Spießer Alfons

Steckt in diesem Schuh der Pferdefuß?

Donnerstag, 28. Mai 2015
Warum ausgerechnet die Schuhe des Teufels die feinsten der Welt sind, die von Meisterhand gemacht werden, erkundigt sich der Spießer bei Mephisto!
Frage an die christlich orientierte Lesergemeinde: Würde jemand von Euch seinem Kind den Namen Satan geben? Oder Teufel? Und würdet Ihr ein Produkt mit dem Markennamen Luzifer versehen...?


Spießer Alfons fragt sich seit eh und je, warum ein Schuhhersteller ausgerechnet den Markennamen "Mephisto" verwendet. Ein Name, der das Synonym ist für Satan, Teufel und Luzifer, sprich: für alles Übel dieser Welt, nicht zuletzt Schuhe, die uns drücken.

Überschrieben ist die Anzeige von Mephisto mit dem Wort: "world’s finest footwear", was übersetzt bedeutet: feinste Schuhe weltweit. Also eine Alleinstellung, sprich: ein werblicher Superlativ für diese Schuhe, die scheinbar direkt aus dem Fegefeuer der Hölle stammen.
Nur ein einziger Schuh? Klar, Mephisto hat doch einen Pferdefuß!
© HORIZONT
Nur ein einziger Schuh? Klar, Mephisto hat doch einen Pferdefuß!
Dann lesen wir noch den Hinweis: "Handmade von Meister-Schuhmachern". Und wenn man davon ausgeht, dass damit Schuhmachermeister gemeint sind, die den abgebildeten Schuh tatsächlich in Handarbeit gefertigt haben, dann kann man nur staunen. Und zwar über den Verkaufspreis von nur 175 Euro. Für Handarbeit von einem Schuhmachermeister! Dazu liefert der Mephisto-Shop seinen Kunden die diabolischen Schuhe auch noch frei Haus.


Fazit: Der feinste Schuh der Welt, handgearbeitet von einem Schuhmachermeister, kostet lediglich 175 Euro und wird auch noch ohne Zustellkosten geliefert. In den Augen des Spießers steckt ein Pferdefuß hinter dieser höllischen Werbung, und Alfons mutmaßt: Wird der Schuh wie abgebildet nur einzeln geliefert, weil Mephisto bekanntlich einen Pferdefuß hat?

Wie sagte der Fürst der Hölle doch schon in Goethes "Faust"? Mephisto sagte ganz allgemein zur Werbung: "Es war die Art zu allen Zeiten ... Irrtum statt Wahrheit zu verbreiten."

Der Werbedichter von Brother zitiert den Dichter Platon und also lautend: "Glücklich sind die Menschen, wenn sie haben, was gut für sie ist." Und unter diesem altgriechischen Universal-Werbewort liegt eine Frau in einer Position, die mehr als unbequem erscheint.  Diese Ruhestellung soll "At your side" sein. Und unter der Dame im glänzenden Kleidchen lesen wir die Unterzeile: "Willkommen am Arbeitsplatz der Zukunft", der offensichtlich ein Schlafplatz ist.
Sister beim Schlafen mit Brother am Arbeitsplatz: ziemlich unbequem!
© HORIZONT
Sister beim Schlafen mit Brother am Arbeitsplatz: ziemlich unbequem!
So, und dann schauen wir auf das Kleingedruckte, das ein wenig an Dadaismus denken lässt und wie folgt lautet: "Einem Gedanken ungestört zu folgen, bis aus ihm eine große Idee wird: das (Korrektur: Das) Büro der Zukunft kennt keine Unterbrechungen. Und bietet Businessgeräte (Korrektur: Komma) die darauf warten, unternehmensfördernde Konzepte zu Papier zu bringen. Direkt dort, wo sie ihren Ursprung haben. An Ihrem Arbeitsplatz. Mit den multifunktionalen Tintengeräten von Brother."

Ja, das ist in der Tat der "Arbeitsplatz der Zukunft", denn so etwas gibt es heute ja noch gar nicht. Und wenn man diesem Gedanken ungestört folgt, dann könnte man zum Ursprung einer Fragestellung gelangen, die da lautet: Hat der Textdichter vielleicht Tinte gesoffen?

Die Sister am Arbeitsplatz mit Brother lächelt hingegen so verklärt, als hätten die Werber sie mit Klosterfrau Melissengeist auf Zuckerwürfeln gefügig gemacht, in dieser Stellung zu verharren.

René Lacoste (1904-1996) war ein Tennisspieler, der den Beinamen "Le Crocodile" bekommen hatte. Nach seiner sportlichen Karriere gründete der Athlet die Modefirma Lacoste und machte das Krokodil zu seinem Markenzeichen.

Heute wirbt das Unternehmen mit dem Hinweis: "Life is a beautiful sport" und zeigt, wie dieser Sport aussieht: Sprung von einem Wolkenkratzer - siehe die Anzeige!
"Life is a beautiful sport"? Oder von einem Krokodil gebissen?
© HORIZONT
"Life is a beautiful sport"? Oder von einem Krokodil gebissen?
Natürlich kann es sich hier auch um einen Salto auf einem Trampolin handeln. Ob dieser wunderschöne Lebenssport aber dazu animiert, die Klamotten von Lacoste zu kaufen, weiß Lacoste-Kunde Alfons nicht so recht. Der Spießer denkt bei dieser Darstellung eher an ziemlich starke Blähungen, die zu unfreiwilliger Artistik führen.

Es klingt unglaublich, aber es ist ein Resultat, das sich nachrechnen lässt, und zwar das Ergebnis einer Studie der GfK, die das große Drama der Kosumwelt aufzeigt:

Fast 40 Prozent aller Produkte des täglichen Bedarfs, die neu in die Regale von Supermärkten, Drogerien oder Discountern kommen, sind nach rund drei Monaten wieder verschwunden wie ein Schneemann in der Sonne. Nur ein Drittel neuer Güter überzeugt die Verbraucher, sodass diese Waren mehr als die ersten zwei Jahre nach ihrer Geburt am Leben bleiben.

Wie Spießer Alfons aus "Focus" erfahren hat, bietet beispielsweise Rossmann jährlich 5000 Novitäten an, von denen sich nur eine geringe Zahl im Regal halten kann.

Besonders schlimm sieht es im Kosmetik-Bereich aus: Hier verschwinden 70 Prozent der neuen Cremes und Lippenstifte nach 24 Monaten vom Markt.

Womit Spießer das Thema Marktforschung anspricht: Da werden Produkte und Werbekampagnen kreuz und quer getestet, bevor sie das Licht der Welt erblicken. Und dann beträgt die Erfolgsquote gerade mal 30 Prozent. Spießige Frage: Haften Marktforschungsinstitute eigentlich für Prognosen, die sich hernach als unrichtig erweisen? Falls nein: warum nicht...?

Im Übrigen hat Spießer Alfons eine sehr preiswerte Methode zur Entscheidungsfindung für die Einführung neuer Produkte ersonnen, die eine durchschnittliche Trefferquote von vielleicht 50 Prozent ergeben könnte, nämlich das Hochwerfen einer Münze.
Alfons' Advertising Bubble
© HORIZONT
Alfons' Advertising Bubble
Themenseiten zu diesem Artikel:
stats