Spießer Alfons

Spießers Traum vom Wolkenkuckucksheim

Mittwoch, 07. Dezember 2016
Wer viel Geld verdient, der muss auch viel Steuern an den Fiskus zahlen. Aber er kann nicht nur persönlichen Luxus genießen, sondern er kann mit diesem Luxus auch seine Steuern reduzieren!

Könnte Alfons seinen Berufsweg noch einmal von vorn beschreiten, dann würde er nicht Spießer werden sondern Unternehmer. Mit eigener Firma und mit Erfolg, versteht sich. Das hätte den Vorteil: Der Spießer könnte Luxus am eigenen Leibe auf Kosten des Staates genießen, und zwar völlig legal.



Während der gemeine Arbeitsnehmer sich gerade mal einen Mittelklassewagen per Ratenzahlung leisten kann, dessen Kosten er nicht von seiner Lohnsteuer abziehen darf, kann der erfolgreiche Unternehmer seinen Ferrari fahren und die Kosten dafür beim Finanzamt absetzen. Und wenn er mal eine schöne Reise machen möchte, der Herr Geschäftsführer, dann lässt er einen Werbespot in der Karibik drehen und begleitet das TV-Team dort eine Woche lang zwecks Location-Suche und Beaufsichtigung der Dreharbeiten – wenn Ihr wisst, was Alfons meint. Und weil das Model im Film eine Handtasche als Requisite benötigt, wird diese von Gucci gekauft – auf Werbekosten natürlich. Und der Chef der Firma hat dann ein Mitbringsel für die Frau Gemahlin daheim.

Womit der Spießer zu den Anzeigen von Singapore Airlines und Korean Air kommt – siehe die Abbildungen!
Luxus im 7. Himmel, wo die Steuern redu-ziert werden können!
Luxus im 7. Himmel, wo die Steuern redu-ziert werden können!
Über den Wolken muss die Steuerfreiheit wohl grenzenlos sein!
Über den Wolken muss die Steuerfreiheit wohl grenzenlos sein!
Sicher gibt es Leute, die sich solche Flüge privat leisten können. Aber es sind zumeist Manager, die derart komfortabel auf einen Business-Trip nach Asien fliegen. Und diesen Luxus am eigenen Leibe können sie unbekümmert mit Champagner und Kaviar genießen, denn die Kosten für die Business Class übernimmt die Firma und setzt sie von den Steuern als Reisekosten ab. Richtig, liebe Lesergemeinde, aus den Worten des Spießers spricht nichts als der gelbe Neid. Und deshalb – siehe oben!
Ein Lifting, das nicht wirksam ist, wäre demzufolge gar kein Lifting!
Ein Lifting, das nicht wirksam ist, wäre demzufolge gar kein Lifting!
Sicher wird kaum jemand von Euch wissen, wer oder was Caudalie ist. Im Kleingedruckten einer Anzeige erfährt die Leserin: „dass das Resveratrol aus der Weinranke (bereits ein Patent von Caudalie) als ‚Booster’ zur Belebung der natürlichen Hyaluronsäureproduktion dient“. Womit für die Konsumentin eigentlich alles klar ist. Drollig ist darüber hinaus die Headline der Anzeige, nämlich die Frage: „Kann ein natürliches Lifting wirksam sein?“ mit der Antwort: „Fünf mal ja.“ Drollig ist die Frage deshalb, weil ein Lifting immer wirksam ist, egal ob künstlich oder natürlich. Denn genauso wie eine Schwangerschaft keine Schwangerschaft wäre, wenn die Frau nicht schwanger wäre, so wäre auch ein Lifting kein Lifting, wenn es nicht liften würde. Anderenfalls wäre es der Versuch eines Liftings.
Wer flüstert, der lügt. Oder: Warum sind die Produkte im Handel ein Geheimnis?
Wer flüstert, der lügt. Oder: Warum sind die Produkte im Handel ein Geheimnis?
Wir sehen zwei junge Frauen im Bilde einer Anzeige. Die rechte Frau hat geschädigtes Haar, und die linke verrät ihr gerade ein Geheimnis. Der Inserent heißt Rausch, und der Claim lautet: „Die Kraft der Kräuter“. Als Leser/in fragt man sich natürlich: Wie kann es ein Geheimnis sein, wenn das Produkt doch schon bekannt ist? Stehen die Sachen nicht in den Regalen der Apotheken, Drogerien und Warenhäusern wie angezeigt? Und keiner weiß, warum...? Ach ja, und noch was: Warum flüstert (!) die linke Frau das „Geheimnis“ ins Ohr der rechten Frau? Soll niemand anderes von diesem Geheimnis erfahren? Warum dann aber diese Anzeige...?
Da sprach der alte Häuptling der Indianer: Wir Sioux tragen Mokassins!
Da sprach der alte Häuptling der Indianer: Wir Sioux tragen Mokassins!
Sioux sind Schuhe, die mit dem Indianerstamm der Sioux so viel zu tun haben wie eine Hose von Bugatti mit der gleichnamigen Automarke. Und wie definiert der Schuhhersteller seine Zielgruppe? Der Textdichter hat es in der Headline zum Ausdruck gebracht: „Ehrlich im Herzen. Stolz im Blick.“Menschen, die nicht ehrlich im Herzen sind und keinen Stolz im Blick haben, sondern womöglich ihren Stolz im Herzen tragen und ehrlich im Blick sind, die sollen keine Schuhe von Sioux tragen, sondern sie sollen als Barfußindianer über die Prärie laufen! Hugh, Häuptling Weiser Spießer hat gesprochen!


Gute (sprich: erfolgreiche) Werbung zu machen, fällt Werbern heutzutage schwer. Stattdessen machen sie witzige Filmchen, stellen sie ins World-Wide-Web und freuen sich über gewaltige Klick-Zahlen. Und die verkaufen sie dann ihrem Auftraggeber als Werbewirkung – ha! ha! ha!

Filme im Internet zu veröffentlichen, die gewaltige Klick-Zahlen erzeugen, ist babyleicht. Würde zum Beispiel die Firma Hipp ihren Protagonisten in einem Spinatfeld zeigen, wo Claus Hipp seine Hosen runterlässt, auf die Pflanzen kackt und spricht: „Bei Hipp wird das Gemüse noch natürlich gedüngt“...

...dann würde die Firma damit im Internet gewaltige Klick-Raten generieren. Und? Wäre solches „Content-Marketing“ vielleicht sinnvoll für den Abverkauf der Hipp-Produkte...?

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