Spießer Alfons

Zalando - jetzt auch verwechselbar

Mittwoch, 11. März 2015
Austauschbare Werbung bringt etwas für die Branche als solche, weniger aber für die Marke. Und wer den Markennamen nicht aussprechen will, ist Autist!
Es ist nicht das erste und auch nicht das zweite Mal, dass Spießer Alfons auf TV-Spots hinweist, die nach ein und demselben Muster gestrickt sind, nämlich viele schöne Bilder, untermalt mit Musik. Und am Ende wird dann verstohlen ein Markenname genannt. Solche Spots gab es von Mango bis Lidl und noch von vielen anderen Herstellern, die Mode verkaufen. Und nun auch von Zalando. Aber diesen Namen wagt niemand in den Mund zu nehmen.


Zalando lässt in seiner neuen Werbung, die nicht mehr von Jung von Matt stammt sondern inhouse fabriziert wurde, viele schöne Modebilder vorüberflimmern, die von einem Gesangstitel begleitet werden. Und ganz zum Schluss wird dem Zuschauer verraten, um welchen Werbungtreibenden es sich hier überhaupt handelt. Schlimmer noch: Der Markenname wird nicht einmal ausgesprochen, sondern nur kurz im Bild gezeigt.
Zalando: Der Klamottenhändler macht sei-ne Werbung nun selber und austauschbar!
© HORIZONT
Zalando: Der Klamottenhändler macht sei-ne Werbung nun selber und austauschbar!
Zalando geht davon aus, dass seine Zielgruppe wie gebannt vor dem Bildschirm sitzt, wenn dort Werbung läuft. Und bei Zalando glaubt man offenbar im Ernst, dass der gemeinde Bürger, guckt er denn tatsächlich in die Röhre, nach diesem Spot den Namen Zalando im Gedächtnis speichert. 

Filme dieser Art gehen zurück auf die Stummfilmzeit, als man im Kino die Bilder auf der Leinwand sah, die mit Texteinblendungen versehen waren, und wozu ein Pianospieler live die musikalischen Noten geliefert hat. Im Gegensatz zum Fernsehen guckt im Kino allerdings jeder Besucher auf die Leinwand.


Zu HORIZONT sagte Carsten Hendrich, Head of Global Brand Management Zalando: "Wir leben die Marke jeden Tag und kennen sie wie kein Zweiter. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, die Kampagne selbst zu realisieren."

Und genau das ist ein Gedankenfehler. Wenn man selber mit seiner Marke am Morgen aufwacht und am Abend damit schlafen geht, dann hat man nicht mehr den nötigen Abstand, den man für Werbung haben muss. Der potentielle Kunde kennt die Marke weniger als der Hersteller, und es bedarf demzufolge einer Ansprache mit besonderen Reizen, um keine Absender-Werbung zu machen, sondern Empfänger-Werbung zu treiben.

Wenn man selber Absender eines Werbespots ist, dann nimmt man ihn bei der Ausstrahlung ganz anders wahr als der gewöhnliche Zuschauer es tut. Spießer Alfons weiß, wovon er spricht, denn er hat vor vielen Jahren selber mal einen Spot nach der Bilder-Song-Methode für eine Frauenzeitschrift produziert, um nach der Kampagne zu erkennen: War ein schöner Spot, hat aber im Abverkauf ziemlich wenig bewirkt. (Wir Werber sprechen in einem solchen Fall bekanntlich von "Image-Werbung" J.)

Natürlich ist der Zalando-Film ein Teil der werblichen Gesamtstrategie, sodass am Ende ohnehin niemand mehr sagen kann, was die Kunden tatsächlich zum Kauf animiert hat.

Das Foto in der Hexal-Anzeige stammt offenbar aus der Zeit, als der kleine Alfons noch zur Grundschule gegangen ist. Und die Überschrift dazu – "Ein Stück Normalität" – ist vermutlich einer Klapsmühle entsprungen, wo die Insassen alle glauben, dass sie die Normalität verkörpern.
Deutschländer Würstchen jetzt auch als ein Stück Normalität in der Apotheke...?
© HORIZONT
Deutschländer Würstchen jetzt auch als ein Stück Normalität in der Apotheke...?
Ob der Mann neben dem kleinen Jungen der Vater ist oder der Großvater, ob es ein guter Onkel oder ein freundlicher Nachbar ist, das weiß der Spießer nicht. Alfons weiß aber, dass der Knabe mit seinem Würstchen völlig fehlplatziert ist in der Werbung für ein Arzneimittel, das im Verdauungstrakt Phosphat aus der Nahrung bindet und dadurch die Phosphorwerte im Blut senkt.

bibel.TV ist nach eigener Angabe "Der christliche Familiensender". Und bibel.TV plakatiert das Wort: "Gott statt Schrott" und lässt die Menschen fragen: Was will der Werbeprediger uns damit sagen...?
Fazit: Schrotthandel ist ein gottloses Gewerbe oder wie oder was...?
© HORIZONT
Fazit: Schrotthandel ist ein gottloses Gewerbe oder wie oder was...?
Warum gerade Schrott? Ist Schrott vielleicht für den Menschen eine mögliche Alternative zu Gott? Wenn dem so wäre, dann wären Schrotthändler wohl Atheisten.

bibel.TV ist nach eigenem Bekunden „Fernsehen mit guter Nachricht.“ Das könnte bedeuten, dass  "Schrott" hier als Metapher steht für Fernsehen mit schlechten Nachrichten - wie zum Beispiel die ARD, die in ihrer Tagesschau wahrhaftig nicht immer nur gute Meldungen bringt. Dieser indirekte Vergleich der Sender wäre jedoch ziemlich unchristlich, findet Ihr nicht auch!?

Und dann haben wir da noch Synervit. Das ist laut Angaben des Textdichters "Die Nahrung für das Gehirn" - siehe die Abbildung!
Wer nicht klug handelt, um klug zu bleiben, der handelt dumm, um dumm zu bleiben?
© HORIZONT
Wer nicht klug handelt, um klug zu bleiben, der handelt dumm, um dumm zu bleiben?
Bislang hatte Alfons immer geglaubt, Nahrung für sein Gehirn bekäme er aus der Buchhandlung. Nun erfährt er, dass es solche Nahrung auch in der Apotheke gibt. Mehr noch: "Von Ernährungsberatern empfohlen." Und der Hersteller lässt durch seinen Werbetexter empfehlen: "Klug handeln, um klug zu bleiben".

Mit anderen Worten: Wer nicht Synervit schluckt, handelt unklug und ist demzufolge dumm...?
Themenseiten zu diesem Artikel:
stats