Spießer Alfons

Von Ikarus bis zum Krokodil, das fliegt

Donnerstag, 03. März 2016
Wie Marken auf einen Höhenflug gebracht werden, zeigen Werber uns schon seit jener Zeit, als Ikarus hoch hinaus wollte!

Schon immer war es ein Traum des Menschen, fliegen zu können, und zwar wie die Vögel aus eigener Kraft. Das wissen wir seit Daedalus und Ikarus. Danach hat der Homo sapiens zwar mit der Kraft seiner Intelligenz das Flugzeug erfunden, dieses aber ist kein Ersatz für den Flug aus eigener Körperkraft. Und auch das Trampolin und das Bungee-Seil sind keine Flugmöglichkeiten im Vergleich mit Vögeln, Fliegen und Schmetterlingen. 



Höhenflüge von Menschen finden allerdings in deren Köpfen statt. Zum Beispiel in Comics und Filmen mit Superman. Auch bei vielen Werbemenschen sind Höhenflüge immer wieder sichtbar, nämlich von geistiger Art. Besonders bei den göttlichen Kreativen in den Agenturen: Diese Überflieger wollen gerne hoch hinaus, um auf der großen Bühne bei Werbewettbewerben zu landen.

Ein kreativer Höhenflug der Werbungmacher waren deren Flugversuche in der Kampagne von Red Bull. Hier hat ein Konsumpoet schon vor langer Zeit behauptet: „Red Bull verleiht Flügel“. Und dann sah man in den Bildern einer Kampagne die Abstürze der Konsumenten, die dem Lockruf der werblichen Fluglotsen gefolgt waren und sich dann weder mit Red Bull noch mit eigener Manpower in der Luft halten konnten sondern jämmerlich abgestürzt waren.


Wer nicht weiß, wie Werber auf solche geistigen Höhenflüge kommen, der muss sich das so vorstellen: Da sitzt so ein Kreativer vor einem Vakuum, das mit einer Kampagne ausgefüllt werden soll. Und er zermartert sich sein Gehirn zwecks Antwort auf die Frage: „Wie soll ich das Kunden-Briefing in Wort und Bild umsetzen?“ Zum Beispiel für das Label Lacoste. Hier hockte ein Konzeptioner vor der Aufgabestellung, die im Fazit des Kundenwunsches wie folgt formuliert worden war: „Der Lacoste-Käufer soll sich deutlich abheben von allen übrigen Modemarken!“
Modemarke Lacoste auf dem Sprung!
© Unternehmen
Modemarke Lacoste auf dem Sprung!
Abheben? Klar, das bedeutet fliegen! Aber nicht wie Daedalus und Ikarus mit künstlichen Flügeln, sondern Lacoste-Kunden sollen wie Superman und Supergirl mit ihren Capes in die Luft gehen! Um es kurz zu machen: So geschah es denn auch; in der Lacoste-Kampagne fliegen Menschen wie die Helden in Film und Comic. Und von Abstürzen hat der Spießer bis heute nichts gehört.

Auch eine andere Modemarke wollte daraufhin zu einem neuen Höhenflug starten, und zwar Camp David. Dieser Klamottenhändler hatte seinen ersten Sprung nach oben bereits vor längerer Zeit gemacht mit dem Überflieger Dieter Bohlen, bekannt für eingängige Noten und zweideutige Zoten. Und der Pop-Titan trug und trägt Camp David in seinen Dauerwerbesendungen bei RTL und machte die Marke damit schleichwerbeartig  populär.
Modemarke Camp David auf dem Sprung!
© Unternehmen
Modemarke Camp David auf dem Sprung!
Wie das mit den geistigen Höhenflügen der Werbegestalter tatsächlich ausschaut, darüber hat Spießer Alfons schon vor über 25 Jahren berichtet – wenn Ihr Euch die Abbildung am Fuße dieser Seite bitte mal anschauen wollt, eine Doppelseite, die anno damals im grünen Blatt aus München erschienen ist!

Und wenn jetzt jemand kommt und fragt, warum und wofür die Werber von Lacoste und Camp David für ihre Anzeigengestaltung möglicherweise Geld bekommen haben, dann kann der Spießer Euch diese Frage leider nicht beantworten.

Sprunghaftigkeit in der deutschen Wer-bung gab es schon zu der Zeit, als die Werbung von vielen Verbrauchern noch Reklame genannt wurde. Dass Werber so abgehoben gestalten, liegt an geistigen Blähungen, die offensichtlich nach oben treiben!
© Verlag
Sprunghaftigkeit in der deutschen Wer-bung gab es schon zu der Zeit, als die Werbung von vielen Verbrauchern noch Reklame genannt wurde. Dass Werber so abgehoben gestalten, liegt an geistigen Blähungen, die offensichtlich nach oben treiben!

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