Spießer Alfons

Sparkasse Holstein: Kunden sind Schafe

Donnerstag, 01. Oktober 2015
Wenn Sparkassen 0 % auf dem Giro im Haben gewähren, im Soll aber kräftig zulangen, dann kann der Kunde durchaus an das Scheren von Schafen denken!

Wir kennen die Tierfabeln der alten Dichter Aesop, Jean de La Fontaine und Gotthold Ephraim Lessing, die zu den berühmtesten Fabeldichtern gehören mit ihren Geschichten, wo Tiere mit menschlichen Eigenschaften beschrieben werden, und wo am Ende eine allgemeingültige Moral auf sachlicher Ebene zum Ausdruck gebracht wird.



In diesen Fabeln bekommt jedes Tier spezielle Eigenheiten zugedichtet. So kennen wir beispielsweise den fleißigen Biber, den schlauen Fuchs, den stolzen Hahn, den ängstlichen Hasen, den treuen Hund, den starken Löwen und so weiter und so fort.

Auch unter den Dichtern aus heutiger Zeit gibt es sehr viele Poeten, die sich der tierischen Fabel bedienen. Es sind Werbetexter, deren Werke über die Medien unserer Zeit verbreitet werden. In den Geschichten der Werbung werden Menschen in bildlichen Metaphern als Tiere dargestellt. Bekannt wurden hier zum Beispiel der Fuchs von Schwäbisch-Hall, genauso wie sein Vetter aus dem Osten, nämlich der schlaue Fuchs von Spee. Und daneben steht die lila Kuh von Milka, die stumm zum Konsumenten spricht. Aber Kühe gelten ja auch nicht gerade als gesprächig und im Volksmund eher als dumm.


Ein aktuelles Beispiel für eine tierische Metapher präsentiert die Sparkasse Holstein, die hoch im Norden unseres Landes residiert und dort ihre Kunden mit Schafen vergleicht – siehe die Annonce!
Lasset die Schäflein zu uns kommen und scheret ihnen nicht das Fell – denn das machen wir!
© Unternehmen
Lasset die Schäflein zu uns kommen und scheret ihnen nicht das Fell – denn das machen wir!
Wir entnehmen der Empfehlung in Wort und Bild: Die Schafe sollen sich nicht scheren lassen, sondern ihre Wolle soll wachsen bis ins hohe Alter. Und die Schafe stehen hier synonym für Kunden bzw. potentielle Kunden der besagten Sparkasse.

Von den Fabeldichtern wissen wir: Schafe gelten als schutzlos, haben keine Rechte, sind dumm, fromm und schwach. Das Schaf trottet als Symbol für den Untertan in der Herde mit und guckt dabei auf den Arsch seines Vorgängers.

Und genauso wünschen sich die Sparkassen-Manager ihre Kunden, weshalb sie ihre Zielgruppe im Inserat bewusst als Schafe versinnbildlichen und damit erklären: „Im Alter reicht es völlig, wenn ihr dann noch euer eigenes Fell gerettet habt!“

Und darum sollen alle menschlichen Schafe zur Sparkasse Holstein kommen, und zwar schutzlos, ohne Rechte, dumm, fromm und schwach. So jedenfalls versteht der Spießer die allgemein gültige Moral der Sparkasse auf sachlicher Ebene.

Wer diese Darstellung glaubwürdig anders interpretieren kann, der bekommt von Spießer Alfons ein Päckchen reine Baumwolle.

Parallel dazu wirbt die Sparkasse Holstein mit einer zweiten Metapher im Bilde einer Annonce. Wir sehen dort eine Hand beim Schachspiel. Und der Textdichter verkündet dazu: „Es kommt auf den ersten Zug an“ – siehe die Abbildung!

Wer Schach spielen kann, der weiß: Die Behauptung der Sparkasse Holstein ist absoluter Nonsens. Vergleichbar mit der Behauptung über ein Fußballspiel: „Es kommt auf den Anstoß an.“
„Es kommt auf den ersten Zug an“ – und der fährt aufs Abstellgleis, oder wie...?
© Unternehmen
„Es kommt auf den ersten Zug an“ – und der fährt aufs Abstellgleis, oder wie...?
Der Text geht weiter: „Existenzgründung. Made in Holstein.“ Im übertragenen Sinne bedeutet diese tierische Metapher mit der Made: Bei der Finanzierung einer Existenzgründung steckt der Wurm in den Geschäftsbedingungen der Sparkasse.

Fazit: Wer glaubt, Werbung ginge so einfach, dass man sich Stock-Bilder nimmt und diese mit ein paar textlichen Phrasen versieht, der sitzt offenbar auf einem weich gepolsterten Bürosessel und wird allein deshalb nicht mattgesetzt, weil sein Vorgesetzter es vermutlich auch nicht besser weiß.

Apropos Metapher: Da haben wir noch eine Annonce, die ausschaut, als käme sie aus der Blütezeit der Reklame. Das Produkt sind pflanzliche Tropfen, die den Schmerz auf den Gelenken ziehen sollen, und zwar wie ein Magnet – siehe die Abbildung! Demzufolge wirken die Tropfen ähnlich wie eine Magnetfeldtherapie, deren Nützlichkeit immerhin anerkannt ist.

Kommen wir zum Kleingedruckten in der Annonce! Wir lesen und staunen: „Unsere Experten haben herausgefunden, was bei Gelenkschmerzen helfen kann: Ein natürliches Arzneimittel namens Rubax“.

Spießige Frage: Wer oder was sind „unsere Experten“? Vielleicht unsere Reklame-Experten? Und wie haben sie Rubax so mir nix, dir nix „herausgefunden“?
Experten haben ein Produkt entdeckt, das schon vor 200 Jahren entdeckt worden ist!
© Unternehmen
Experten haben ein Produkt entdeckt, das schon vor 200 Jahren entdeckt worden ist!
Auf jeden Fall ist erwähnenswert: In Rubax steckt nicht mehr und nicht weniger als eine Pflanze, die der Begründer der Homöopathie, nämlich Dr. Samuel Hahnemann, schon vor rund 200 Jahren als Mittel gegen rheumatische Beschwerden eingesetzt hat: Toxicodendron quercifolium Dil.

Dass die heutigen „Experten“ von Rubax (Dr. Fischer Gesundheitsprodukte GmbH) das erst rund 200 Jahre später herausgefunden haben und unter dem Namen Rubax teuer und in Tropfenform auf den Markt gebracht haben, spricht eher dafür, dass deren „Experten“ tatsächlich Reklamespezialisten sind, die mit ihrer Annonce eine magnetische Wirkung auf den Verbraucher ausüben wollen. Was ja nicht verboten ist. Genauso wenig, wie Experten verboten sind, die sich auf offener Bühne als Zauberkünstler betätigen und sich dabei gleichfalls der Magnete bedienen.

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