutschlands Briefkästen verbannen will. Dass allerdings ausgerechnet Werbeking und Dauertestimonial Kahn gegen Werbung wirbt, ist alles andere als glaubwürdig.

Werbestopper: Die Motive mit Oliver Kahn


Zugegeben: Der einstige Welttorhüter verfügt im "Kasten-Sauberhalten" über eine hohe Kompetenz - das ist unbestritten. Als witziges Wortspiel mag diese Konstruktion auch gut funktionieren. Für Oliver Kahn als Marke und Werbebotschafter funktioniert das aber definitiv nicht. 


Tipico, Euronics, Weight Watchers, Wiesenhof, MAN, DWS, Paulaner - die Liste von Kahns Werbeverträgen ist lang und könnte wohl endlos fortgesetzt werden. Die entscheidende Frage nun ist, ob jemand, der sich als Werbebotschafter - auch auf Euronics-Prospekten - eine goldene Nase verdient und in den Werbeblöcken quasi dauerpräsent ist, selbst als Botschafter gegen Werbung auftreten sollte. Die Antwort auf diese Frage kann nur "Nein" lauten. 

Klar: Oliver Kahn und die GDVI werden das ungerecht finden und argumentieren, dass es sich ja "nur" um lästige Werbeprospekte handelt, die den Briefkasten verstopfen. Und dass der "Werbestopper" - übrigens anders als der Name vermuten lässt - Werbung gar nicht grundsätzlich verbannt, da die Nutzer auf dem Serviceportal schließlich "selbst entscheiden können", von wem sie Werbung erhalten wollen und von wem nicht.


Diese Herabstufung einer ganzen Werbegattung zeugt allerdings von einer gewissen Arroganz. Denn als Fernsehzuschauer kann ich mir auch nicht aussuchen, ob ich von Oliver Kahn im Halbstundentakt die Werbebotschaften von Tipico, Euronics und Co serviert bekommen will. Wer wie die Mehrheit der Deutschen noch linear fern sieht, muss sich schlicht und einfach damit abfinden. Ob man das nun gut findet oder nicht.

Vor diesem Hintergrund wäre Kahn gut beraten gewesen, den sicher lukrativen Werbevertrag auszuschlagen. Wer selbst sein Geld mit Werbung verdient, sollte Werbung nicht schlechtreden - auch wenn es sich nur um "lästige" Handzettel handelt. Sonst wird selbst ein sonst überzeugendes Testimonial wie Oli Kahn irgendwann unglaubwürdig. mas
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