Spießer Alfons

Wie sich Mäuse "am liebsten" vermehren?

Donnerstag, 18. Februar 2016
Wenn wir von Kies, Moos und Zaster reden, dann meinen wir Knete, Kohle und Kröten. Doch Banken und Sparkassen reden gern von Mäusen!
Die Frage der ING-DiBa lautet: "Wissen Sie, wie sich Mäuse am liebsten vermehren?" Spießer Alfons hat über diese Frage nachgedacht. Und weil er weiß, dass Mäuse keine Eier legen, geht der Spießer davon aus, dass Mäuse sich am liebsten genauso vermehren wie wir Menschen uns am liebsten vermehren.
Hier sollen potenzielle Kunden mit den Mäusen in die Falle der Bank gehen!
© HORIZONT
Hier sollen potenzielle Kunden mit den Mäusen in die Falle der Bank gehen!
Allerdings, so weiß der Spießer auch, ist das Ergebnis der Vermehrung bei Hausmäusen sehr viel produktiver, denn die schaffen pro Jahr bis zu acht Würfe mit durchschnittlich drei bis acht Jungen.

Beantwortet der Leser die Frage der ING-DiBa mit "Ja", dann bekommt er einen "Glückwunsch!" vom Werbetexter mit dem Hinweis: "Entweder sind Sie Biologe oder Börsen-Guru, richtig?"

Nein, das ist nicht richtig, denn Alfons ist weder das eine noch das andere. Und hätte der Spießer die Eingangsfrage mit "Nein" beantwortet, dann wäre die Antwort der Banker: "Wir schon! Schauen Sie mal bei uns vorbei!"

Auch wer kein Börsen-Guru ist, der weiß natürlich, dass Mäuse ein verniedlichtes Synonym für Kröten sind, also für Geld. Und man spricht bei Banken und Sparkassen lieber von Mäusen als von Kröten oder Flöhen, weil Mäuse sehr viel possierlichere Tierchen sind.

Wenn in der ING-DiBa-Anzeige also Mäuse = Geld gemeint ist, dann machen zwei Wörter nachdenklich, nämlich: "am liebsten". Was will uns der Textdichter damit sagen? Dass sich die Mäuse auf dieser Bank nicht "am besten" vermehren, also bis zu acht Ausschüttungen pro Jahr mit hohen Erträgen ...?

Spießer Alfons hat sich erkundigt und erfahren: Die ING-DiBa meint in der Tat die Mus musculus, also die gemeine Hausmaus. Und von diesen kleinen Nagern gibt es bei der ING-DiBa sooo viele, weil die sich hier am liebsten vermehren. Und wenn jemand von Euch so tierlieb ist und tatsächlich dort vorbeischaut, dann muss er keinen Käse mitnehmen, denn den produzieren die Banker ja bereits in ihrer niedlichen Werbung für Geldanlagen.

Auch Union Investment stellt uns schon seit langer Zeit ganz spezielle Fragen in der Werbung, ohne diese zu beantworten. Zum Beispiel: "Warum muss man eigentlich alle Kerzen auf einmal auspusten, damit sich ein Wunsch erfüllt?"
Ein Unternehmen, das selbst einfache Verbraucherfragen nicht beantworten kann ...!
© HORIZONT
Ein Unternehmen, das selbst einfache Verbraucherfragen nicht beantworten kann ...!
Die Antwort wäre: Weil das ein dummer Aberglaube ist, genauso wie dreimal auf Holz zu klopfen.

Und dankbar hätten wir dem Werbungtreibenden sein können, hätte der uns informiert: Das Kerzenauspusten ist eine unappetitliche Kampagne der Pharma-Industrie, denn mit dem Blasen können Krankheitskeime aufs Essen verteilt werden. (Man stelle sich mal vor, der Kellner im Restaurant würde ebenfalls über jeden Teller pusten, bevor er ihn dem Gast vorsetzt!)

Und noch einmal die ING-DiBa: Wir sehen im Werbebild einen kleinen Hund, der stärker ist als eine Ameise, denn der Fiffi kann angeblich einen Ast tragen, der das Mehrfache seines eigenen Körpergewichts beträgt – siehe die Abbildung!
Das Stöckchen, das die Werber hier werfen, scheint Astlöcher zu haben!
© HORIZONT
Das Stöckchen, das die Werber hier werfen, scheint Astlöcher zu haben!
Damit sagt die Bank unterschwellig: Bei uns kommen Kunden mit Belastung auf den Hund.

Last but not least wirbt die Deutsche Bank mit ihrer "Leistung aus Leidenschaft". Eine Leidenschaft, die wahre Leiden schafft, denn die Deutschbanker haben mit ihrer Leistung im Jahre 2015 den größten Verlust in ihrer Geschichte eingefahren. Wegen Rechtsstreitigkeiten, Konzernumbau und Stellenstreichungen hat sich nach eigener Angabe ein Minus von rund 6,7 Milliarden Euro angehäuft. Und das sind nicht mehr Peanuts für den Vorstand, sondern das sind schon Kopfnüsse.
Die „Leistung aus Leidenschaft“ erbrachte Milliarden Verluste!
© HORIZONT
Die „Leistung aus Leidenschaft“ erbrachte Milliarden Verluste!
Parallel dazu bietet die Deutsche Bank in einer Anzeige "das Anlagewissen von den führenden Finanzplätzen" an. Wozu der Spießer fragt: Wenn die Berater der Deutschen Bank so gut sind, wie sie in ihrer Werbung andeuten: Warum dann, um alles in der Welt, legen sie ihr Eigenkapital nicht so gewinnbringend auf den führenden Finanzplätzen an, dass am Ende ein Gewinn in der Bilanz ausgewiesen wird ...?!
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