Werbedichter und ihre Elaborate

Guerilla-Marketing: Werbeagentur kaufen!

Mittwoch, 06. August 2014
Der Wettbewerb zwischen großen Unternehmen ist hart. Gekämpft wird dabei auch mit den Mitteln der Werbung. Und manchmal mit taktischer Methode!
In seiner 1989. Folge hat Spießer Alfons Euch auf „Zwiebeln“ hingewiesen, „die ins Auge gehen könnten“, und dabei einen TV-Spott von Burger King aufgespießt, in dem die Buletten-Braterei sich mit ihrem großen Kontrahenten McDonald’s anlegt – siehe Abbildung Storyboard! Diese Tatsache sei vorab bemerkt, damit die nachfolgenden Betrachtungen von Spießer Alfons verständlicher werden.


Der berühmteste aller Dichter, nämlich Dichter Nebel, hat einmal gesagt: „Ein Gerücht ist die Rauchfahne der Wahrheit.“ Allerdings ist es ziemlich unfein, Gerüchte in die Welt zu setzen, die jeder Grundlage entbehren. Und weil Alfons ein feiner Mensch bleiben möchte, nimmt er Abstand von gemeinen Gerüchten und lässt stattdessen einfach seinen spießigen Gedanken freien Lauf nach der bekannten Melodie, die der Volksmund singt mit dem Text: „Die Gedanken sind frei.“

In diesem Sinne denkt Spießer Alfons laut darüber nach, warum TBWA sich die Werbeagentur Heimat ins eigene WorldWideNet geholt hat. Und der Spießer kommt dabei zum Gedankenschluss: Es geschah im Kundenauftrag. Und das wiederum war ein Teil vom Guerilla-Marketing eines namhaften Auftraggebers von TBWA Worldwide: McDonald’s!


Um auf so eine absurde Idee zu kommen, bedarf es schon einer sehr spießigen Überlegung, die Alfons Euch im Folgenden erläutern wird.

Belegtes Hackfleisch-Brötchen der Marke Burger King!
© Unternehmen
Belegtes Hackfleisch-Brötchen der Marke Burger King!
Vorab aber ein Gleichnis aus der Welt der Arbeit, und zwar folgendes: Wenn ein großes Unternehmen einen Arbeitsvertrag mit einem leitenden Angestellten für einen hochdotierten Job abschließt, dann beinhaltet dieser Vertrag in aller Regel eine sogenannte Konkurrenzausschlussklausel. Der Grund ist klar: Je leitender der Angestellte ist, desto mehr Insiderwissen bekommt er in der Firma. Darum lautet die Konkurrenzausschlussklausel so oder ähnlich: „Der Mitarbeiter verpflichtet sich, für die Dauer von 24 Monaten nach Ende des Vertragsverhältnisses nicht für ein Konkurrenzunternehmen oder einen Kunden des Auftraggebers tätig zu werden oder direkt oder indirekt an der Gründung eines Unternehmens mit gleichartigen Zielen mitzuwirken.“

Und weiter gehen die Gedanken des Spießers, der nun zu des Pudels Kern kommt: Wenn eine Werbeagentur einen Vertrag mit einem Unternehmen abschließt, dann werden kluge Unternehmer darauf achten, dass in diesem Vertrag ebenfalls eine Sperrklausel enthalten ist, die analog zur besagten Konkurrenzausschlussklausel formuliert ist. Denn wenn eine Agentur für ihren Auftraggeber optimal arbeiten soll, dann muss sie auch viel Insiderwissen über Firma und Produkte bekommen und in zukünftige Planungen des Unternehmens eingeweiht werden im Hinblick auf den Wettbewerb. Und wenn der Agenturvertrag – aus welchen Gründen auch immer – beendet wird, dann wäre es verheerend, würde zum Beispiel die Werbeagentur von Coca-Cola ohne Wartefrist vom kommenden Monat an direkt für Pepsi-Cola arbeiten oder umgekehrt.

Logisch, oder? Also weiter in der spießigen Gedankenblase:

Belegtes Hackfleisch-Brötchen der Marke McDonald’s!
© Unternehmen
Belegtes Hackfleisch-Brötchen der Marke McDonald’s!
Im Allgemeinen ist es der Kunde, der seinen Werbern die Kündigung ins Agenturhaus schickt, wenn eine Scheidung erfolgen soll. Mitunter passiert das aber auch andersherum. So wie gerade bei Burger King: Hier hat sich Betreuer Heimat vom Kunden getrennt. Hintergrund der Vertragsbeendigung: Heimat hat – wie eingangs erwähnt – eine neue Heimat gefunden im Netzwerk von TBWA, wo man international für den großen Wettbewerber von Burger King, nämlich McDonald’s arbeitet. Und in ein und demselben Agenturnetzwerk parallel für BigMac und Whopper zu werben, ist natürlich utopisch. Das wäre vergleichsweise so, wie würde ein Mitarbeiter vom BND parallel auch für die NSA tätig sein.

Und nun? Nun ist Burger King zwangsweise auf der Suche nach einer neuen Werbeagentur. Und das interne Betriebswissen von Heimat über Burger King ist ohne Sperrfrist direkt ins Agenturnetzwerk von McDonald’s eingespeist worden. Was natürlich nur ein spießiges Gerücht ist, das Alfons keinesfalls in die Werbewelt setzen möchte.Natürlich hätte TBWA auch einen Wallraff-Schüler undercover in die Werbeagentur Heimat schicken können. Als Texter für belegte Brötchen. Aber einfacher ist es natürlich, die komplette Agentur von Burger King zu nehmen, denn damit entstand auch noch der Zusatznutzen, dass der Wettbewerber gleichzeitig seine Kreativen verliert, die bei Burger King keinen schlechten Job gemacht haben.

Natürlich hat Spießer Alfons in seiner Gerüchteküche etwas ausgekocht, das völlig ungenießbar ist. Denn selbstverständlich arbeitet Heimat nicht für McDonald’s.

Tiger: Leisester Staubsauger ohne Steckdose!
© Unternehmen
Tiger: Leisester Staubsauger ohne Steckdose!
Staubsauger müssen ein gutes Saugvermögen haben, wenn sie in einem Haushalt eingesetzt werden, wo Haustiere permanent Haare verlieren. Hunde und Katzen zum Beispiel.Der neue beutellose Staubsauger „Re- laxx’x ProSilence mit Sensor Bagless TM Technology“ von Bosch ist nach Aussagen des Werbetexters „der leiseste beutellose Staubsauger auf dem Markt. Unter extremen Bedingungen getestet.“ Und wie extrem diese Bedingungen waren, sehen wir im Bilde der Anzeige: Der Staubsauger neben einem schlafenden Tiger!

Wie formulierte es doch schon ein schreibender Kollege von Spießer Alfons? Friedrich Schiller schrieb: „Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken, verderblich ist des Tigers Zahn, jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn.“

Womit der Dichter offensichtlich den wahnwitzigen Menschen gemeint hat, der den Staubsauger neben den Tiger gestellt, aber den Stecker des Gerätes nicht in die Dose gesteckt hat. In der Tat ist das wirklich ein Test unter ganz extremen Bedingungen, denn wenn der Tiger erwacht wäre, dann wäre vermutlich nicht nur der Staubsauger beutellos geworden.

Luchs: Leisester Staubsauger auf Waldboden!
© Unternehmen
Luchs: Leisester Staubsauger auf Waldboden!
AEG steht Wettbewerber Bosch in der Kreativität von Staubsauger-Werbern in nichts nach. Man platzierte den „UltraSilence TM Öko“ mitten in einen Wald und erklärt, dass dieser Staubsauger „der leiseste im Test“ ist im Gegensatz zum Bosch-Sauger, der nur unter den beutellosen Staubsaugern der leiseste ist. Allerdings: Im Wald findet man selten eine Steckdose. Und die große Miezekatze, die neben dem Staubsauger liegt, die luchst zur Seite, weil sie das Gerät nicht wahrnimmt, denn das stammt vermutlich aus demselben Shop, wo auch die wilde Katze herkommt, nämlich aus einem Photoshop.

Hierzu fällt dem Spießer ebenfalls ein altes Volkslied ein mit dem Text: „Denn im Wald da sind die Werber – halli hallo die Werber ...!“ oder so ähnlich.

Hier werden Frauen mit Worten richtig veräppelt!
© Unternehmen
Hier werden Frauen mit Worten richtig veräppelt!
Jetzt mal ein ernsthaftes Wort an die Damen in der spießigen Lesergemeinde! Bitte, schaut dem Model von Vichy ins Antlitz und lest dazu die Worte des Werbedichters also lautend: „Perfektion als Maßstab. Mit einer zukunftsweisenden Pflegelinie verwandelt Vichy die Qualität der Haut – damit der Wunsch nach idealer Haut Realität wird. EINE PFLEGE aus der Apotheke setzt neue Maßstäbe – die Haut wird ihrem Idealzustand näher gebracht.“Was bringt der Konsumpoet damit zum Ausdruck? Er sagt nicht, dass die ideale Haut Realität wird, sondern er sagt, dass „der Wunsch“ dazu Realität wird. Und die neuen Maßstäbe besagen nicht, dass die Haut ihren Idealzustand bekommt, sondern: Sie wird demselben „näher gebracht“.

Was so ähnlich wäre, würde ein Taxifahrer seinen Kunden nicht sagen, dass diese ihr Ziel erreichen, sondern lediglich, dass sie diesem Ziel näher gebracht werden.

Wenn jetzt eine Dame fragt, was die Headline „Perfektion als Maßstab“ bedeutet, dann ist der Spießer echt überfragt. Aber Alfons ist ja auch ein Mann, dem Wasser, Seife und Nivea genügen.
Themenseiten zu diesem Artikel:
stats