Von Stiftern und Spendern

Trikotwerbung gratis für Sparkasse Holstein

Mittwoch, 13. August 2014
Ein Sponsor ist jemand, der Einzelpersonen oder Vereine finanziell fördert, um seine Marketingziele zu unterstützen. Und was ist ein Stifter ...?



Deutschland ist führend in der Welt, denn wir sind die Meister der Welt. Zumindest im Fußball. Was auch für viele große Unternehmen ein Grund ist, die Stars vom grünen Rasen als Protagonisten in ihrer Werbung aufzustellen. Genauso mieten die Unternehmen komplette Mannschaften der Bundesliga, indem sie ihren Firmennamen auf der Brust der Kicker platzieren.

Trikotwerbung in der höchsten Spielklasse ist nicht für jedes Unternehmen bezahlbar. So munkelt man zum Beispiel, dass Volkswagen für den VfL Wolfsburg mindestens 30 Millionen Euro pro Saison springen lässt. Andere Vereine machen es „billiger“: FC Bayern München bekommt von der Telekom nur 25 Millionen Euro. Und der FC Schalke 04 kassiert geschätzte 14 Millionen Euro von Gazprom. Ganz bescheiden dagegen der SC Freiburg: Für ihr Logo löhnt die Molkerei Ehrmann lächerliche 2,5 Millionen Euro pro Saison.


Jubelkinder auf Pressefoto: Große Freude bei den Kids, weil sie für die Sparkasse werben dürfen!
© Unternehmen
Jubelkinder auf Pressefoto: Große Freude bei den Kids, weil sie für die Sparkasse werben dürfen!
Auch die Sparkasse Holstein macht Trikotwerbung. Wobei das Geldinstitut nicht auf den Trikots von einer Elf allein wirbt, sondern: „Wegen der großen Nachfrage“ , so berichtete das Hamburger Abendblatt, „bekamen erstmals 100 Teams statt bisher 70“ das Werbelogo „Sparkasse Holstein“ auf die Brüste der Spieler und Spielerinnen. Und das Allertollste – je- denfalls aus Sicht der Sparkasse: Diese Trikotwerbung ist für das Werbung treibende Geldinstitut kostenlos; man liefert lediglich die bedruckten Trikots an die Vereine!

Zur Erläuterung muss der Spießer anfügen: Es betrifft hier keine Bundesoder Regionalliga-Mannschaften, sondern allein 100 Jugendmannschaften in Vereinen und Schulen. Was bedeutet: Kinder werden gratis vor den Werbekarren der Sparkasse gespannt und freuen sich sogar noch darüber! Zum Beweis dafür verschickt die Sparkasse Holstein ein Pressefoto, wo Sportler und Stifter gemeinsam jubeln – siehe die Abbildung! Und die Presse berichtet überaus wohlwollend über die große Güte der Stifter und fragt nicht nach, ob das denn wohl auch alles gut so ist. Verständlich, denn die Sparkasse wirbt schließlich nicht kostenlos in diesen Medien, und da will man sich doch nicht das Geschäft vermasseln durch unnötige Fragen wie zum Beispiel: „Wie viel Geld zahlt die Sparkasse Holstein für ihre Werbung in die Vereinskassen?“

Moment mal! Hat Spießer Alfons da was von „Stifter“ geschrieben und nicht „Sponsor“ ...? Ja, liebe Lesergemeinde, genau das hat der Spießer getan. Und zwar mit Bedacht, denn dem Hamburger Abendblatt war zu entnehmen, dass sich „die Sparkasse Holstein gemeinsam mit ihren Stiftungen besonders für den Mädchenfußball engagiert“.

Was bedeutet dieses, wenn es wahr ist? Es könnte bedeuten: Aus Mitteln der Stiftung wird die Werbung der Sparkasse Holstein finanziert. Denn die Sparkasse verschenkt keine neutralen Vereins-Trikots, sondern eben Werbetrikots mit Logo und Schriftzug der Sparkasse!

Nun stellt Euch einmal vor, liebe Lesergemeinde, die größte Stiftung in Deutschland, nämlich die Volkswagen-Stiftung, würde die rund 30 Millionen Euro übernehmen, mit denen VW die Hemden vom VfL Wolfsburg bedrucken lässt! Oder sieht jemand einen Unterschied zu dem, was die Sparkasse Holstein möglicherweise mit ihren Stiftungen praktiziert ...?

Denglisch: Flaschenpost aus dem Meer
© Unternehmen
Denglisch: Flaschenpost aus dem Meer
In seiner 2013. Folge hat Spießer Alfons Euch von einem Mineralwasserlieferanten berichtet, der uns suggeriert, dass er das in Flaschen abgefüllte Nass vom Grund des Meeres holt. Und nun kommt Beck’s und lässt seine Pullen gleichfalls aus dem Meer auftauchen – siehe das Plakat!

Bemerkenswert ist, dass der Text in Denglisch gehalten ist. Wir lesen nicht: „Beck’s Sommer Holunder, Grüne Limone und Eis“ bzw. „Beck’s Summer Elder, Green Lemon and Ice“, sondern dort steht in Versallettern:

„BECK’S SUMMER HOLUNDER, GREEN LEMON UND ICE.“

Diese Textzeile könnte beim Verbraucher zu Irritationen führen. Klar, was ein Summer ist, kann er sich denken; aber warum er ausgerechnet mit dem ICE fahren soll, um Beck’s zu trinken, das wird er nicht begreifen.

Sterben: Geschenk für Lebensversicherte
© Unternehmen
Sterben: Geschenk für Lebensversicherte
Spießer Alfons blieb vor einem Citylight-Poster stehen und weiß nicht, ob er lachen soll oder weinen. Denn das Plakat ist eine Aufforderung zum Suizid.

Wir lesen in versalen Lettern: „Für alle, die mehr wollen.“ Gemeint ist mehr Tabak. Und in der Dose ist Tabak „für bis zu 220 Zigaretten.“ Dazu steht am Fuße des Etiketts der ultimative Hinweis: „Raucher sterben“.

Ganz unten wird das Sterbeversprechen ein wenig korrigiert mit der Einschränkung: „Rauchen kann tödlich sein.“ Kann, muss also nicht. Aber je mehr Stäbchen, desto höher ist bekanntlich die Chance auf den Tod.

Das Gute für alle Erbberechtigten, „die mehr wollen“: Während bei einem Suizid durch den Revolver die Lebensversicherung nicht zahlen muss, ist das bei Suizid durch Zigaretten anders. Weshalb wir unserer Erbtante oder dem Erbonkel, die/der eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, auf gar keinen Fall einen Revolver schenken sollten, wenn sie/er freiwillig aus dem Leben scheiden will, sondern die Tabakdose von Benson & Hedges, wo einfach mehr drin ist für alle, die mehr wollen!

Korrektur des Kunden: "forward"!
© Unternehmen
Korrektur des Kunden: "forward"!
Und dann sah der Spießer ein weiteres Plakat, wo eine Aufforderung zum Selbstmord stattfindet. Denn auch Marlboro weist pflichtgemäß auf die Möglichkeit hin: „Rauchen kann tödlich sein“. Weshalb der Texter auch ausdrücklich „MAYBE“ geschrieben hat, was bedeutet: vielleicht.

Als der Kundenberater der Agentur den Plakatentwurf im Hause Philip Morris vorgestellt hatte, nahm der dortige Marketing-Direktor einen Rotstift in die Hand und redigierte den Text: Nicht „MAYBE“, also „vielleicht“, sondern: „forward“ soll die Botschaft lauten. Und das bedeutet: befördern, schicken. Spießige Frage: Wohin will Marlboro den Raucher denn wohl befördern ...?

Bemerkenswert ist auch: Weder der Name „Marlboro“ taucht auf diesem Plakat auf noch der Name Philip Morris. Das könnte daran liegen, dass der Werbungtreibende keinen Bock darauf hat, für diesen Nonsens geradezustehen. Denn Spießer Alfons kann sich nicht erinnern, jemals Plakate von Marlboro gesehen zu haben, die so albern sind wie diese „Maybe“-Kampagne.

Dauerhafte Werbung auf einem Notizklotz? Klar, genau wie auf Klopapier: Blatt für Blatt!
© Unternehmen
Dauerhafte Werbung auf einem Notizklotz? Klar, genau wie auf Klopapier: Blatt für Blatt!
Lustig ist die Aussage eines Herstellers von Notizklötzen, der im Internet wirbt mit der Aussage: „Werbe-Notizklötze mit dauerhafter Wirkung“ – siehe die Abbildung!

Richtig ist: Je intensiver so ein Notizklotz im Einsatz ist, desto weniger dauerhaft ist die Wirkung der Werbung. Aus vergleichbarem Grund hängt darum auch wenig Werbung auf Papierrollen in stillen Örtchen aus.

"Natürlich schüßler ich." Warum ich das tue? Ganz einfach: Weil Herr Pflüger mich für mein strahlendes Aussehen bezahlt!
© Unternehmen
"Natürlich schüßler ich." Warum ich das tue? Ganz einfach: Weil Herr Pflüger mich für mein strahlendes Aussehen bezahlt!
Wir sehen eine Frau im Werbebild, die uns erzählt: „Natürlich schüßler ich.“ Und dazu der Hinweis: „Mit Schüßler-Salzen von Pflüger.“

Und warum ist es für die Frau natürlich, Schüßler-Salze zu schlucken? Im Kleingedruckten erfahren wir über die Anwendungsgebiete: „Registrierte homöopathische Arzneimittel, daher ohne Angabe einer therapeutischen Indikation.“

Aber wozu gibt es das Internet, wo es viel rechtsfreien Raum gibt?! Dort lesen wir bei Schüßler unter anderem: „Strahlendes Aussehen, gesunder Schlaf, vital sein und bleiben – Mineralstoffe in unserem Körper sind dafür die Voraussetzung. Der Arzt Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler (1821–1898) entwickelte vor 135 Jahren eine Heilweise mit 12 Mineralstoffverbindungen (= Salzen).“

Und somit entnehmen wir der Anzeige indirekt: Schüßlern nach Dr. Schüßler macht schöner als frankensteinern!
stats