Spießer Alfons

Sinkflug: fluege.de & Reiner Calmund

Donnerstag, 25. August 2016
Ein Prominenter in der Werbung soll für das Vertrauen von Kunden zum Unternehmen sorgen. Was aber, wenn das Vertrauen vom Unternehmen missbraucht wurde ...?

Den Fußballfunktionär und Moderator Reiner "Calli" Calmund, Markenzeichen D&G (Dickwanst & Große Klappe), kennt der Fernsehzuschauer nicht nur als bekennenden Vielfraß aus der Sendung "Grill den Henssler!", sondern der selbstgefällige Dicke ist auch immer wieder zu beobachten in der Werbung – um nicht zu sagen: Reklame – und ganz besonders prägnant für fluege.de, wo er seit dem Jahre 2011 sein Testimonial abgegeben und um Vertrauen für dieses Online-Portal geworben hat.



An dieser Stelle muss Spießer Alfons nicht erwähnen, dass fluege.de sich mehr und mehr als Kunden-Nepper entpuppt hat und viele Menschen dort nicht nur für Flüge zahlen mussten, sondern auch für schlechte Erfahrungen, die sie beim Buchen gemacht haben. Und nicht wenige dieser Kunden werden bei fluege.de gebucht haben, weil sie dem Ex-Fußballmanager Reiner Calmund vertraut haben.

Und nun? Bekommen Kunden, die bei fluege.de nicht nur Flüge, sondern auch Lehrgeld bezahlt haben, das zu viel gezahlte Geld zurück? Vielleicht von Reiner Calmund, wenn sie den Promotor auf Erstattung verklagen ...? Denn es dürfte dem Reklameschreier nicht verborgen geblieben sein, dass es schon in der Vergangenheit häufig kritische Stimmen zu den Methoden dieser eigenständigen Tochter der inzwischen insolventen Unister-Mutter in der Presse gegeben hatte, die den lockeren Werbesprüchen aus dem Munde von Reiner Calmund deutlich widersprochen haben.
Calmund: "Wir halten, was andere versprechen" und finden immer "den billigsten und schönsten Flug"!
© Unister
Calmund: "Wir halten, was andere versprechen" und finden immer "den billigsten und schönsten Flug"!
Es gab mal einen vergleichbaren Fall mit Manfred Krug und Telekom: Der Schauspieler und Sänger hatte sich als Werbelokomotive für die T-Aktie ankoppeln lassen, bei der die Anleger hernach ihr Angelegtes ziemlich dezimiert sahen. Gerichtliche Klagen gegen Krug liefen allerdings ins Leere, weil der Darsteller, so die Vorsitzende Richterin, "in der Werbung nie Sachverstand für sich beansprucht" hatte. In der weiteren Begründung hieß es damals: Anleger müssten trennen zwischen emotional geführter Werbung und der nüchternen Darstellung eines Börsenprospektes. Und wer diesen nicht verstehe, der müsse sich entsprechend von Fachleuten beraten lassen.


Manfred Krug, der ehemalige "Tatort"-Kommissar und "Liebling Kreuzberg", sagte dann später öffentlich: "Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen bei allen Mitmenschen, die ene von mir empfohlene Aktie gekauft haben und enttäuscht worden sind."

Und was sagt Reiner Calmund, nachdem die Methoden des Online-Portals aufgeflogen sind und von den Medien beschrieben werden? Der redefreudige Süßspeisen-Fan aus dem Rheinland, der durchaus persönliche Kompetenz in Sachen Flüge verkörpert und in den Spots so gern von "meine Jungs von fluege.de" sprach und allen Urlaubern das Portal wärmstens empfohlen hatte, der scheint inzwischen den billigsten Abflug gemacht zu haben. Allerdings ohne fluege.de.

Wer Bier in der Werbung als "Erfrischung" bewirbt, der hat offenbar zu viel davon getrunken. Weshalb die Werber von Lübzer das Bier, dem 5,5% Grapefruit zugesetzt wurde, auch nicht mit "Lust auf Erfrischung" anbieten, sondern die Frage nach "Lust auf Erfrischung?" bezieht sich ausschließlich auf das Duschbad der Darsteller im Meer. Und dass die beiden Wasserratten nicht mehr ganz nüchtern sind, zeigen sie, indem sie in voller Bekleidung ins Wasser gehen – wenn Ihr mal einen Blick auf die Annonce werfen und erkennen wollt: Den Hinweis in der rechten Ecke unten, wo man lesen kann: "Bier bewusst genießen", diesen Hinweis haben die Werber aus dem Unterbewusstsein verdrängt.
Kann man Bier als Erfrischungsgetränk verkaufen? Nein, natürlich nicht. Die angezeigte „Erfrischung“ fällt total ins Wasser!
© Lübzer
Kann man Bier als Erfrischungsgetränk verkaufen? Nein, natürlich nicht. Die angezeigte „Erfrischung“ fällt total ins Wasser!
Dann ist da noch ein weiteres Sujet von Lübzer. Hier geht es um Brause, nämlich um "Lübzer alkoholfrei mit 5,5% Frucht". Und diese Brause von Lübzer trinkt man nicht aus der Flasche oder aus einem Glase, sondern das Zeug wird dem Mann aus einem Eimer über den Kopf geschüttet, und zwar von einer Dame.

Warum der Mann dazu in einem Bottich sitzen muss, wird aus der Anzeige nicht ganz klar. Genauso wenig wie der Grund für diese Darstellung. Spießige Frage: Wollte sich hier vielleicht ein echter Biertrinker lustig machen über das alkoholfrei Gebraute mit Früchten?
Was ein Biertrinker als „Brause“ bezeichnet: Alkoholfreies Bier mit Fruchtsaft. Das braust aus dem Eimer!
© Lübzer
Was ein Biertrinker als „Brause“ bezeichnet: Alkoholfreies Bier mit Fruchtsaft. Das braust aus dem Eimer!
Liebe Lesergemeinde, würdet Ihr eine Wassertemperatur von "36 ºC" in Eurer Badewanne als kalt empfinden? Laut Persil ist dem aber so. Denn 30 ºC sind nach indirekter Angabe des Werbetexters kälter als 36 ºC. Und "kälter" ist die Steigerungsform von "kalt".

Das hat allerdings wenig mit Persil zu tun, sondern es liegt in der Eigenart unserer Sprache. Und in der Doppeldeutigkeit des Wortes "kalt" ist auch ein Mensch kalt, der kein Mitgefühl hat. Und eine kalte Ente kann sowohl ein toter Vogel aus dem Kühlschrank sein wie auch ein Getränk. Und genauso eine Falschmeldung in der Zeitung, die nicht mehr heiß ist.
Heiß: Persil wäscht kälter!
© Henkel
Heiß: Persil wäscht kälter!
Aber der Spießer ist abgekommen von seinem Thema, nämlich der Headline in der Persil-Anzeige. Dazu macht Alfons dem Hersteller den Vorschlag für eine andere Headline – und zwar: "Für die Stromkosten bei 60 ºC waschen Sie 3 x mit 30 ºC."

Zugegeben: Diese Headline ist etwas länger als die bestehende, aber in der Anzeige wäre ja noch Luft für ein paar Wörter mehr, oder findet Ihr nicht? 

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