Unilevers Influencer-Selbstverpflichtung

Kein Applaus für Selbstverständlichkeiten

Mittwoch, 20. Juni 2018
Bei den Cannes Lions kündigte Unilever-CMO Keith Weed an, beim Thema Influencer Marketing künftig genauer hinschauen zu wollen. Dafür erntet er viel Aufmerksamkeit. Und auch, wenn der Vorstoß grundsätzlich zu begrüßen ist: Lob haben Weed und Unilever dafür nur bedingt verdient.

Wer die Branche regelmäßig verfolgt, der weiß: Im Influencer Marketing liegt vieles im Argen. Ob mangelnde Kennzeichnungen bezahlter Partnerschaften, fragwürdige Inszenierungen dieser Partnerschaften oder Fake Follower – die noch junge Disziplin kämpft mit vielen Glaubwürdigkeitsproblemen.



Deswegen ist es richtig, wenn ein Unternehmen von Weltrang wie Unilever gegen die Fehlentwicklungen in der Branche vorgehen will. Nicht nur bei Innovationen, besonders bei der Bekämpfung von Missständen müssen die Großen vorangehen. Idealerweise wirken sie als Vorbilder und ziehen den Rest der Branche mit.

Wieso es allerdings eine große Sache sein soll, sich zu Transparenz und authentisch erzieltem Engagement zu bekennen, erschließt sich nicht so recht. Was Keith Weed in Cannes angekündigt hat, sollte für ein Vorzeigeunternehmen doch eigentlich selbstverständlich sein: Kein Follower-Kauf für Influencer und Marken, keine intransparenten Plattform-Partner, Social-Media-Stars müssen hinter dem beworbenen Produkt stehen. Schwer zu glauben, dass sich Unilevers Marketingorganisation bislang nicht an diese Prinzipien gehalten hat. Dass das klare Bekenntnis zu diesen Werten nun noch einmal derart hervorgehoben wird, zeigt letztendlich, wie viel im Influencer Marketing tatsächlich falsch läuft und wie viele schwarze Schafe in diesem Bereich unterwegs sind – sowohl auf Influencer-Seite als auch bei den Werbungtreibenden.


Unilever ist sich dessen offensichtlich bewusst. Keith Weeds Auftritt in Cannes ist dennoch gerade einmal das Versprechen, ehrlich mit der Zielgruppe umzugehen. Nicht mehr und nicht weniger. ire

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